Ökumenische Nachrichten

Übersicht der Themen

02.06.2017 (epd) Evangelische und Katholische Kirche vergaben Ökumenepreis
31.05.2017 (epd) Katholisches Ehrendoktorat für evangelischen Bischof Bünker
08.02.2017  (epd) Schönborn betont gemeinsamen Auftrag der Kirchen
Januar 2017  Hirtenbrief zum gemeinsamen Gedenken an 500 Jahre Reformation im Jubiläumsjahr 2017
30.11.2016  (epd) Linz: Kirchen rufen zu gemeinsamem Bemühen gegen Hass auf

23.11.2016  (epd) Ökumenischer TV-Gottesdienst zum Reformationsjubiläum
09.11.2016  (epd) 500 Jahre Reformation: Ökumenisches Miteinander
09.11.2016  (epd) 2017 – Vom Gegeneinander zum Miteinander
03.11.2016  (epd) November-SAAT: Auf den Spuren der Reformation

01.11.2016  (epd) Papst zum Reformationsjubiläum in Schweden
14.10.2016  (epd) Reformation: Kirchen schreiben Ökumene-Preis aus
11.06.2016  (epd) Ökumenische Sommerakademie über Reformation
14.06.2016  (thema kirche) Bischof Küng: Kirchliche Ehevorbereitung muss intensiviert werden

01.06.2016  (epd) Ökumene-Kongress mit 4000 Teilnehmern in München
14.03.2016  (thema kirche) Gedenken an den Ökumene- und Medienpionier P. Leo Wallner
05.02.2016  (thema kirche) Papst trifft Moskauer Patriarchen Kyrill I
02.02.2016  (epd)  Ökumenisches Wochenende in Graz über Beziehungspluralismus
27.01.2016  (epd)  Bischof Cilderdzic: Kirchentrennung ist Skandal und Schuld

21.01.2016  (Kirchenzeitung Linz) Amtseinführung des neuen Bischofs Dr. Manfred Scheuer
13.01.2016  (epd) Ökumene: Christliche Kirchen verstärken soziales Engagement
10.01.2016  (Sonntag) Kurt Koch: „Keine Alternative zur Ökumene“
18.12.2015  (F.A.Z.) Islamverständnisse
01.12.2015  (kathpress) Oberin Christine Gleixner verstorben
25.11.2015  (epd) Heiner Bielefeldt: Instrumentalisierung von Religion durchbrechen
16.11.2015  (Radio Vatikan) Papst zu Mahlgemeinschaft: Ziehen Sie die Konsequenzen
15.11.2015  (faz) Papst ermuntert Christen zur gemeinsamen Kommunion
20.11.2015  (thema kirche) Abschlussbericht der Familiensynode liegt jetzt auf deutsch vor
18.11.2015  (epd) Heine: "Gewalt ist niemals aus dem Koran begründbar

07.10.2015  (epd) Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit startet
11.05.2015  (epd) Bischof Bünker: "Niemals Schlussstrich ziehen"
07.05.2015  (epd) Reformation aus feministischer Sicht nicht abgeschlossen

28.01.2015  (epd)  Interkonfessioneller Frauen-Protest gegen Pegida
30.10.2014  (kathpress) Papst zu Ökumene: Christen sollen nicht auf Theologen warten
01.07.2014  (epd)  Körtner: "Reformationsjubiläum ist Anlass zum Feiern"
26.06.2014  (kathweb)  "Instrumentum Laboris" veröffentlicht
17.06.2014  (Kirchenzeitung) Wenn die „Quelle“ in Gefahr ist auszutrocknen
29.01.2014  (epd)  Ökumenische Sommerakademie über "Gewalt im Namen Gottes"
22.01.2014  (epd)  Schönborn: Reformationsjubiläum gemeinsam begehen
09.01.2014  (epd)  Österreichs Christen beten um Einheit der Kirchen
08.01.2014  (epd)  Pöll: "Unterschiede zwischen Kirchen nicht nivellieren"
15.11.2013  (epd)  Ökumenisches Projekt "Sozialwort 10+" vorgestellt
18.10.2013  (epd)  Ökumene: Methodist Lothar Pöll neuer ÖRKÖ-Vorsitzender
14.10.2013  (epd)  Bünker: "Kein Stillstand in der Ökumene"
02.10.2013  (epd)  Pröll: Gute Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Land
12.08.2013  (epd)  Kritik an FPÖ-Verständnis von Nächstenliebe
17.07.2013  (epd)  Körtner: Theologische Defizite prägen EKD-Familiendokument Kritik an "originellem Umgang mit Bibel"
12.07.2013  (epd)  Bischöfe betonen Aktualität des Ökumenischen Sozialworts
25.05.2013  (epd)  "Lange Nacht" - Kirchen zeigen gesellschaftliche Präsenz
18.03.2013  (epd)  GEKE: "Verschiedenheit der Kirchen ist eine Bereicherung"
13.03.2013  (epd)  Neuer Papst: Bischof Bünker erwartet ökumenische Offenheit
06.03.2013  (epd)  Reiner: "Jeder hat auch Leitungsverantwortung"
18.02.2013  (epd)  Bünker: "Brauchen Anerkennung des Papstes nicht"
15.02.2013  (epd)  "Keine neuen Impulse im Pontifikat Benedikts XVI."
11.02.2013  (kathweb)  Auch Ökumene-Vertreter würdigen Papst


20.08.2009  (DieFurche)   Kommunion-Verzicht für die Ökumene


wird laufend ergänzt.

Das umstrittene Vatikan-Dokument "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" zum Download (pdf 40kB)

 


02.06.2017
Evangelische und Katholische Kirche vergaben Ökumenepreis

„Vernetzte Ökumene Wien West“ für christlich-jüdischen Dialog ausgezeichnet

Salzburg (epdÖ) – Erstmals haben die Evangelischen Kirchen und die Katholische Kirche einen Ökumene-Preis vergeben. Der Preis ging an die Initiative „Vernetzte Ökumene Wien West“, die sich u.a. um den christlich-jüdischen Dialog bemüht. Beim ausgezeichneten Siegerprojekt handelt es sich um einen Leitfaden für eine gemeinsame christlich-jüdische Gedenkstunde bzw. Einstimmung auf den „Tag des Judentums“, der jedes Jahr am 17. Jänner begangen wird. Hinter dem Ökumene-Preis stehen die Österreichische Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche A.B., die Evangelische Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich.

Im Rahmen eines Festakts an der Universität Salzburg überreichten am Donnerstagnachmittag, 1 Juni, der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und der römisch-katholische Bischof Manfred Scheuer den Preis an die Leiterin der „Vernetzten Ökumene“, Elisabeth Lutter, und ihr Team. Der Jury gehörten die Leiterin der Religionsabteilung im ORF-Hörfunk, Doris Appel, der evangelische Pfarrer Michael Simmer und die katholische Pastoraltheologin Regina Polak an.

Der Preis werde für ein „gelungenes Beispiel gelebter Ökumene“ verliehen, das „innovativ, aktuell und modellartig verwendbar“ sei, erklärte Bischof Bünker. Auf den Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum wies Bischof Scheuer hin. Nach den Verletzungen und wechselseitigen Abwertungen der Vergangenheit gehe es heute für die Kirchen darum, „gemeinsam Zeugnis für das Evangelium abzulegen und einen Beitrag für das Zusammenleben der Menschen zu leisten“.
Polak würdigte in ihrer Laudatio das innovative Projekt. Der Leitfaden diene zur Förderung von Frieden und geistlicher Ökumene, besonders durch das Gespräch und die Vertrauensbildung zwischen Christen und Juden; nach der Katastrophe der Shoa eine bleibende Aufgabe für die christlichen Kirchen.

Ökumene bedeute neben dem Ringen um Wiederherstellung der getrennten Kirchen immer auch „Heilung, Versöhnung und Wiederherstellung verletzter Einheit“, so Polak. Zu dieser verletzten Einheit der einen Kirche Jesu Christi gehöre aus christlicher Sicht von Anbeginn an – „und tragischerweise auch“ – die gewaltbehaftete Trennung bzw. Abspaltung vom Judentum.

Konfessionsübergreifender Judenhass habe den geistigen Nährboden bereitet, auf dem das rassistische Gedankengut des Antisemitismus wachsen konnte, sagte die Theologin. Die Katastrophe der Ermordung von sechs Millionen Juden habe die christlichen Kirchen gezwungen, sich dieser Mitschuld zu stellen. Polak: „Heute wissen jene Katholiken und Evangelische, die sich seither im christlich-jüdischen Dialog engagieren, dass Christinnen und Christen ihren eigenen Glauben gar nicht verstehen können ohne Dialog mit dem Judentum in Geschichte und Gegenwart, und zwar so, wie es sich selbst versteht.“ Der christlich-jüdische Dialog sei „das grundlegende Thema für das Selbstverständnis als Christinnen und Christen“ und elementar für die Identität der Kirchen. Polak wies auf den zunehmenden Antisemitismus – „global und in vielerlei Gestalt“ – hin, „rechts wie links, demokratisch wie autoritär, muslimisch wie auch nach wie vor innerhalb der Kirchen“. In diesem Zusammenhang werde deutlich, „wie notwendig und aktuell ein solches Projekt wie der hier prämierte Leitfaden ist“.

Sichtlich erfreut über den Preis zeigte sich Elisabeth Lutter. Das Ökumene-Netzwerk sei inzwischen zu einem Freundeskreis zusammengewachsen. Mit dem Projekt wolle man nicht nur über das jüdische Vermächtnis, sondern mit jüdischen Menschen sprechen, um so „ein Stück Heilung und Vertrauensbildung“ zu leisten.

Ausgeschrieben wurde der Ökumene-Preis aus Anlass des Jubiläums „500 Jahre Reformation“. Mit dem Preis – eine Reise ins Heilige Land für zwei Personen – soll ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Einheit der Kirchen gesetzt werden, wie es in der Einladung zur Preisverleihung heißt. Den Festvortrag hielt der Münchner Soziologe Armin Nassehi. Er zeigte auf, dass sich moderne Gesellschaften in permanenter Reformation befinden. Während Religion weltgesellschaftlich wieder sichtbarer werde, stünden Kirchen vor der Herausforderung, ihre „Bindekraft“ wieder herzustellen.

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31.05.2017  
Katholisches Ehrendoktorat für evangelischen Bischof Bünker

Festakt mit Bundespräsident Van der Bellen in Salzburg

Salzburg (epdÖ) – Mit Michael Bünker hat erstmals in Österreich ein evangelischer Bischof die Ehrendoktorwürde einer katholischen Fakultät erhalten. Im Rahmen eines Festakts an der Universität Salzburg, an dem am Mittwochnachmittag, 31. Mai, auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen teilnahm, ehrte die Katholisch-Theologische Fakultät den lutherischen Bischof mit dem Ehrendoktorat der Katholischen Theologie.

Die Fakultät wolle damit einen „außerordentlichen Theologen“ auszeichnen, der als „selbstbewusster evangelischer Christ“ seiner Kirche eine Stimme leiht, die in Österreich gehört werde, wenn es um den gesellschaftlichen Ort des Christentums in der Gesellschaft geht“, sagte der Fundamentaltheologe und Ökumeniker Gregor Maria Hoff, der gemeinsam mit Dekan Dietmar Winkler den Antrag zur Ehrenpromotion verfasst hat. Bünker übersetze das Evangelium „öffentlich in Ansprüche für die Menschen, die allzu leicht um ihre Menschlichkeit gebracht werden“, erklärte Hoff weiter und würdigte Bünker als „theologischen Experten für Grenzüberschreitungen im Dienst der Humanität“.

Zugleich solle die Verleihung im Jahr des Reformationsgedenkens 2017 vor allem auch die ökumenische Bedeutung der Reformation gerade aus katholischer Perspektive öffentlich zur Geltung bringen. Gregor Maria Hoff sagte bei dem Festakt, man könne Geschichte nicht zurücknehmen und „Verantwortung nicht in Ehrenbezeugungen aufwiegen“, die Katholisch-Theologische Fakultät setze mit dieser Verleihung des Ehrendoktorats an den evangelischen Bischof aber ein Zeichen dafür, „dass und wie sich Religionskonflikte in ein Verhältnis aufrichtiger kirchlicher Verbundenheit und produktiver Gesprächskultur überführen lassen“.

In seinen Dankesworten unterstrich Michael Bünker die Notwendigkeit einer gründlichen wissenschaftlichen Theologie, denn der christliche Glaube sei seinem Wesen nach kritischer Glaube: „Er toleriert nicht nur widerwillig, dass ihm die Vernunft hineinredet, er verlangt von sich aus danach!“ Im Gespräch mit den Wissenschaften frage er danach, was sie zur „Menschwerdung des Menschen“ beitragen und „ob sie noch frei sind in den Zwängen der Ökonomisierung und Zweckrationalitäten“. Auch wenn das Gespräch zwischen Glauben und säkularer Vernunft schwierig sei, bleibe es eine zentrale Herausforderung um Sinn stiftende Potentiale zu erschließen.

