2007 Ökumenische Fachtagung

Christen im Abseits? - Chancen der Kirchen in Europa

Veranstalter: Diözesankommission für ökumenische Fragen der Erzdiözese Wien und das Kardinal König Haus

Ablauf

Freitag,

12. Jänner 2007

 

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 Entscheidende Fragen für Europa?

 

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Wie nimmt der Leiter der ORF-Büros in Brüssel Dr. Roland Adrowitzer die religiöse Wirklichkeit wahr?

 

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Wie begründen die Kirchenvertreter die Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa? Themen der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu, Univ.-Prof. Dr. Christian Friesl, Prof. Dr. Viorel Ionita, Oberkirchenrat Hon. Prof. Dr. Raoul Kneucker

 

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Prüfen der vorgetragenen Positionen und suchen nach konkreten Schritten auf dem Pilgerweg nach Sibiu unter Leitung von Prof. Heinz Nußbaumer

 

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Agape

 

 


 

Pressebericht der Kathpress vom 13.01.2007

 

Welche Chancen haben die Kirchen in Europa?

"Ökumenische Fachtagung" in Wien analysierte Stellenwert der Christen in der öffentlichen Diskussion

Wien, 13.1.07 (KAP) Stehen die Christen im heutigen Europa im Abseits oder haben die Kirchen durchaus Chancen, gehört zu werden? Diese Leitfrage stand im Mittelpunkt der Ökumenischen Fachtagung der "Kommission für ökumenische Fragen der Erzdiözese Wien" am Freitag im Wiener Kardinal-König-Haus.

Christian Friesl, Pastoraltheologe und Leiter der Abteilung für Gesellschaftspolitik der Industriellenvereinigung, betonte bei einem Podiumsgespräch unter Leitung des Publizisten Heinz Nußbaumer dass sich die Kirchen in den individualisierten Gesellschaften Europas vor allem als Stifterinnen von Gemeinschaft bewähren. Bei der Weitergabe des Glaubens dagegen stünden sie vielfach im "passiven Abseits", hier sieht Friesl als früherer Präsident der Katholischen Aktion Mängel. Weitgehende Passivität und Wirkungslosigkeit attestierte Friesl den Kirchen im politischen Bereich. Gefragt wäre eine dialogisch ausgerichtete Theologie, die "auf der Höhe der Zeit" ist und zugleich gesellschaftlichen Trends widersteht, durch die die Menschenwürde bedroht ist. Das Christentum solle sich zwischen der marktorientierten Wirtschaft und der Idee der Gerechtigkeit als "Katalysator" und "Lobbyist" einbringen.

Der Leiter des ORF-Büros in Brüssel, Roland Adrowitzer, begründete mit nackten Zahlen, warum die Christen in Europa eigentlich eine mitbestimmende Größe sein müssten: Mindestens zwei Drittel der 450 Millionen EU-Bürger bekennen sich zu den christlichen Kirchen, immerhin 15 Prozent in der EU seien als "aktive Christen" einzustufen. Dennoch stehen laut Adrowitzer die Christen in Europa im Abseits, weil es ihnen nicht gelinge, sich entsprechend bemerkbar zu machen: "Die Christen melden sich zu wenig", zitierte Adrowitzer Kardinal Franz König.

Ein weiteres Manko sieht der ORF-Journalist darin, dass viele Kirchgänger sozialem Engagement skeptisch gegenüber stünden. Dabei wäre gerade das die Aufgabe der Kirche, betonte Adrowitzer: Denn ohne soziale Dimension könne man das "europäische Projekt endgültig vergessen". Kampf gegen die Armut und für die Nachhaltigkeit wären laut dem Leiter des Brüsseler ORF-Büros zwei zentrale Themen für die Christen. "Die Kirchen sind mit ihren sozialen Programmen oft die letzte Zuflucht derer, die durch unser oft so gelobtes Sicherungsnetz fallen", sagte Adrowitzer. Dies gelte es in politische Mitgestaltung zu übersetzen, die Kirchen dürften sich nicht an den Rand drängen lassen.

Kernauftrag ist Verkündigung der Frohbotschaft

Von entscheidender Bedeutung sei, dass sich die Kirchen in Europa auf ihren Kernauftrag besinnen, den Menschen die Botschaft des Evangeliums zu bringen, betonte der rumänisch-orthodoxe Theologe Prof. Viorel Ionita. Durch die Wahrnehmung dieses Kernauftrags könnten die Kirchen den Menschen von heute nahe kommen, betonte Ionita, sie den heutigen Menschen näher sein, erklärte Ionita, der in die Vorbereitung der bevorstehenden Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) in Sibiu (Rumänien) eingebunden ist. Von diesem ökumenischen Groß-Event im September 2007 mit dem Motto "Das Licht Christi scheint auf alle" erhofft sich der Theologe "Erneuerung und Einheit" in Europa.

Auch der evangelische Oberkirchenrat Raoul Kneucker erwartet sich viel von der Versammlung in Sibiu. Es gelte Möglichkeiten zu gemeinsamem Vorgehen tiefer auszuloten: "Nur in einer gemeinsamen Aktion können die Kirchen beweisen, dass sie die Grundrechte und die Toleranz nicht nur predigen, sondern auch auf sich selbst anwenden".

Die Ökumenische Fachtagung wurde von der "Kommission für ökumenische Fragen der Erzdiözese Wien" und dem Kardinal-König-Haus als "Station" auf dem Pilgerweg nach Sibiu veranstaltet. Dabei wurde auch ein Kurzfilm über Sibiu gezeigt, das heuer - gemeinsam mit Luxemburg - Europäische Kulturhauptstadt ist. Die Vorsitzende der "Kommission für ökumenische Fragen der Erzdiözese Wien", Prof. Christine Gleixner, unterstrich die Bedeutung der EÖV3, bei der 2.000 Delegierte aus allen Teilen Europas Markierungen für den gemeinsamen Weg der Kirchen des Kontinents entwerfen werden.
 


 

Dr. Roland Adrowitzer Das Motto für Sibiu


 

Prof. Dr. Christian Friesl, Prof. Dr. Viorel Ionita, Prof. Heinz Nußbaumer,  Prof. Dr. Raoul Kneucker

 

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