Bei der Auszeichnung handle sich um ein „symbolträchtiges Signal der Religionsverständigung und belastbarer konfessioneller Religionskontakte“, heißt es weiter im Antrag zur Ehrenpromotion. Das sei insbesondere für Salzburg bedeutsam, habe es hier doch 1731/32 die heftigsten Protestantenverfolgungen in Österreich gegeben. Insofern sei die Verleihung der Ehrendoktorwürde auch ein „bedeutendes Zeichen für eine lange Zeit unvorstellbare gegenseitige Anerkennung“ von katholischer und evangelischer Kirche.

Unter Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian mussten 1731/32 rund 22.000 Salzburger Lutheraner das Landes verlassen. Die Vertriebenen stammten vorwiegend aus dem Pongau und dem Pinzgau. Zwei Drittel aller Bauernhöfe in den beiden Gebirgsgauen blieben verwaist zurück, was den größten Bevölkerungsverlust bedeutete, den Salzburg je erfahren hatte. Erst 1966 bat der damalige Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher die evangelischen Christen offiziell um Vergebung für die Vertreibungen.
Theologisch werde mit dem Ehrendoktorat ein wichtiges Anliegen des Theologen und Bischofs Michael Bünker gesetzt, betonen Hoff und Winkler: Die Entwicklung der Ökumene sowie die konkrete Zusammenarbeit der Kirchen in der Gesellschaft.

Als Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa vertrete Bünker auch die Agenden der evangelischen Kirchen in Europa mit einem entschieden ökumenischen Anliegen. Gerade in religionspolitisch aufgeregten Zeiten bringe Bünker die „gesellschaftliche Prägekraft christlicher Existenz“ einspruchsstark zur Geltung und stehe damit eindrucksvoll für die „Einmischungsfähigkeit der christlichen Kirchen aus dem Geist des Evangeliums und der Reformation“, so Hoff und Winkler.
Für Bünker selbst ist Auszeichnung „eine Ehre, die ich keineswegs nur eigenen Verdiensten zuschreiben möchte, sondern vielmehr als ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung evangelischer Theologie und evangelischer Kirchlichkeit in unserem Land auffasse, für das wir im 500. Jahr der Reformation nur gemeinsam Danke sagen können.“

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08.02.2017
Schönborn betont gemeinsamen Auftrag der Kirchen

Ökumenischer Empfang im Erzbischöflichen Palais

Wien (epdÖ) – Die gemeinsame Sendung der Kirchen in der Welt, die wesentlich bedeutender sei als alle Unterschiede, stand im Mittelpunkt des traditionellen Ökumenischen Empfangs von Kardinal Christoph Schönborn am Mittwochabend, 1. Februar, in Wien. „Was uns verbindet und zusammenbringt, ist der eine Name Jesu Christi“, sagte Schönborn. Das müsse etwa auch die Leitlinie für das Reformationsjubiläum 2017 sein. Im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres dürfe nicht die Spaltung der Kirchen stehen, sondern deren gemeinsamer Auftrag und das gemeinsame ständige Bemühen um Erneuerung.

Schönborn zeigte sich in seinen Ausführungen sichtlich bewegt über jene Angehörigen der koptischen IS-Opfer, die er im vergangenen Herbst in Ägypten getroffen hat. 20 junge ägyptische Kopten und ein Afrikaner aus Ghana waren wegen ihres christlichen Glaubens im Februar 2015 in Libyen von IS-Terroristen bestialisch ermordet worden. Die Tat wurde über ein Internetvideo bekannt. Schönborn besuchte deren Familienangehörige in der oberägyptischen Stadt Samalut und nahm sich Zeit für die Geschichte jeder einzelnen Familie. Im Anschluss segnete er alle. Schönborn zeigte sich erschüttert über die Bluttat, zugleich aber auch tief bewegt über die Standhaftigkeit der Ermordeten und mit welcher Glaubensstärke die Familienangehörigen ihr Schicksal ertragen. Trotz aller Trauer hätten die Augen der Familienangehörigen „gestrahlt und geleuchtet“, berichtete der Kardinal von der Begegnung.

Reformationsjubiläum stärkt Ökumene

Der lutherische Bischof Michael Bünker griff die Ausführungen Kardinal Schönborns zum Reformationsjubiläum auf und zeigte sich überzeugt, dass die Besinnung auf die Reformation die Ökumene stärken werde. Die Kirchen würden nicht dadurch an Stärke gewinnen, dass sie sich gegeneinander abgrenzen, „sondern durch das Füreinander-da-Sein“, so Bünker wörtlich. Und er betonte: „Vieles unterscheidet uns, trennt uns aber nicht.“

Der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld unterstrich in seinen Ausführungen die soziale Verantwortung der Kirchen in der Gesellschaft. Daneben gelte es, sich für den Frieden in der Welt einzusetzen, so Hennefeld, der seit 1. Jänner 2017 auch Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) ist. Ein besonderes Anliegen ist ihm dabei der Einsatz für ein Ende der Gewalt im Heiligen Land. In diesem Sinn sei auch die Beteiligung des ÖRKÖ am „Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI) zu sehen. Seit 2010 entsendet der ÖRKÖ Freiwillige, die sich gemeinsam mit Friedensaktivisten aus aller Welt für eine Deeskalation und ein friedliches und gerechtes Zusammenleben vor Ort einsetzen. Wie Hennefeld weiter sagte, wolle er als ÖRKÖ-Vorsitzender auch das christlich-jüdische Gespräch forcieren. Die Christen müssten sich stets auf ihre jüdischen Wurzeln besinnen, nicht nur jedes Jahr einmal am „Tag des Judentums“, der am 17. Jänner begangen wird.

Im Rahmen des Empfangs stellte sich auch der neue methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs vor. Gerade für eine in Österreich kleine Kirche wie jene der Methodisten mit rund 1500 Mitgliedern sei die ökumenische Zusammenarbeit besonders wichtig; unter anderem auch im sozialen Bereich. So beteilige sich die methodistische Kirche etwa am Projekt „Wärmestuben“ der Caritas.

Der orthodoxe Theologe Ioan Moga berichtete über die Panorthodoxe Synode im vergangenen Juni auf Kreta und den derzeitigen Stand der Rezeption der Synodenbeschlüsse durch die einzelnen orthodoxen Kirchen. Auf der Synode habe man die rechte Balance zwischen der Bewahrung der Tradition und einem neuen Dialog mit der Moderne gefunden, erklärte Moga.

Die katholische Theologin Regina Augustin und die methodistische Pastorin Esther Handschin stellten das „Ökumenische Forum Christlicher Frauen in Österreich“ vor. Die beiden wurden vor kurzem zu den neuen Nationalkoordinatorinnen gewählt. Das Forum hat zum Ziel, zu Versöhnung und Gerechtigkeit beizutragen, religiöse, kirchliche, politische, wirtschaftliche und soziale Themen und Probleme im Sinne einer ökumenischen Theologie und Spiritualität aus Frauensicht kritisch zu prüfen und innerkirchliche wie öffentliche Meinungsbildung dazu zu fördern.

Die Vertreter der Kirchen gedachten beim Empfang auch des vor kurzem verstorbenen armenisch-apostolischen Alterzbischofs Mesrob Krikorian. Kardinal Schönborn würdigte ihn als einen „Ökumeniker der ersten Stunde“.

Zum Ökumenischen Empfang waren die Spitzenvertreter fast aller in Österreich ansässigen Kirchen gekommen; neben den Referierenden unter anderen auch der koptische Bischof Anba Gabriel, der orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis, der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic und der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner. Die Politik war durch Außenminister Sebastian Kurz vertreten.

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Januar 2017
Hirtenbrief zum gemeinsamen Gedenken an 500 Jahre Reformation im Jubiläumsjahr 2017

Liebe Schwestern und Brüder!

Unser gemeinsamer Hirtenbrief ist Ausdruck der Dankbarkeit und der Hoffnung. Wir sind dankbar für den Weg, der uns als Kirchen aus der Trennung und dem Gegeneinander in das Miteinander geführt hat. Dahin, dass wir heute das, was uns eint als wesentlich stärker ansehen als alles, was an Differenzen noch vorhanden ist. Im Glauben an den dreieinen Gott und in der Taufe ist unsere Einheit von Gott her Grund gelegt und von dieser Mitte aus wächst sie weiter.

Wir sind insbesondere dankbar, dass die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre im Jahr 1999 den Weg bereitet hat, dass wir heute das Jahr 2017 nicht mehr im Gegeneinander begehen. Wir sind auch dankbar für die vielen Gespräche im Vorfeld, in denen die katholische Kirche die evangelische darauf hingewiesen hat, dass dieses Jahr auch das Element der Buße enthalten sollte; und die evangelische Kirche die katholische darauf, dass dieses Jahr zu Recht mit Freude begangen wird. Und wir sind schließlich dankbar, dass hier in Oberösterreich von Vertreterinnen und Vertretern unserer Kirchen ein gemeinsames Wort verfasst wurde. Dieses begrüßen wir und empfehlen es zum Studium.

Nach vielen Jahrhunderten der Zerstrittenheit, der Verwundungen und der Verfolgungen befinden sich katholische und evangelische Kirche nunmehr in einem guten ökumenischen Prozess des Miteinander und des Austauschs. Heute, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers, können wir Luther gemeinsam als Zeugen des Evangeliums, Lehrer im Glauben und Rufer zur geistlichen Erneuerung würdigen. Wir sehen es als gemeinsame Aufgabe, uns auf Jesus Christus, in dem Gott sich unwiderruflich und unüberbietbar zusagt, zu besinnen, und aus dieser Mitte heraus in der Öffentlichkeit unseren Glauben weiterzusagen.

Unsere Hoffnung geht dahin, an den verbliebenen Differenzen kontinuierlich und zügig so weiterzuarbeiten, dass die schmerzhafte und schuldhafte Trennung am Tisch des Herrn in absehbarer Zeit überwunden werden kann. Wir selbst verpflichten uns, diesen Weg mit Freude, Hingabe und Geduld zu gehen und uns nicht mit dem Erreichten zufrieden zu geben.

Unsere Hoffnung geht dahin, den Austausch der Gaben zu fördern. Beide Kirchen haben einander so viel zu geben, beide können voneinander so vieles lernen, vermögen einander zu stärken, einander „Gehilfen zur Freude“ sein.

Unsere Hoffnung geht dahin, dass uns dieses Miteinander befähigt, unseren Auftrag besser zu erfüllen:

- die Verkündigung des Evangeliums in Kraft, Klarheit und Verständlichkeit;

- die dienende und liebevolle Hinwendung zu den Menschen;

- das Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Gemeinsam schließlich wissen wir uns gerufen zu der stets neuen Umkehr und Hinwendung zu ihm, der unser Lehrer und Meister ist. Gemeinsam wissen wir uns gerufen zu der steten Bitte an den Heiligen Geist, uns zu erneuern, damit wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden an seinem Werk:

„zu verkünden das Evangelium den Armen, den Gefangenen zu predigen, dass sie frei sein sollen, den Blinden, dass sie sehen sollen, den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkünden das Gnadenjahr des Herrn.“

Das Jahr 2017 gemeinsam in diesem Geist zu begehen und damit nach 500 Jahren ein unübersehbares Zeichen zu setzen, dazu wollen wir aufrufen und Mut machen.

Bischof Dr. Manfred Scheuer          Superintendent Dr. Gerold Lehner

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30.11.2016
Linz: Kirchen rufen zu gemeinsamem Bemühen gegen Hass auf

Ökumenischer TV-Gottesdienst zum Adventbeginn

Linz (epdÖ) – Ein außergewöhnliches Zeichen der Verbundenheit setzten am Sonntag, 27. November, in Linz die Evangelischen Kirchen und die Römisch-katholische Kirche bei einem gemeinsamen Fernsehgottesdienst zu Adventbeginn in der evangelischen Versöhnungskirche. Der Linzer römisch-katholische Diözesanbischof und Ökumene-Beauftragte der Österreichischen Bischofskonferenz Manfred Scheuer und der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker betonten in ihren Predigten das gemeinsame Bemühen der Kirchen im Kampf gegen Diskriminierung, Hass und Intoleranz und im Einmahnen der Menschenwürde.

An der Wurzel von Krieg und Terror stünden oft, so Scheuer, die „Vergötzung von Heimat und Landbesitz, von Nation, von Ethnie und einer exklusiv verstandenen Religion“. Diese gelte es zu entlarven und dagegen Gott als „Urgrund von allem, als den Urgrund von Frieden und Versöhnung zu verkünden“. Eigene Verfolgungsängste und Hassgefühle müssten aufgearbeitet, Feindbilder abgebaut und Vorurteile hinterfragt werden. Als Schablone könne die Friedensvision aus dem Jesaja-Buch dienen, sagte der Bischof.

Diese Vision und der als Friedenskönig im Neuen Testament dargestellte Jesus fordern laut Bünker heraus, Verachtung und Missachtung von Menschen, von Minderheiten, von anders Denkenden, anders Glaubenden und anders Lebenden zu widerstehen und kritisch gegenüber Macht und Geld zu sein. Wer heute gewinnen wolle, müsse laut und polarisierend, verletzend in der Konfrontation und gnadenlos zu den anderen und zu sich selbst sein.

Österreich sei aktuell geprägt von Gegensätzen, die sich zuspitzen, von einem sich verschärfenden Ton, Hass und Ablehnung und einem vergifteten Miteinander, erklärte Bünker. „Unsere Welt, gejagt und gehetzt von rasanten Entwicklungen, die scheinbar ungesteuert ablaufen, uneinig in dem, was dem Frieden dient, unentschlossen in der Bewahrung der Schöpfung, uneinsichtig, wenn es um Recht und Würde für alle, um Gerechtigkeit für jeden und jede geht.“

Fortschritte in der Ökumene

Sowohl Scheuer als auch Bünker lobten die Fortschritte in der Ökumene. In ihr „sehen wir heute, wie viel wir einander geben können und schon gegeben haben“, unterstrich Bünker. Ökumene sei als Gabe zu verstehen, „in der die Vielfalt keine Bedrohung und kein Ärgernis ist, sondern eine bereichernde Erfahrung, die uns etwas von der Fülle spüren lässt, die aus Gottes Gnade fließt“. Die Freude über eine „wiederentdeckte ökumenische Verbundenheit“ habe auch ihre Berechtigung, so Scheuer. Dieses Miteinander sei keine Selbstverständlichkeit, sondern ein kostbares Gut.

Gottesdienst mit vier verschiedenen Konfessionen

Erstmals feierten vier Konfessionen einen ökumenischen Gottesdienst am Sonntagvormittag, der vom ORF und ZDF live aus der evangelischen Versöhnungskirche in Linz übertragen wurde. Dem Gottesdienst standen neben Scheuer und Bünker der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld und der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs vor. Das Motto für die Feier lautete: „Im Licht der Versöhnung gesehen“.

Vor Beginn des Gottesdienstes machten sich Delegationen der katholischen Pfarre Linz-Heiliger Geist, der örtlichen evangelisch-methodistischen Gemeinde und der örtlichen evangelischen Gemeinde H.B. in Form eines Sternmarsches auf den Weg zur Versöhnungskirche.

Zu Beginn des Gottesdienstes wurde an einem speziellen Adventkranz der Diakonie die erste Kerze entzündet. Es handelt sich dabei um einen Kranz mit vier großen Kerzen für die Adventsonntage und je einer kleinen Kerze für die Werktage im Advent. Die Diakonie will damit an den Ursprung des Adventkranzes erinnern: Der evangelische Pfarrer Johannes Wichern hat den Adventkranz im 19. Jahrhundert für benachteiligte Jugendliche in ebendieser Form erfunden. Am Ende des Gottesdienstes wurde mit dem Segen auch das Kerzenlicht als „Licht der Versöhnung“ an alle Mitfeiernden weitergegeben, damit diese es hinaus in die Welt tragen.

Gesehen haben den TV-Gottesdienst in Österreich 82.000 Menschen, das entspricht einem Marktanteil von 16 Prozent. „Sehr gute Werte“, bilanziert der ORF, für 2016 erreichte der Linzer Gottesdienst den bis jetzt höchsten Marktanteil bei den eigenproduzierten Gottesdiensten und die zweithöchste absolute Zahl. Nur die Übernahme „Ostern aus Rom“ sahen in beiden Kategorien mehr Menschen.

Die evangelische Versöhnungskirche und das dazugehörende Gemeindezentrum im Linzer Stadtteil St. Magdalena wurde im Oktober 1997 nach nur gut einjähriger Bauzeit ihrer Bestimmung übergeben. Sie präsentiert sich von außen durch unverputzte Wände aus Altbauziegeln sowie die Materialien Holz, Glas und Stahl. Die zwei Bauten mit Flachdächern sind ein- bis zweigeschoßig und asymmetrisch gegliedert. Der Kirchenbau wird von einer turmartigen Glas-Stahl-Konstruktion akzentuiert und überhöht, die über einen Lichtschacht den Altarbereich mit Licht versorgt und heraushebt.

Fotos von der Produktion und ein Videoclip aus dem Übertragungswagen unter foto.evang.at

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23.11.2016
Ökumenischer TV-Gottesdienst zum Reformationsjubiläum

ORF2 überträgt Adventgottesdienst live aus Versöhnungskirche in Linz

Linz (epdÖ) – Einen einzigartigen und besonderen Gottesdienst überträgt ORF2 am ersten Adventwochenende. Zu Beginn des Reformationsjubiläumsjahres 2017 – 500 Jahre Reformation – feiern vier Konfessionen in ökumenischer Verbundenheit am 27. November in der evangelischen Versöhnungskirche in Linz-Dornach Gottesdienst.

„Im Licht der Versöhnung gesehen“ – unter dieser Überschrift feiern die Evangelische Kirche A.B., die Evangelische Kirche H.B., die Evangelisch-methodistische Kirche und die Römisch-katholische Kirche gemeinsam. Den Gottesdienst gestalten unter anderen der lutherische Bischof Michael Bünker, der für die Ökumene zuständige Bischof der Römisch-katholischen Kirche, Manfred Scheuer, der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B., Thomas Hennefeld, sowie Stefan Schröckenfuchs, Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Übertragen wird der Gottesdienst aus Linz am 1. Advent, 27. November, um 9.30 Uhr auf ORF2 und im ZDF.

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09.11.2016
500 Jahre Reformation: Ökumenisches Miteinander

Erstmals evangelisch-katholische Begegnung bei
Bischofskonferenz

Eisenstadt (epdÖ) – Erstmals ist es bei der Versammlung der römisch-katholischen Bischöfe zu einer hochrangigen ökumenischen Begegnung gekommen: Im Vorfeld des Reformationsjubiläums nahmen die Kirchenleitungen der Evangelisch-lutherischen, der Reformierten und der Methodistischen Kirchen auf Einladung der römisch-katholischen Bischofskonferenz teil an einer gemeinsamen Klausurtagung. „Dieses erstmalige Ereignis steht für das wachsende ökumenische Miteinander in unserem Land“, sagte Bischof Michael Bünker bei einer Pressekonferenz am Dienstag, 8. November, zu Beginn des gemeinsamen Treffens in Eisenstadt.

Kardinal Christoph Schönborn betonte die Gemeinsamkeiten beider Kirchen. Die Ökumene sei „so alt wie die Reformation“. Schönborn wörtlich: „Wir haben Wege der Versöhnung gefunden. Das Gemeinsame ist stärker als das Trennende.“ Katholische und Evangelische Kirche hätten Unterschiede, „aber wir sind nicht mehr Feinde“, erklärte der Kardinal. Heute könnten katholische und evangelische Christen dankbar feststellen, dass es „vom Gegeneinander zum Miteinander“ gekommen sei.

Die ökumenischen Bemühungen vieler Christen hätten in vielfältiger Weise das Leben der Kirchen bereichert. „Gemeinsam sind uns die Überzeugung und der feste Wille, auf dem Weg zur Einheit voranzukommen und beharrlich an der Überwindung der letzten Hindernisse zu arbeiten“, zitierte Kardinal Schönborn aus einer am Dienstag gemeinsam mit den Evangelischen Kirchen veröffentlichten Erklärung. Wie weit das ökumenische Miteinander in Österreich schon ist, zeige beispielsweise die weltweit einzigartige Zusammenarbeit bei der Ausbildung katholischer und evangelischer ReligionslehrerInnen an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems.

Ökumene sei nicht nur eine Selbstverständlichkeit auf der Ebene der Kirchenleitungen, sondern lebe noch viel mehr von der tagtäglichen Ökumene der Gläubigen und solle noch weiter vorangetrieben werden. „Daher können wir durch die Freude am Evangelium und die gemeinsame Ausrichtung auf Jesus Christus miteinander feiern“, so Schönborn unter Verweis auf die Erklärung.

Bünker: Unterschiede können bereichernde Gaben sein

Bischof Bünker räumte in seinen Ausführungen auch die lange Zeit des Gegeneinanders, der gewaltsamen Auseinandersetzung und des verletzenden und missachtenden Umgangs miteinander ein. Bünker: „Deutliche Schritte der Versöhnung sind gesetzt worden. Evangelische denken dabei voll Dank an die Vergebungsbitte, die Erzbischof Andreas Rohracher im Jahr 1966 hinsichtlich der Vertreibung der Protestanten 1731 aus Salzburg ausgesprochen hat.“

Die Heilige Schrift sei die gemeinsame Grundlage der Kirchen. Bünker: „Heute sehen wir, dass uns mehr verbindet, als uns trennt.“ Es gebe Unterschiede, diese müssten aber nicht kirchentrennend sein bzw. bleiben. Bünker: „Die bestehenden Unterschiede können auch als Gaben verstanden werden, die wir einander schenken, und müssen nicht länger zu gegenseitigen Verurteilungen führen.“

Der gemeinsame Einsatz der Kirchen müsse in erster Linie den Verletzlichen und Schwachen gelten, „die unsere Hilfe brauchen und für die wir unsere Stimmen erheben“. So würden die Kirchen einen unersetzlichen Beitrag zu einem friedlichen Zusammenleben in einer Gesellschaft leisten, die von religiöser, kultureller und politischer Vielfalt geprägt ist, sich zugleich mit dieser Vielfalt aber schwertue. Hier müssten die Kirchen einen Beitrag zur Versöhnung leisten.

Bünker zeigte sich zudem zuversichtlich, dass es über den gemeinsamen gesellschaftlichen und sozialen Einsatz von Evangelischer und Katholischer Kirchen demnächst auch Fortschritte im theologischen Gespräch geben werde. „Es gibt keinen Stillstand in der Ökumene“, meinte er. So arbeite derzeit der Päpstliche Einheitsrat mit der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) an den Fragen des Amts- und Kirchenverständnisses sowie der Eucharistie.

Vorbildliche Ökumene in Österreich

Die Ökumene in Österreich zeichne sich in vielfältiger Weise aus, hielten Schönborn und Bünker fest. Der evangelisch-lutherische Bischof würdigte u.a., dass die Katholische Kirche in Österreich seit 1994 Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen ist, was in anderen Ländern nicht der Fall sei. Auch die starke Einbeziehung der Orthodoxie in die Ökumene – beispielsweise bei der Erarbeitung des Ökumenischen Sozialworts 2003 – sei eine österreichische Spezialität und nicht selbstverständlich.

Schönborn hob die Vorbildfunktion Österreichs auf Ebene der Gesetzgebung hervor. Die rechtliche Gleichstellung aller anerkannten Kirchen (und Religionsgemeinschaften) sei in vielen anderen Ländern so nicht gegeben. Dies schaffe gerade in Österreich ein Klima des gegenseitigen Vertrauens.

Vorgestellt wurde bei der Pressekonferenz auch der Ökumene-Preis, den die beiden Kirchen anlässlich des Reformationsjubiläums ausschreiben. Ausgezeichnet werden beispielhafte Projekte gelungener Ökumene.

Die gemeinsame katholisch-evangelische Erklärung zu „500 Jahre Reformation“ findet sich hier.

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09.11.2016
2017 – Vom Gegeneinander zum Miteinander

Erklärung der Katholischen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirchen

Eisenstadt (epdÖ) – Nur miteinander können die Katholische und Evangelische Kirche glaubwürdig vor der Welt den christlichen Glauben leben und den Menschen dienen. Das ist die Quintessenz einer gemeinsamen Erklärung der Katholischen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirchen in Österreich, die am Dienstag anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 veröffentlicht wurde. Die Erklärung trägt den Titel „500 Jahre Reformation – Vom Gegeneinander zum Miteinander“ und will ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den Kirchen aufschlagen. In der Erklärung werden die gegenseitigen Verfehlungen der Kirchen in der Vergangenheit benannt, die großen Fortschritte in den ökumenischen Beziehungen gewürdigt und die gemeinsame Verpflichtung für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt in den Blick genommen.

Der Text der Erklärung im vollen Wortlaut:

500 Jahre Reformation – Vom Gegeneinander zum Miteinander

Erklärung der Katholischen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirchen in Österreich in Vorbereitung auf das Jahr 2017

I

Die 95 Thesen, die Martin Luther Ende Oktober 1517 veröffentlichte, werden weltweit zum Anlass genommen, das Jahr 2017 unter die Überschrift „500 Jahre Reformation“ zu stellen. Während es für die Evangelischen Kirchen ein Jubiläum ist, das in gebührender Weise gefeiert werden soll, stellt es für andere, insbesondere die Römisch-katholische Kirche, einen Anlass zum Gedenken an die Spaltung der abendländischen Kirche dar. Durch die Besinnung darauf, dass keine der damaligen Konfliktparteien eine Spaltung der Kirche beabsichtigt hatte, und insbesondere durch die Einsicht, dass es in der Reformation trotz aller politischen, gesellschaftlichen und biographischen Faktoren, die eine Rolle spielten, um das Evangelium als verpflichtenden Maßstab und als Kraft zur Erneuerung gegangen ist, wurde ein gemeinsamer Weg möglich: Die Freude am Evangelium und die gemeinsame Ausrichtung auf Jesus Christus können wir miteinander feiern.

II

Die Konfessionalisierung, die mit der Reformation einsetzte, brachte es mit sich, dass die eigene Identität als Kirche viel zu oft durch Abwertung der anderen und durch Abgrenzung von ihnen bewahrt wurde. Dies ging bis zu gegenseitiger Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung, vor allem in den Religionskriegen, die sich unauslöschlich im kollektiven Gedächtnis Europas und unserer Kirchen eingegraben haben. Dankbar sind Evangelische in Österreich für die Bitten um Vergebung für das in der Vergangenheit geschehene Unrecht, wie sie etwa der Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher im Jahr 1966 unter dem Eindruck des Zweiten Vatikanischen Konzils erstmalig ausgesprochen hat. Die Evangelischen Kirchen haben ihrerseits um Vergebung gebeten, insbesondere gegenüber den Baptisten und Mennoniten als den Nachfahren der im Reformationszeitalter blutig verfolgten Täuferbewegungen. Wir bedauern das Unrecht, das wir einander getan haben. Heute nehmen wir die Verantwortung für die schuldbeladene Geschichte wahr und hören aufeinander. Wir wissen uns als Kirchen zu Umkehr und Buße gerufen und suchen nach Wegen der Versöhnung aus dem Geist des Evangeliums.

III

2017 ist das erste Reformationsjubiläum im ökumenischen Zeitalter. Auf dem Weg zueinander sind große Fortschritte gemacht worden. Dankbar blicken wir auf die Ergebnisse der zahlreichen ökumenischen Dialoge, das mittlerweile selbstverständliche Miteinander evangelischer und katholischer Christinnen und Christen in Gemeinden und Familien und auf die vielen Möglichkeiten, gemeinsam unseren christlichen Glauben zu feiern, ihn in der Welt zu bezeugen und damit den Menschen zu dienen. Wir sehen, dass wir einander brauchen und nur miteinander in glaubwürdiger Weise den Reichtum der Gnade Gottes, aus der die Kirche lebt und für die die Kirche steht, vor der Welt leben können. In vielfältiger Weise haben wir einander in unserem Leben als Kirchen bereichern können. Gemeinsam sind uns die Überzeugung und der feste Wille, auf dem Weg zur Einheit voranzukommen und beharrlich an der Überwindung der letzten Hindernisse zu arbeiten. Dass uns bereits heute mehr verbindet und einigt, als uns noch trennt, ist ein weiterer Grund zur Dankbarkeit und ein Anlass, darum zu bitten, dass uns die Verwirklichung der Einheit geschenkt werde.

IV

Wenn die Christen heute gemeinsam ihr Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums ablegen, leisten sie zugleich einen Beitrag für den Zusammenhalt der Menschheit. Die Kirche ist Werkzeug des dreieinigen Gottes für das verheißene Reich des Friedens und der Gerechtigkeit und zugleich schon hier und jetzt ein sichtbares Zeichen für die Wahrheit dieser Verheißung. Diese Überzeugung lässt uns auch gemeinsam für das friedliche Zusammenleben der Menschen in Österreich, das durch zunehmende Vielfalt geprägt ist, eintreten. Die Botschaft von der freien Gnade und Barmherzigkeit Gottes und von Gottes Ja zu jedem Menschen ist angesichts der heutigen Herausforderungen von besonderer Aktualität. Sie ermutigt uns, gemeinsam für Notleidende und Schutzsuchende einzutreten und die Kräfte der Menschlichkeit zu stärken. Unser gemeinsamer Einsatz für den Nächsten gibt auch dem politischen Gemeinwesen Orientierung für zukünftiges Handeln. Auf diesem Weg haben wir uns mit den Kirchen der Ökumene durch die „Charta Oecumenica“ (2001) und das „Ökumenische Sozialwort“ (2003) aneinander gebunden und miteinander verbunden.

V

Die Reformation hat der Heiligen Schrift eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Heute halten wir dankbar gemeinsam fest: Das in der Heiligen Schrift bezeugte Wort Gottes ist die entscheidende Orientierung für das Gottes- und Menschenverständnis. Es ist die Quelle aller Wahrheit des Glaubens und Lebens in der Kirche. Für unser Miteinander sei uns ein Wort des Apostels Paulus Ermutigung und Verpflichtung zugleich: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist“ (Epheser 4,2-6).

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03.11.2016
November-SAAT: Auf den Spuren der Reformation

Ökumenische Journalistenreise nach Mitteldeutschland

Wien (epdÖ) – „Wie alles begann“, so titelt die November-Ausgabe der „SAAT. Evangelische Zeitung für Österreich“. Das Heft widmet seinen Schwerpunkt diesmal einer einzigartigen Pressereise: Bischof Michael Bünker und der römisch-katholische Diözesanbischof von Linz sowie Ökumene-Beauftragte Manfred Scheuer machten sich im September gemeinsam mit österreichischen Journalisten auf die Spuren Martin Luthers. Sie besuchten Orte wie Wittenberg, Erfurt und natürlich auch die Wartburg, wo der Reformator das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. „Auch Katholiken dürfen, sollen und können das Reformationsjubiläum 2017 mit einer gewissen ‚Grundfreude‘ begehen“, sagte Bischof Scheuer auf der Reise. Den ausführlichen Reisebericht lesen Sie in der November-SAAT.

Mit dabei war die SAAT auch bei der Amtseinführung des neuen niederösterreichischen Superintendenten Lars Müller-Marienburg. Ein bewegender Gottesdienst für die Gemeinde in Wiener Neustadt ebenso wie für die 30.000 Fernseh-Zuseherinnen und -Zuseher.Zurück zum Ursprung – unter diesem Motto stand die Kirchenrenovierung in Mitterbach. Von einem „schweren Erbe“ spricht der systematische Theologe Christian Danz in Hinblick auf Luther und das Reformationsjubiläum, nachzulesen in der Theologie-Kolumne.

Ein Abonnement der SAAT kann für 27 Euro im Jahr hier bestellt werden oder unter epv@evang.at.

 

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01.11.2016
Papst zum Reformationsjubiläum in Schweden

Historisches Gebet in Lund

Vatikanstadt/Lund (APA/epd/epdÖ) – Mit einer historischen Geste hat Papst Franziskus zum Auftakt der Feiern zum Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren eine weitere Annäherung von Katholiken und Protestanten verlangt. „Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden“, sagte der Papst am Montag, 31. Oktober, im südschwedischen Lund.

Dort stand er erstmals mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes am Altar, um zum Gedenken der Reformation gemeinsam Gottesdienst zu feiern. An diesem Montag begannen offiziell die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation im kommenden Jahr. Der Besuch des Papstes gilt als starkes Zeichen für die Ökumene, denn der 31. Oktober 1517 wird mit dem Thesenanschlag von Martin Luther als Beginn der Reformation angesehen.

„Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wieder gutzumachen“, sagte der Papst. „Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen“, so Franziskus in seiner Predigt. Kontroversen und Missverständnisse hätten verhindert, dass man einander verstehe. Diese müssten nun überwunden werden. Die Spaltung der Evangelischen und der Katholischen Kirche sei weniger vom „Gottesvolk“ als von „Vertretern weltlicher Macht“ aufrechterhalten worden. Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, sagte, der „historische Moment“ sei eine Gelegenheit für Katholiken und Protestanten, sich „von einer Vergangenheit zu distanzieren, die vom Konflikt und der Spaltung getrübt wurde“.

Die ökumenischen Bestrebungen untermauerten Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Munib Younan, in einer gemeinsamen Erklärung. „Während die Vergangenheit nicht verändert werden kann, kann das, woran man sich erinnert und wie man sich erinnert, verwandelt werden“, hieß es darin. Man wolle sich wieder verpflichten, sich vom Konflikt zur Gemeinschaft zu bewegen. Im Dom gab es nach der Unterzeichnung Applaus.

Die Erklärung geht auch auf einen Knackpunkt ein: das gemeinsame Abendmahl. Viele Gläubige sehnten sich danach, „die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit“. Änderungen werden allerdings nicht formuliert. Aus Vatikansicht können gemeinsame Abendmahlsfeiern nur das Ergebnis eines ökumenischen Einigungsprozesses sein, nicht jedoch der Weg dorthin. Hoffnungen vor der historischen Feier, dass Franziskus stärker auf die Lutheraner zugehen könnte, erfüllten sich nicht.

Zunächst traf Franziskus den schwedischen König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia. Auch das Königspaar feierte den Gottesdienst in Lund mit. Anschließend nahm der Papst an einer Veranstaltung mit rund 10.000 Menschen im benachbarten Malmö teil. Bei dem bunten ökumenischen Fest riefen Franziskus und Younan zum gemeinsamen Einsatz für Flüchtlinge, Frieden und Umweltschutz auf.

Zum Abschluss des Treffens in der Malmö Arena unterzeichneten Caritas Internationalis, der weltweite Dachverband der nationalen Caritasverbände, und die Hilfsorganisation des Lutherischen Weltbundes „Lutheran World Federation – World Service“ ein Kooperationsabkommen. Künftig wollen beide etwa in der Flüchtlingshilfe oder bei Entwicklungshilfeprojekten zusammenarbeiten. Zuvor hatten zwei Frauen und ein Mann aus Indien, Burundi und Kolumbien ihren Einsatz für Frieden, Umweltschutz und Waisenkinder geschildert. Eine aus dem Südsudan geflüchtete Fußballerin, die Mitglied der olympischen Flüchtlingsmannschaft war, berichtete von ihrem Schicksal und über ihre Arbeit mit Flüchtlingen. Franziskus würdigte diese Übereinkunft mit dem Titel „Together in Hope“ als „leuchtendes Beispiel der Hingabe und des Dienstes für den Nächsten“ in einer „durch Kriege und Konflikte zersplitterten Welt“. Der ebenfalls nach Malmö gereiste chaldäische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sagte, das Abkommen gebe den verbliebenen Christen in Syrien Kraft und Mut, um den Konflikt durchzustehen.

Anschließend stand eine ökumenische Begegnung des Papstes mit Delegationen christlicher Kirchen auf dem Programm. Nach einer Messe am Dienstagmorgen im Stadion von Malmö flog der Papst wieder zurück nach Rom. Es ist die erste Reise eines Papstes in das skandinavische Land seit 1989. Damals hatte Johannes Paul II. Stockholm besucht. In Schweden mit seinen fast zehn Millionen Einwohnern leben rund 113.000 Katholiken. Allein die Teilnahme von Papst Franziskus an dem Gottesdienst in Lund ist eine Geste, die bei fast all seinen Vorgängern undenkbar gewesen wäre.

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft von lutherischen Kirchen auf der ganzen Welt. Seinen Ursprung hat der LWB, dem 145 Mitgliedskirchen in 98 Ländern angehören, in der südschwedischen Stadt Lund. Dort ging er 1947 aus dem 1923 gegründeten Lutherischen Weltkonvent hervor.

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14.10.2016
Reformation: Kirchen schreiben Ökumene-Preis aus

Innovatives Projekt für gelungene Ökumene wird mit Reise ins Heilige Land prämiert

Wien (epdÖ) – Die Reformation vor 500 Jahren ist Anlass für einen Ökumene-Preis, den die Österreichische Bischofskonferenz, der Evangelische Oberkirchenrat A. und H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche erstmals gemeinsam vergeben. Ausgezeichnet wird „das Konzept für ein im Zeitpunkt der Preisvergabe noch nicht umgesetztes Projekt, das im besonderen Maß als Beispiel für gelungene Ökumene im Sinne des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen den auslobenden Kirchen steht“. Die Einreichfrist „für innovative, aktuelle und modellartig verwendbare Konzepte, die sich an der Förderung von Frieden, Gerechtigkeit, der Bewahrung der Schöpfung oder geistlicher Ökumene orientieren“, endet am Ostersonntag (16. April 2017). Als Preis winkt eine Reise ins Heilige Land für zwei Personen.

Laut der von Kardinal Christoph Schönborn, dem lutherischen Bischof Michael Bünker und dem methodistischen Superintendenten Stefan Schröckenfuchs gezeichneten Auslobung sind Einzelpersonen und Personengruppen zugelassen. Einzureichen ist ein Konzept für ein „eigenes, von Ihnen entwickeltes Projekt“. Neben der Bezeichnung des Projekts ist eine konkrete Darstellung samt Umsetzungsvorschlag und Kurz-Zusammenfassung auf höchstens zwei A4-Seiten einzureichen. Bewerbungen unter dem Kennwort „Auslobung 500 Jahre Reformation“ sind an die Gemischt Katholisch-Evangelische Kommission (Severin-Schreiber-Gasse 3, 1180 Wien bzw. d.kloiber-boehme@evang.at ) zu richten.
Details zur Preisauslobung

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11.06.2016 
Ökumenische Sommerakademie über Reformation

Tagung steht unter dem Motto: „Es muss sich etwas ändern. Anstöße der Reformation“

Linz (epdÖ) – Die Reformation ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein Entwicklungsprozess und ein Anstoß für Gegenwart und Zukunft: Unter diesem Fokus findet vom 13. bis 18. Juli im Stift Kremsmünster die 18. Ökumenische Sommerakademie statt. „Es muss sich etwas ändern. Anstöße der Reformation“, so der Titel des hochrangigen Treffens, bei dem u.a. Kurienkardinal Kurt Koch und der lutherische Bischof Michael Bünker als Referenten auftreten. Die Themenwahl nimmt bereits das 500. Jubiläumsjahr der Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers im Jahr 2017 vorweg.

Ausgangspunkt der Akademie ist eine geschichtliche Darstellung der Anstöße der Reformation, zu der auch allgemeine machtpolitische Entwicklungen zählen. Luthers Thesen bilden demnach einen der Schritte des historischen Reformprozesses, an dessen Ende die Entstehung neuer christlicher Kirchen der Reformation stand. Die Reformüberlegungen, mit denen die katholische Kirche darauf reagierte, werden bei der Sommerakademie von den Kirchenhistorikern Athina Lexutt (Gießen, protestantisch) und Klaus Unterburger (Regensburg, katholisch) thematisiert.

Der Grazer Soziologe Manfred Prisching beleuchtet laut der Tagungsankündigung den Ablauf von Reformprozessen allgemein sowie die Bedingungen, unter denen sich diese erfolgreich entwickeln oder scheitern. Die Impulse für die Theologie und für die Umsetzung des christlichen Glaubens untersuchen von evangelischer Seite Ulrich Körtner (Wien), von römisch-katholischer Seite Franz Gruber (Linz). Bischof Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist, sowie Einheitsrats-Präsident Kardinal Koch widmen sich der Bedeutung des Jubiläumsjahres 2017 für die Weiterentwicklung der Ökumene.

Die Ökumenische Sommerakademie wird veranstaltet von der Katholischen Privat-Universität Linz, dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich, dem Evangelischen Bildungswerk Oberösterreich, der Kirchenzeitung der Diözese Linz, dem Stift Kremsmünster, den Religionsabteilungen des ORF in Fernsehen und Hörfunk sowie vom Land Oberösterreich. Der ORF Oberösterreich und die Oberösterreichischen Nachrichten sind Medienpartner der öffentlich zugänglichen Veranstaltung. (Infos unter www.ku-linz.at , Anmeldung unter sommerakademie@ku-linz.at

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14.06.2016
Bischof Küng: Kirchliche Ehevorbereitung muss intensiviert werden

Familienbischof in "Niederösterreichischen Nachrichten": Familie ist für Gesellschaft und Kirche unersetzbar

Für eine deutliche Intensivierung der kirchlichen Ehevorbereitung und Begleitung von Ehepaaren und Familien hat sich der St. Pöltner Bischof Klaus Küng ausgesprochen. Im Interview mit den "Niederösterreichischen Nachrichten" (NÖN, aktuelle Ausgabe) erläuterte Küng die Grundanliegen von Papst Franziskus in seinem Schreiben "Amoris laetitia" und zog daraus als Auftrag für die Kirche in Österreich: "Schauen wir, dass gute Ehen gelingen."

Bischof Küng ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für Familienfragen zuständig. Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Bischofskonferenz, die noch bis Mittwoch in Mariazell zu ihrer Sommervollversammlung zusammentritt, liegt auf "Amoris laetitia" und den Konsequenzen für die Kirche in Österreich.

Die Grundbotschaft des Papstes sei eine optimistische, betonte Küng: "Die Familie ist für die Gesellschaft und für die Kirche grundlegend." Wer aus dem Glauben diesen Weg gehe, könne "den Weg finden zu einer wahren Liebe". Das Schreiben gehe zugleich aber auch sehr von der heutigen Beziehungsrealität vieler Menschen aus.

Der Familienbischof zum einen eine klare Kontinuität zwischen dem Zweitem Vatikanischen Konzil und den Päpsten danach, zugleich aber nun auch einen gewissen Perspektivenwechsel. Familie als Gemeinschaft von Frau, Mann und Kindern sei die Grundlage. Zugleich seien alle eingeladen, sich Gott zuzuwenden, ganz gleich, in welcher Situation sie stehen - für Küng ein Perspektivenwechsel. Der Kirche sei stärker bewusst, "dass es immer mehr Formen des Zusammenlebens gibt als die klassische Ehe und Familie. Zum Beispiel die Patchwork-Familie".

"Kirche muss für alle da sein"

Die Grundbotschaft sei "Begleitung, Beistehen und Integrieren", führte der Bischof aus: "Alle sind abzuholen, die Kirche muss für alle da sein. Letztlich ist es immer eine Einladung, mitzugehen auf dem Weg, zur christlichen Lebensgestaltung." Es sei ein Merkmal des Schreibens, dass alles vermieden wird, was ein Ausschließen von manchen Personen bedeutet. Das führe andererseits aber nicht dazu, "dass nicht mehr klar ist, was das Ziel des Menschen ist".

Für Seelsorger bringe dies erhebliche Anforderungen mit sich, betonte der Bischof. "Dieser Weg ist nicht einfach, weil er erfordert ein Sich-Einfühlen in die Situation der Menschen und sie weiterführen, sodass sie allmählich zu einem christlichen Leben im vollen Sinn des Wortes kommen." Man sei oft nur auf die Frage des Kommunionempfangs für Wiederverheiratete fixiert, "in Wirklichkeit geht es um ein viel weiteres Spektrum".

Überlegungen in Richtung Ehekatechumenat

Die österreichische Bischofskonferenz nehme aus dem Papst-Dokument vor allem auch den Auftrag nach einer gründlicheren Ehevorbereitung mit. Zur bisher weit verbreiteten kirchlichen Ehevorbereitung meinte der Bischof wörtlich: "Es kann nicht sein, dass man da an einem Nachmittag alles erledigt." Ein möglicher Zeithorizont wäre hingegen etwa eine mehrjährige Begleitung der Paare auch nach der Eheschließung.

Dazu brauche es etwa auch viele erfahrene Ehepaare, die jüngere unterstützen. Und es müssten Priester und Diakone noch besser vorbereitet und geschult werden, um Begleitung und Beistand für die Familien durchführen zu können. Küng setzt hier freilich besonders große Hoffnung in die Ehepaare: "Ich habe sehr viel gelernt, indem ich Ehepaaren genau zugehört habe, wie sie in der Darlegung von manchen Situationen konkret werden."

Familie für alle bleibend bedeutsam

Bischof Küng sprach von einer "ganz großen Aufgabe der Kirche", mitzuhelfen und aufzuzeigen, "dass die Familie auch in dem Heute und Hier unserem Wesen entspricht". Küng: "Es ist das, was der Mensch in seinem Herzen trägt. Alle sind wir Kinder von Vater und Mutter, davon hängt auch sehr viel in der Persönlichkeitsentwicklung ab. Alle brauchen wir die Geborgenheit der Familie."

Papst Franziskus sage ganz klar, "dass die Familie unersetzbar ist. Für die Gesellschaft, für den einzelnen Menschen, natürlich auch für die Kirche." An die Politik richtete der Bischof die Aufforderung, die Familien - insbesondere auch die kinderreichen - besonders zu fördern. Nachsatz: "Und zwar auf der Grundlage von Mann und Frau und Kindern."

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01.06.2016
Ökumene-Kongress mit 4000 Teilnehmern in München

Sturm: „500 Jahre Trennung sind genug“

Wien/München (epdÖ) – Rund 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedener Konfessionen werden von 30. Juni bis 2. Juli zu einem Kongress des ökumenischen Netzwerks „Miteinander für Europa“ in München erwartet. Unter dem Motto „Begegnung. Versöhnung. Zukunft“ werden sich die Teilnehmer über Initiativen und Projekte für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa austauschen, wie es von Seiten der österreichischen Sektion des Netzwerks heißt. Der Kongress wird von Papst Franziskus, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., zahlreichen Kirchen und europäischen Institutionen unterstützt.

Themen wie Immigration, Solidarität mit Bedürftigen, der Dialog mit Juden und Muslimen, das Miteinander von Jung und Alt oder die christlichen Beiträge zur Bewältigung der Wirtschaftskrise werden in Impulsvorträgen, Erfahrungsberichten und Diskussionsrunden thematisiert. Den Abschluss der Veranstaltung bildet am 2. Juli eine Kundgebung, die als „Fest der Hoffnung“ gefeiert wird.

„Wir wollen zeigen, dass es gelingen kann, gemeinsam zu arbeiten, einander zu respektieren und voneinander zu lernen, auch wenn wir aus ganz verschiedenen Ecken kommen“, erklärt der evangelisch-lutherische Altbischof Herwig Sturm vom Netzwerk: „Das wünschen wir uns – einen respektvollen Umgang mit der Vielfalt Europas und ein versöhntes Zusammenleben der Kirchen. Denn 500 Jahre Trennung sind genug.“

Ein Weg zur Versöhnung kann über „Runde Tische“ führen – damit beschäftigt sich das „Forum 11“ am Kongress. Der Programmpunkt wird von Altbischof Sturm und Beate Mayerhofer-Schöpf (Erzdiözese Wien) moderiert. „Engagierte Christen aus Kirchen, Freikirchen und Bewegungen finden, ausgehend von der Ökumene der Herzen, zueinander. Sie überwinden alte Trennungen und Positionen, indem sie miteinander Wege der Versöhnung gehen und zunehmend die Einheit des Leibes Christi leben wollen. Der nächste Schritt gilt der Zukunft; sie teilen ihre Charismen, verbinden ihre Ziele als prophetisches Zeichen und erbitten Gottes Geist und Segen für ihr Hören und ihr Tun“, so die Beschreibung des Forum 11 im Programm des Kongresses.
Das internationale Netzwerk „Miteinander für Europa“ ist 1999 anlässlich der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche entstanden. Mittlerweile gehören ihm über 300 christliche Bewegungen aus ganz Europa an, in denen sich evangelische, katholische, anglikanische, orthodoxe und freikirchliche Menschen für die Einheit und Versöhnung der verschiedenen Konfessionen engagieren.

Im Jahr 2001 haben 800 Verantwortliche unterschiedlicher christlicher Gemeinschaften ein „Bündnis der Liebe“ geschlossen, es markiert Start und Ziel der Bewegung. 2014 wurde das Netzwerk „Miteinander für Europa“ mit dem „Europäischen St.-Ulrichs-Preis“ für Verdienste um die Einheit Europas im christlichen Geist geehrt.

Die großen Kirchen und europäischen Institutionen unterstützen „Miteinander für Europa“. Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. senden zum Kongress eine persönliche Videobotschaft. Der Generalsekretär des Europarates Thorbjörn Jagland und der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker haben ihre Schirmherrschaft für den Kongress in München zugesagt.

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, hat der Veranstaltung „Begegnung. Versöhnung. Zukunft“ auch die Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments erteilt. Er betonte die Wichtigkeit, sich gemeinsam für Solidarität und Frieden, für Toleranz und Dialog zwischen den Kulturen und Religionen einzusetzen sowie das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu Europa und eine aktive Bürgerschaft zu fördern.

Weitere Informationen zum Kongress sowie zur Anmeldung finden Sie im Internet.

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14.03.2016
Gedenken an den Ökumene- und Medienpionier P. Leo Wallner

Der Jesuit war einer der Gründerväter der "Ökumenischen Morgenfeier" im ORF und wäre am Montag 85 Jahre alt geworden

n Wien wurde am Wochenende des Jesuiten und Ökumene- und Medienpioniers P. Leo Wallner (1931-2013) gedacht, der am Montag, 14. März 2016, 85 Jahre alt geworden wäre. In besonderer Weise erfolgte dieses Gedenken in der Universitätskirche (Jesuitenkirche) in der Wiener Innenstadt, wo P. Wallner von 1981 bis 1998 Kirchenrektor war. Der heutige Kirchenrektor P. Friedrich Sperringer SJ erinnerte an die vielfältigen seelsorglichen Verdienste seines Vorvorgängers.

Pionier der Rundfunkarbeit

Im "Newsletter" der Jesuitenkirche hatte P. Sperringer darauf verwiesen, dass P. Wallner vieles von dem ins Leben gerufen hatte, "was heute selbstverständlich zur Tradition des Pastoral- und Kulturzentrums Jesuitenkirche gehört". Darüber hinaus sei P. Wallner über Jahrzehnte ein Pionier der Rundfunkarbeit und des ökumenischen Dialogs gewesen.

Der ORF erinnerte am Sonntagmorgen in der Sendung "Erfüllte Zeit" an P. Leo Wallner. In der Sendung war u.a. ein Beitrag von Wallner aus dem Jahr 1978 zu hören, in dem er über die Sorge angesichts der fallenden Neupriesterzahlen sprach.

Leo Wallner kam in Poysdorf zur Welt und trat 1950 in die Gesellschaft Jesu ein. Am 26. Juli 1961 wurde er zum Priester geweiht. Die legendäre "Mutter der Ökumene", Oberin Christine Gleixner, "entdeckte" ihn für die Medienarbeit. So wurde er einer der Mitbegründer der legendären ORF-Radio-Sendereihe "Ökumenische Morgenfeier", die ökumenisch wie medial Geschichte machte. 19 Jahre lang - von 1968 bis 1997 - gestaltete er die Reihe mit, gemeinsam mit evangelischen, orthodoxen und katholischen Kollegen baute er dabei Brücken zwischen den christlichen Kirchen. Als geistlicher Assistent kirchlicher Medieneinrichtungen (Katholisches Zentrum für Massenkommunikation, Medienstelle der Erzdiözese Wien) trug er Jahrzehnte hindurch Mitverantwortung für die Zusammenarbeit zwischen dem ORF und der katholischen Kirche

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05.02.2016 
Papst trifft Moskauer Patriarchen Kyrill I

Historisch erstes Treffen zwischen Oberhäuptern der römisch-katholischen Kirche und der russischen Orthodoxie geplant.

Papst Franziskus will in der kommenden Woche mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. zusammentreffen. Diese historische erste Begegnung überhaupt zwischen den Oberhäuptern der römisch-katholischen Kirche und der russischen Orthodoxie solle am kommenden Freitag, 12. Februar 2016 auf Kuba stattfinden, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitag, 5. Februar 2016 mit. Franziskus werde dafür einen Zwischenstopp auf dem Hinflug seiner Mexiko-Reise (12. bis 18. Februar) einlegen.

In den 1990er Jahren waren mehrere Bemühungen um ein solches Gipfeltreffen etwa in Wien oder im ungarischen Pannonhalma gescheitert. Als Gründe galten insbesondere Spannungen zwischen den Kirchen um die mit Rom unierten Katholiken in der Ukraine.
Franziskus hatte in der Vergangenheit mehrfach angedeutet, zu einem Treffen mit Kyrill I. an jedem beliebigen Ort bereit zu sein. Unter seinem Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) hatten sich die Beziehungen zwischen Rom und Moskau nach schwierigen Jahren deutlich verbessert.
Im Pontifikat von Johannes Paul II. (1978-2005) galt auch dessen polnische Herkunft als ein Hinderungsgrund für eine Begegnung der beiden Kirchenführer. Neben der Rolle der Katholiken in der Ukraine hatte die russisch-orthodoxe Seite auch die Errichtung von vier katholischen Diözesen in Russland im Jahr 2002 als Affront gewertet. Offiziell hieß es, vor einer persönlichen Begegnung von Papst und Patriarch müssten eine Reihe von Voraussetzungen im Verhältnis der Kirchen zueinander geschaffen und vorhandene Probleme geklärt werden.

Treffen soll über fünf Stunden dauern

Kyrill kommt bereits am 11. Februar zu einem offiziellen Besuch nach Kuba, erläuterte Vatikansprecher Federico Lombardi, während Franziskus für seinen Flug nach Mexiko am 12. Februar bereits am frühen Morgen von Rom aus aufbricht - nicht erst am Mittag - und in Kubas Hauptstadt gegen 12 Uhr Ortszeit einen Zwischenstopp einlegt. Die Erklärung wurde zeitgleich im Vatikan und in Moskau veröffentlicht.

Nach einem Empfang u.a. von Staatschef Raul Castro ist ab 12.15 Uhr in einem Saal des Flughafengebäudes ein privates Gespräch zwischen Papst und Patriarch geplant. Lombardi kündigte an, dass das kubanische Staatsfernsehen Livebilder davon übertragen wird. Für das Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill sind mehrere Stunden geplant: Erst gegen vier Uhr werden beide Seiten Geschenke austauschen. Kardinal Kurt Koch, als Präsident des Päpstlichen Einheitsrates für die Ökumene zuständig, wird dabei anwesend sein, wie aus dem Einheitsrat zu erfahren war, und wird gleichzeitig mit Metropolit Hilarion ein Gespräch führen
Ungefähr um halb fünf an diesem Nachmittag gehen der Papst und der Patriarch in einen anderen Saal des Gebäudes, in dem sie Präsident Castro bereits erwarten soll. Dort werden sie dann die Erklärung unterzeichnen, deren Original auf Spanisch bzw. auf Russisch verfasst ist. Anschließend können beide Kirchenführer noch öffentlich ein paar Worte sagen, und zwar in ihrer jeweiligen Muttersprache; offizielle Reden seien allerdings nicht vorgesehen, sagte Lombardi.
Die historische Begegnung endet ungefähr um 17 Uhr mit einer gegenseitigen Vorstellung der Delegationen, die den Patriarchen und den Papst begleiten. Präsident Castro wird Franziskus dann zum Flugzeug zurückbegleiten, und der Papst setzt seinen Flug nach Mexiko fort. Änderungen am Reiseprogramm von Franziskus für Mexiko gibt es keine.

Lang vorbereitetes "Zeichen der Hoffnung"

Der Heilige Stuhl und das Moskauer Patriarchat betonen laut "Radio Vatikan", die Begegnung sei "schon seit langer Zeit vorbereitet worden". Sie werde eine "wichtige Etappe in den Beziehungen zwischen beiden Kirchen darstellen". Beide Seiten hofften, dass das Treffen auch "als Zeichen der Hoffnung für alle Menschen guten Willens" diene: "Sie laden alle Christen dazu ein, inständig darum zu beten, dass Gott diese Begegnung segnen möge, damit sie gute Früchte bringt."
Auch wenn das persönliche Treffen der beiden Kirchenchefs eine Premiere ist, so unterhält der Vatikan doch schon seit langem gute Arbeitsbeziehungen zum orthodoxen Patriarchat von Moskau. Der Leiter des Moskauer Außenamtes, Metropolit Hilarion, ist häufig im Vatikan zu Gast; erst im vergangenen Juni hat ihn Franziskus wieder zu einem Gespräch empfangen.
Besser als zur russisch-orthodoxen Kirche sind die Beziehungen des Vatikans zum griechisch-orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., der in Istanbul residiert. Johannes Paul II., Benedikt XVI. und auch Franziskus haben einige Monate nach ihrem Amtsantritt den Sitz des Ökumenischen Patriarchen - so sein Ehrentitel - besucht.
Vatikansprecher Lombardi betonte die Bedeutung des neutralen Ortes für das Treffen, was das Zustandekommen zum jetzigen Zeitpunkt begünstigt habe. Er verwies zudem auf das bevorstehende sogenannte Panorthodoxe Konzil im Juni auf Kreta. Dort sollten sich die Annäherungen und positiven Beziehungen zwischen den Kirchen weiter fortsetzen.

Dringendes Treffen

Der Leiter des Außenamts des Patriarchats, Metropolit Hilarion, begründete in Moskau das überraschende Treffen auf Kuba vor allem mit der Lage im Nahen Osten, Nord- und Zentralafrika und anderen Regionen, in denen Extremisten einen "wirklichen Völkermord" an Christen verübten. Dies erfordere dringende Maßnahmen und eine engere Zusammenarbeit zwischen den christlichen Kirchen, sagte Hilarion vor Journalisten.
Angesichts der gegenwärtigen tragischen Situation müsse man "interne Meinungsverschiedenheiten" zurückstellen und seine Anstrengungen vereinen, um die unter schweren Verfolgungen leidende Christenheit zu retten. Das Thema werde auch im Zentrum der Begegnung auf Kuba stehen. Zudem werde es dort um die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Kirchen und um die internationale Politik gehen, so der Metropolit.
Zur Wahl der Karibikinsel als Begegnungsort meinte Hilarion, Kyrill I. habe immer ein Treffen in Europa für unangebracht gehalten, weil mit diesem Kontinent die belastete Geschichte von Trennungen und Konflikten verbunden sei. Das zeitliche Zusammenfallen beider Lateinamerika-Reisen biete die Gelegenheit eines Treffens in der Neuen Welt. "Wir hoffen, dass es eine neue Seite in den Beziehungen zwischen den beiden Kirchen öffnet", so der Außenamtsleiter

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02.02.2016 
Ökumenisches Wochenende in Graz über Beziehungspluralismus

Vorträge und Diskussionen über Wandel und Vielfalt im Familienleben

Graz (epdÖ) – Von 29. bis 30. Jänner traf sich das Ökumenische Forum zum diesjährigen „Ökumenischen Wochenende“ in Graz zum Thema „Beziehungsweisen – plurale Beziehungen in der Welt von heute als Herausforderung für die christlichen Kirchen“. Die christlichen VertreterInnen kamen zusammen, um über neue Beziehungsformen sowie Wandel und Vielfalt im Familienleben zu sprechen.

Der Vorsitzende des Ökumenischen Forums, Superintendent Hermann Miklas, stellte in seiner Begrüßungsrede die provokante Frage: „Müssen wir als Kirchen unbedingt dem Zeitgeist hinterherhecheln oder können wir nicht einfach die christliche Tradition hochhalten?“ Die Tagung eröffnete Ernst Burger, stellvertretender Superintendentialkurator in der Steiermark, mit einem Vortrag über Formen von Familie, die derzeit in der Steiermark anzutreffen sind.

Von einem „postmodernen Familiengarten“ sprach Burger in seinem Referat, dazu gehörten etwa in geringerem Maße die Versorgerfamilie, vorwiegend bei Älteren und Zuwanderern aus dem Süden. Darüber hinaus gibt es als häufigste Form die Doppelverdienerfamilie mit Kind, als Ehepaarfamilie oder als Lebensgemeinschaft – allerdings mit abnehmender Fertilität. Daneben findet sich die Stief- oder Fortsetzungsfamilie. Sie ist gegeben, wenn eine aufgelöste Beziehung mit Kind durch eine neue Beziehung abgelöst wird. Daraus kann eine Patchworkfamilie entstehen, wenn noch ein gemeinsames Kind der Partner dazukommt. Außerdem gibt es noch die Einelternfamilie und ein Alleinlebender oder eine Alleinlebende, die Adoptionsfamilie, die Pflegefamilie, die bi-lokale Familie, die bi-nukleare Familie, die gleichgeschlechtliche Partnerschaft, Regenbogenfamilien, Mehrgenerationenfamilien und Lebensabschnittspartner.

Nach Burger wird die Zahl der Alleinlebenden in Einpersonenhaushalten, so die Prognosen, in 35 Jahren einen Anteil von 40 Prozent an allen Haushalten erreicht haben. 1900 waren 50 Prozent aller über 15 Jahre alten Personen ledig und lebten allein. Also nichts Neues, eher eine Wiederkehr nach 150 Jahren, aber unter anderen Voraussetzungen. Auch die Mehrgenerationenfamilie werde in steirischen Kleingemeinden wieder mehr gelebt, allerdings um den Herausforderungen der Alltagsorganisation und der Kinderbetreuung bei notwendiger Erwerbstätigkeit mit Pendeln leichter gerecht zu werden.

Mit dem Bevölkerungsanstieg ist die Zahl der Familien seit 1981 insgesamt um acht Prozent gestiegen, die der Familien ohne Kinder allerdings überproportional, nämlich um 51 Prozent. Die Ehepaarfamilien wurden insgesamt weniger, dafür stieg die Anzahl der Lebensgemeinschaften, aber eher als Vorlaufmodell denn als Alternative zur Ehe. Auch die Zahl der Einelternfamilien in Folge der hohen Scheidungs- und Trennungsraten steigt. Die Idealfamilie aus der Mitte des 20. Jahrhunderts (Vater, Mutter, Kind in einem Haushalt lebend) ist bis 2050 vermutlich – den Prognosen entsprechend – verschwunden. Weitere Trends sind Formen einer stärker gewordenen bewussten Kinderlosigkeit, öffentlich gelebte bi-lokale Beziehungen oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Am deutlichsten sei der Trend zu gewollter Kinderlosigkeit. Trotz dieses Grundstroms hätten die Familie und Familienleben bei allen Umfragen höchste Beliebtheitswerte in der steirischen Bevölkerung. Frauen wollen mehrheitlich Mütter, aber nicht nur Hausfrauen sein. Männer wollen Erfolg im Beruf und in der Familie. Das sei ein neues Bewusstsein.

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27.01.2016 
Bischof Cilderdzic: Kirchentrennung ist Skandal und Schuld

Gottesdienst des Ökumenischen rates der Kirchen zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen

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21.01.2016
Amtseinführung des neuen Bischofs Dr. Manfred Scheuer

in der neuen Ausgabe der "Kirchenzeitung der Diözese Linz", Nr. 3 vom 21. Jänner 2016 ist ein ausführlicher Bericht zur Amtseinführung des neuen Bischofs Dr. Manfred Scheuer.
Die Begrüßungen durch LH Pühringer und vor allem jene von SI Lehner finden wir großartig formuliert.

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13.01.2016 
Ökumene: Christliche Kirchen verstärken soziales Engagement

Neue Broschüre gibt Hintergrundinfos zu sozialen Fragen

Wien (epdÖ) – Mit einer neuen Broschüre will der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) den Pfarrgemeinden in Österreich Hintergrundinfos zu sozialen Fragen und konkrete Handlungsanregungen liefern, wie die Gemeinden ihr soziales Profil schärfen können. Die Broschüre steht unter dem Leitwort „Solidarische Gemeinde“ und ist das Ergebnis des Prozesses „sozialwort 10+“. An vielen krisenhaften Entwicklungen sei zu sehen, dass sich der gesellschaftliche Zusammenhalt aufzulösen droht, heißt es in der Broschüre. Immer mehr Menschen würden dadurch zu Verlierern. Die Kirchen seien durch ihre Grundlage, die Heilige Schrift, und ihre jeweiligen Traditionen aufgefordert, „für diejenigen einzutreten, deren Lebensgrundlagen und Lebensmöglichkeiten bedroht oder bereits in Frage gestellt sind“.

Die Situation vieler Menschen sei bereits durch Anfälligkeit, Schutzlosigkeit und Unsicherheit geprägt. Sie bräuchten nicht nur materielle Unterstützung, sondern Teilhabemöglichkeiten und die Einbindung in soziale Netze. Die Gemeinden der Kirchen seien solche Netze. „Sie sind nahe bei den Menschen und können vor Ort, in der Nachbarschaft und in Partnerschaft mit anderen Akteuren im Bereich sozialer Arbeit wirken.“ Die Broschüre bietet zu Themenfeldern wie Existenzsicherung, Flüchtlinge oder Bettler Basisinformationen. Dabei wird auch mit Mythen wie „Die Mindestsicherung ermöglicht ein bequemes Leben“, „Asylwerber nehmen uns Arbeitsplätze weg“ oder „Bettler gehören alle zur Mafia“ aufgeräumt.

Zu aktuellen Problemen führt die Broschüre auch biblische Grundlagen an, die eine Orientierung bieten sollen. So wird zum Flüchtlingsthema etwa auf den Ausspruch Jesu „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen“ aus dem Matthäus-Evangelium verwiesen. Die Bibel sei von Anfang an durchzogen von Geschichten der Flucht und Migration, heißt es wörtlich. Die christlichen Kirchen seien durch Jahrhunderte Zufluchtsorte für Menschen in Not gewesen (Kirchenasyl). Daher würden die Kirchen bis heute weltweit für eine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen eintreten. Kirchliche Hilfsorganisationen leisteten dabei einen unverzichtbaren Beitrag. Die Gemeinden seien Orte der Gastfreundschaft, wo Asylsuchende Aufnahme und Unterstützung finden.

Zum Themenfeld „Arbeitslosigkeit“ verweist die Broschüre auf den biblischen Schöpfungsbericht: „Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.“ Durch die Schöpfung berufe Gott alle Menschen zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Arbeit erhalte dadurch einen besonderen Stellenwert. Sie sei Ausdruck der Menschenwürde. Durch sie könnten Menschen nicht nur ihre Lebensgrundlagen erwirtschaften, sondern auch sich entfalten und ihre Begabungen zum Wohl aller einbringen. Umso belastender sei daher die Arbeitslosigkeit. Gemeinden könnten wohl nur begrenzt selbst Arbeitsplätze schaffen oder zur Verfügung stellen. Aber sie könnten Räume bieten, wo Betroffene zusammenkommen und sich gegenseitig unterstützen, hält die Broschüre fest.

Im dritten Teil der Broschüre werden schließlich konkrete Handlungsanregungen präsentiert, die von den Pfarrgemeinden umgesetzt werden können. Zum Beispiel ein in Salzburg er-probtes „Erzählcafé“ mit Bettlern, Wärmestuben in Wiener Pfarren oder die Initiative „Kaffee Sospeso: Teilen & Genießen“. Die Idee: In teilnehmenden Lokalen kann man zwei Kaffees bezahlen – einen für sich selbst und einen für jemanden, der es sich nicht leisten kann. Das gleiche Prinzip gilt auch für kleine Snacks. Eine Idee der Caritas-Vorarlberg: „Spaziergänger“ als Begleiter für Menschen mit Demenz. Dahinter verbergen sich speziell geschulte Freiwillige, die Menschen mit Demenz regelmäßig von zu Hause abholen und Zeit mit ihnen verbringen, sei es beim Spazierengehen oder bei einem Kaffee.

Mit dem „Sozialwort“ von 2003 setzte der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖR-KÖ) einen Meilenstein. Alle Mitgliedskirchen hatten an der Erarbeitung mitgewirkt und das Ergebnis schließlich angenommen. Damit war es gelungen, dass Kirchen westlicher und östlicher Tradition gemeinsam eine Orientierungshilfe für die sozialen Fragen der Zeit geben konnten.
Zehn Jahre später beschloss der ÖRKÖ, die Impulse des Sozialworts wieder aufzugreifen: Ein einjähriger Prozess „sozialwort 10+“ wurde im Auftrag des ÖRKÖ von der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) geplant und durchgeführt. In einer Reihe von Veranstaltungen wurden bewährte Aspekte des Sozialworts diskutiert sowie neu aufgekommene sozi-ale Frage thematisiert. Aus den inhaltlichen Ergebnissen dieses Prozesses „sozialwort 10+“ entstand schließlich die neue Broschüre, an der Vertreter der Katholischen Sozialakademie, der Caritas und der Diakonie mitwirkten.

Offiziell vorgestellt wird die neue Broschüre „Solidarische Gemeinde“ am 13. Jänner im Rahmen des Ökumenischen Empfangs von Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Erzbischöflichen Palais. (Infos zur Broschüre: www.oekumene.at)

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10.01.2016 
Kurt Koch: „Keine Alternative zur Ökumene“

„Die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen ist eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils“, heißt es am Anfang des Ökumenismus-Dekrets des Konzils. Wie steht es um die Erfüllung dieser „Hauptaufgabe“?

 KARDINAL KURT KOCH: Zu den wichtigsten Früchten der ökumenischen Öffnung des Konzils gehört die Wiederentdeckung, dass wir Christen aufgrund unserer gemeinsamen Taufe Schwestern und Brüder im Glauben sind. Die zahlreichen Begegnungen, Besuche und Gespräche haben ein Netz von freundschaftlichen Beziehungen entstehen lassen, das das tragfähige Fundament für die ökumenischen Dialoge bildet.  Solche Dialoge hat die Katholische Kirche in der Zwischenzeit mit beinahe allen christlichen Kirchen und Gemeinschaften geführt und führt sie weiter; und aus ihnen konnten viele gute Früchte geerntet werden. 

Bei all diesen positiven Ergebnissen darf aber nicht verschwiegen werden, dass das eigentliche Ziel, das das Konzil anvisiert hat, nämlich die Wiederherstellung der Einheit der Christen, noch nicht erreicht werden konnte. Sie ist und bleibt aber das Ziel der Ökumene, das das Konzil mit der Glaubensüberzeugung begründet, dass Christus „eine einige und einzige Kirche“ gewollt hat. Christus selbst hat darum gebetet, dass seine Jünger eins sein sollen. Es gibt deshalb zur Ökumene keine Alternative.

 In allen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften gibt es in den letzten Jahren eine neue Suche nach der eigenen Identität. Was bedeutet das für das ökumenische Gespräch?

KARDINAL KURT KOCH: Ein wahrhafter Dialog findet nur dort statt, wo er sich zwischen Überzeugungen vollzieht und wo beide Partner einander etwas zu sagen haben. Man kann nur einen Dialog führen, wenn man von der eigenen Identität ausgeht. Ansonsten führt man, mit Papst Franziskus gesprochen, einen „Scheindialog, einen Dialog in den Wolken“. Was von jedem zwischenmenschlichen Dialog gilt, trifft erst recht auf den ökumenischen Dialog zu, bei dem es um Fragen des christlichen Glaubens und Lebens geht. Denn das Lebenselixier der Ökumene besteht im wechselseitigen Austausch der verschiedenen Gaben, der Reichtum und Herausforderung zugleich bedeutet. Von daher ist die neue Suche nach der eigenen Identität, die man heute beinahe in allen christlichen Kirchen antrifft, nicht nur zu verstehen, sondern auch zu begrüßen.

Schwierig wird sie aber dort, wo an die Stelle der – in den vergangenen Jahrzehnten stets gewachsenen – Überzeugung, dass das, was uns schon eint, viel größer ist als das, was uns noch trennt, wiederum ein Vorgehen tritt, bei dem, etwa im Sinne einer „Ökumene der Profile“ oder einer forcierten „Differenz-Ökumene“, das Unterscheidende hervorgehoben und konfessionalistisch verabsolutiert wird. Dann wird die Suche nach der eigenen Identität zum Hindernis für die Ökumene statt zur Chance gegenseitiger Verständigung und Bereicherung.

Was ist für Sie das Ziel der Ökumene? Wohin soll die ökumenische Reise gehen?

KARDINAL KURT KOCH: In seinem hohepriesterlichen Gebet bittet Jesus, dass die Jünger eins sein sollen, „damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17, 22). Die Einheit der Jünger muss deshalb von der Art sein, dass die Welt sie erkennen und zum Glauben kommen kann, dies heißt: Sie muss in der Welt sichtbar sein. Die Katholische Kirche orientiert deshalb das Ziel der Ökumene an der Schilderung der Jerusalemer Urgemeinde in der Apostelgeschichte (2, 42).

 In dieser erscheinen drei Elemente als für die Einheit der Kirche konstitutiv, nämlich

  1. die Einheit im Glauben,
  2. in der gottesdienstlichen Feier und
  3. in der geschwisterlichen Gemeinschaft.

Die Einheit der Kirche als ökumenisches Ziel wird als Einheit im Glauben, im sakramentalen Leben und in den kirchlichen Ämtern verstanden. Diese Zielvorstellung wird heute freilich von nicht wenigen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften nicht mehr geteilt, sondern zugunsten des Postulats der gegenseitigen Anerkennung der verschiedenen kirchlichen Realitäten und damit als Teile der einen Kirche Jesu Christi ersetzt. Wir müssen uns deshalb heute vor allem um einen neuen Konsens darüber bemühen, worin das Ziel der Ökumene besteht und wohin die ökumenische Reise gehen soll.

Es ist vor allem die Frage des Primats des Papstes, die uns von den Orthodoxen trennt: Welche Rolle spielt die Aufforderung Johannes Paul II. , über die Ausübung des Primats („Vorrangstellung“) nachzudenken?

KARDINAL KURT KOCH: In seiner wegweisenden Enzyklika über den Einsatz für die Ökumene „Ut unum sint“ hat der heilige Papst Johannes Paul II. die Einladung an die ganze Ökumene ausgesprochen, sich mit ihm auf einen geduldigen brüderlichen Dialog über den Primat des Bischofs von Rom einzulassen, und zwar mit dem Ziel, eine Form der Primatsausübung zu finden, „die zwar keineswegs auf das Wesentliche ihrer Sendung verzichtet, sich aber einer neuen Situation öffnet“.

Mit dieser Unterscheidung zwischen dem Wesen des Primats und der konkreten Form seiner Ausübung ist die Türe für eine ökumenische Verständigung über das Papstamt weit geöffnet worden. Im ökumenischen Dialog mit den Orthodoxen Kirchen konnte diesbezüglich mit dem Dokument von Ravenna im Jahre 2007 ein wesentlicher Schritt vollzogen werden. In ihm wird betont, dass Primat und Synodalität wechselseitig voneinander abhängig sind und dass die Kirche auf allen Ebenen und damit nicht nur auf der lokalen und regionalen Ebene, sondern auch auf der universalen Ebene einen Primat braucht.

Weil Katholiken und Orthodoxe dies zum ersten Mal gemeinsam erklären konnten, stellt das Dokument von Ravenna einen ökumenischen Meilenstein dar. Wann allerdings ein weiterführender Konsens über den Primat des Bischofs von Rom erreicht werden kann, ist gegenwärtig noch unabsehbar. Um bei dieser schwierigen Frage weiterkommen zu können, müssen auf beiden Seiten Schritte aufeinander zu vollzogen werden, und zwar in der gemeinsamen Überzeugung, dass wir nicht zwei verschiedene Kirchen, sondern im Grunde die eine Kirche in Ost und West und deshalb in besonderer Weise verpflichtet sind, die Einheit im Leben und am eucharistischen Altar wieder zu finden.

Die „geistliche Ökumene“ wird als „Herzstück des Ökumenismus“ bezeichnet. Was ist darunter zu verstehen?

KARDINAL KURT KOCH: Am Beginn der Ökumenischen Bewegung stand die Einführung der Gebetswoche für die Einheit der Christen; und sie ist von allem Anfang an eine ökumenische Initiative gewesen. Es ist das Gebet um die Einheit der Christen gewesen, das den Weg der Ökumenischen Bewegung geöffnet hat. Sie ist von allem Anfang an eine Gebetsbewegung gewesen und bleibt nur als solche lebendig. Denn es kann keine Ökumene geben, die nicht im Gebet verwurzelt wäre. Mit dem Gebet bringen wir unsere Glaubensüberzeugung zum Ausdruck, dass wir Menschen die Einheit der Kirche nicht einfach machen und auch nicht über ihre Gestalt und ihren Zeitpunkt verfügen, sondern sie uns nur schenken lassen können.

Das Gebet um die Einheit macht uns bewusst, dass wir dem unverfügbaren Wirken des Heiligen Geistes Raum geben und ihm zumindest so viel wie unseren eigenen Bemühungen zutrauen sollen. Die ökumenische Arbeit für die Einheit der Christen ist vor allem eine Geistliche Aufgabe, die in der Überzeugung getan wird, dass der Heilige Geist das ökumenische Werk begonnen hat und es auch weiterführen und vollenden und uns dabei auch den Weg zeigen wird. In der Ökumene werden wir gerade heute nur weitere Schritte tun können, wenn wir uns in ihren spirituellen Wurzeln vertiefen und den geistlichen Ökumenismus verlebendigen, den Abbé Paul Couturier, ein ökumenischer Pionier, mit einem unsichtbaren Kloster verglichen hat, in dem die Christen verschiedener Kirchen in den verschiedenen Ländern gemeinsam beten.

erstellt von: Der SONNTAG / Interview: Stefan Kronthaler

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18.12.2015  
Islamverständnisse

Kurz vor Weihnachten, am 18. Dezember 2015, publizierte die Frankfurter Allgemeine (F.A.Z.) einen lesenswerten Beitrag von Mouhanad Khorchide über Islamische Theologie aus europäischer Sicht unter der Überschrift: "Mekka und Medina".

Am selben Tag brachte die Tageszeitung DER STANDARD ein Interview mit Mouhanad Khorchide. Darin geht er auf die Situation der Muslime in Österreich ein und schlägt Offenheit, Transparenz und Dialog über die Grundwerte vor.

Islamische Theologie: Mekka und Medina

Mohammed zog eine klare Trennlinie zwischen dem, was er als Gottes Gesandter verkündete, und dem, was er als seine Meinung vortrug. Heute ist es dringender denn je, im Islam zwischen Glauben und Meinen zu unterscheiden. Nur so kann er sich reformieren.

Publiziert in der F.A.Z. am 18.12.2015, von Professor Dr. Mouhanad Khorchide

Der muslimischen Überlieferung zufolge begann Mohammed mit der Verkündigung des Islams im Jahr 610 nach Christus. Er verbrachte dreizehn Jahre in Mekka und wanderte im Jahre 622 nach Medina. Dort starb er zehn Jahre später. In Medina gründete er das erste islamische Staatswesen. Mohammed war sowohl geistiges als auch politisches Oberhaupt dieser Gemeinschaft.

In Mekka agierte Mohammed als Gesandter und Verkünder einer göttlichen Botschaft. Als „Staatsoberhaupt“ in Medina war er darüber hinaus bemüht, den Grundstein zur Errichtung eines „Rechtsstaates“ zu legen. Als Gesandter verkündete er neben dem Monotheismus und den gottesdienstlichen Praktiken allgemeine ethische Prinzipien, die für jede Gesellschaft gelten sollten. In unserer heutigen Begrifflichkeit würde man von Menschenwürde, Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit aller Menschen sowie der sozialen und ethischen Verantwortung des Menschen sprechen. Als Staatsoberhaupt in Medina war er bemüht, diese Prinzipien mit den Mitteln und Kenntnissen zu verwirklichen, die ihm im siebten Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel zur Verfügung standen.

Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Funktionen - Verkünder auf der einen Seite und Staatsoberhaupt auf der anderen Seite - hat Mohammed in mehreren Situationen selbst getroffen. So wird überliefert, dass er, als er nach Medina kam, sah, wie die Bauern dort die Dattelpalmen miteinander kreuzten. Dies kam ihm als Geschäftsmann, der wenig von der Landwirtschaft verstand, befremdlich vor. Er machte die Anmerkung: „Vielleicht wäre es besser für euch, es nicht zu tun.“ Und so ließen sie es sein. Als die Ernte kam, war sie jedoch schlecht. Die Bauern gingen zum Propheten und berichteten es ihm. Daraufhin fragte er, warum sie auf ihn gehört hätten, und machte die für einen säkular zu verstehenden Islam heute wichtige Anmerkung: „Ich bin nur ein Mensch. Wenn ich hinsichtlich eurer Religion etwas . . .anordne, so befolgt es. Wenn ich euch jedoch etwas aufgrund meiner Meinung anordne, so bin ich nur ein Mensch. Ihr kennt euch besser aus in euren irdischen Angelegenheiten als ich.“

Mohammed zog eine klare Trennlinie zwischen dem, was er als Gottes Gesandter verkündete, und dem, was er als seine Meinung vortrug. Ähnliche Situationen wiederholten sich oft. Für die Gefährten des Propheten war diese Unterscheidung zwischen beiden Funktionen selbstverständlich. Dagegen betrachten islamische Gelehrte heute die Bemühungen Mohammeds in seiner Funktion als Staatsoberhaupt als Teil seiner göttlichen Verkündung. Alle juristischen Regelungen und die gesamte Gesellschaftsordnung in Medina - dazu gehören auch die Geschlechterrollen - erscheinen daher als kontextunabhängige, verbindliche göttliche Gesetzgebung, der alle Muslime unterliegen.

Dieses Verständnis blockiert jeden Versuch, die juristische Ordnung weiterzuentwickeln, welche zu Zeiten des Propheten in Medina herrschte. Es erschwert die Akzeptanz jeder anderen Gesellschaftsordnung und zwingt jeden Muslim, rückwärtsgerichtet zu denken. Verortet man hingegen das Wirken Mohammeds als Staatsoberhaupt in seinem historischen Kontext, dann ist es heute der spirituelle und der ethische Geist des Korans, der für Muslime verbindlich ist. Die Rechtsordnung erscheint dagegen als Ausdruck einer bestimmten historischen Epoche und muss mit dem Wandel der Gesellschaften Schritt halten.

Aus dieser Perspektive müssten Muslime stets nach dem Verständnis von ethischen Werten wie Gerechtigkeit fragen, das damals hinter den Normen und Vorschriften stand, um dieses unter den Bedingungen der Gegenwart zur Geltung zu bringen. Das setzt allerdings ein Verständnis vom Islam voraus, wonach dieser keineswegs abgeschlossen ist. Er ist so lange lebendig und so lange im Wandel, wie er Anhänger hat, die ihn in ihr Leben integrieren und in ihren Herzen tragen.

Wenn der Koran eine nie endende Interpretation benötigt, um den Islam im Leben der Gläubigen zu aktualisieren, dann unterliegt der Islam einem ständigen Entwicklungsprozess. Islamische Grundsätze und religiöse Rituale sind davon nicht betroffen, weil sie nicht dem gesellschaftlichen Wandel unterliegen. Die Verortung von Rechtsvorschriften in ihrem historischen Kontext hingegen ist die Voraussetzung dafür, den Islam heute mit demokratischen Grundwerten sowie mit unserem Verständnis von Menschenrechten in Einklang zu bringen. Einem spirituell und ethisch verstandenen Islam geht es nicht um Körperstrafen oder Geschlechterrollen des siebten Jahrhunderts. Neben Spiritualität als persönlicher Bindung an Gott geht es ihm um Werte. So verstanden ist der Islam keine Gesetzesreligion.

Kurz nach dem Tod des Propheten kam es zum ersten Streit über seine politische Nachfolge. Nach einigen Auseinandersetzungen wurde Abu Bakr, ein langjähriger enger Freund Mohammeds, der auch sein Schwiegervater war, zum Kalifen gewählt. Im Grunde ging es bei den Auseinandersetzungen rund um die Wahl der ersten Kalifen um machtpolitische Fragen. Spätestens gegen Ende der Herrschaft des dritten Kalifen, Uthman (644-656), begann das mit den koranischen und prophetischen Grundsätzen in Einklang stehende Wertesystem zu wanken. Der islamische Staat hatte sich durch die Eroberungen von Gebieten auf und außerhalb der Arabischen Halbinsel massiv ausgebreitet, die Kriegsbeute wurde von nun an hauptsächlich entsprechend dem Verwandtschaftsverhältnis zur Familie des Kalifen verteilt. Da die Mehrheit der Armeeführer von den Haschemiten und Umayyaden abstammte, führte die Aufteilung der Kriegsbeute zu einer Konzentration des Vermögens in den Händen dieser beiden Großfamilien. Die Mitglieder kleinerer Stämme erhielten vergleichsweise wenig. So kam es zu einem starken Wertewandel innerhalb der islamischen Gemeinschaft.

Die Konzentration des Vermögens in den Händen einer Minderheit förderte einen verschwenderischen Lebensstil, der mit den vom Propheten verkündeten Werten und Haltungen nicht mehr in Einklang stand. Die Benachteiligten und Unterdrückten kritisierten diese Entwicklungen, sie stellten so etwas wie das „islamische Gewissen“ dar. Die Antwort des dritten Kalifen Uthman auf seine Kritiker, die ihn aufforderten, vom Kalifat zurückzutreten, lautete: „Wie kann ich etwas abgeben, womit mich Gott beauftragt hat?!“ Der Verweis auf Gott und nicht mehr - wie noch bei den ersten beiden Kalifen Abu Bakr und Omar - auf das Volk sollte nun das wacklige Kalifat göttlich legitimieren. Die politische Opposition war nun zugleich eine religiöse. Die gespannte politische Situation führte letztendlich im Jahr 656 zur Ermordung Uthmans.

Nach Uthmans Ermordung wurde Ali, der Neffe und Schwiegersohn Mohammeds, zum vierten Kalifen gewählt. Seine Wahl wurde allerdings von der Gruppe um Mu’awiya, den von den Umayyaden abstammenden Statthalter von Syrien, nicht anerkannt. Damit begann die große Spaltung der muslimischen Gemeinschaft, die nach dem Tod Alis manifest wurde. Im Jahr 657 erklärte die Gruppe um Mu’awiya Ali den Krieg. Der Statthalter zog mit seinen Soldaten Richtung Irak, wo sich Ali und seine Anhänger aufhielten. Ein Krieg gegen den Schwiegersohn und Neffen des Propheten benötigte jedoch eine starke Legitimation, am besten eine göttliche. Mu’awiya hielt deshalb eine Rede vor seinen Soldaten, in der er den Krieg göttlichen Willen zuschrieb: „Und es gehört zu dem von Gott bestimmten Schicksal, dass er uns hierhergebracht hat und dass dies zwischen uns und den Bewohnern des Iraks passiert; denn Gott sagt im Koran: ,Wenn Gott wollte, hätten sie keinen Krieg geführt, Gott macht jedoch, was er will.‘“ Später ernannte Mu’awiya seinen Sohn Yazid zu seinem politischen Nachfolger. Damit machte er aus dem Kalifat ein Königreich. Auch hier sagte er dem Volk: „Diese Sache mit Yazid gehört zu dem von Gott bestimmten Schicksal, die Menschen haben hierzu nichts zu sagen.“ Mu’awiya war damit nicht nur der Gründer der ersten Diktatur im Islam, sondern spielte auch eine wichtige Rolle bei der Etablierung der Prädestinationslehre innerhalb des sunnitischen Islams.

Nach dem Tod Mu’awiyas im Jahr 680 übernahm Yazid die Herrschaft. Dieser sagte in seiner Antrittsrede: „Gelobt sei Gott, der tut, was er will, und der gibt, wem er will.“ Damit begann in der islamischen Geschichte eine systematische Instrumentalisierung der Religion, um politische Machtinteressen zu legitimieren. Die Prädestinationslehre, die politisch motiviert Eingang in die Theologie fand, spielte dabei eine zentrale Rolle. Demnach ist alles, was in der Welt geschieht, von Gott gewollt. Eine Opposition gegen den Herrscher ist somit eine Opposition gegen Gottes Willen und kann sogar den Abfall vom Glauben zur Konsequenz haben. Die politische Macht bekommt nun ihre Legitimation nicht mehr vom Volk, wie bei den ersten Kalifen, sondern von Gott direkt.

Yazid II., ein späterer umayyadischer Kalif, ließ sich von 40 Gelehrten überreden, dass der Kalif für seine Handlungen nicht von Gott zur Rechenschaft gezogen wird. Er könne also tun und lassen, was er wolle. Und wenn er nicht von Gott zur Rechenschaft gezogen wird, dann erst recht nicht vom Volk. Ein anderer umayyadischer Kalif, Abdulmalik Ibn Marwan, drohte seinem Volk: „Wehe dem, der mich an Frömmigkeit erinnert. Ich werde ihm den Kopf abtrennen.“ So machte er es. Der Begriff Kalif wurde nicht mehr im Sinne eines politischen Nachfolgers Mohammeds verstanden, sondern im Sinne des Vertreters Gottes auf Erden.

Die Kalifen begannen daher, sich mit Titeln wie „Schatten Gottes“ zu schmücken. Nach dem Tod des abbasidischen Kalifen al-Ma’mun im Jahr 833 etablierte sich die Tradition, dass sich die Titel der Kalifen nun auf Gott bezogen (wie „der Sieger durch Gott“ oder „der sich auf Gott verlassen hat“). Welcher Gelehrte würde den heutigen König von Saudi Arabien zur Rechenschaft ziehen wollen, weil er einen ganzen Strand in Frankreich umbauen lässt, um seinen Urlaub dort zu verbringen, während seine Soldaten im Jemen einen aussichtslosen Krieg führen?

Diese Darstellung des historischen Hintergrunds soll vor allem verdeutlichen, wie der Einfluss der politischen Entwicklungen auf die Frage nach dem Heil und die islamische Theologie immer stärker wurde. Die Botschaft Mohammeds war ursprünglich eine Botschaft der geistigen, sozialen und politischen Befreiung. Aber schon etwa 40 Jahre nach seinem Tod verwandelte sich das Kalifat in eine Art Monarchie und verlangte unbedingten Gehorsam im Namen Gottes. Wer widersprach, wurde getötet, gefoltert oder ins Gefängnis geworfen, meist mit dem Segen der Hofgelehrten. Den meisten Kalifen war ein Islamverständnis genehm, das sich hauptsächlich mit dogmatischen und juristischen Fragen jenseits von Werten der Gerechtigkeit, der Freiheit oder der Gleichheit abgab. Daher darf nicht verwundern, dass heute ausgerechnet salafistische Strömungen große Unterstützung von diktatorischen Regimen wie dem von Mubarak in Ägypten oder Gaddafi in Libyen erhielten. Denn gerade sogenannte puristische Salafisten sind apolitisch und nicht daran interessiert, bestehende Machtstrukturen in Frage zu stellen. Im Gegenteil: Sie vertreten die Position, dass zum Gehorsam gegenüber Gott der Gehorsam gegenüber den Machthabern gehört.

Daher werden Reformversuche in den islamischen Ländern gerade von den säkularen Despoten massiv unterdrückt. Denn Reformer predigen Mündigkeit und Souveränität des Individuums. Sie verstehen ihre Religion im Sinne von Gerechtigkeit und Freiheit. Sie würdigen die Vernunft des Menschen. Und genau dieser freie Mensch, nach dem die Reformbewegungen streben, ist unerwünscht. Denn er lässt sich nicht leicht unterdrücken, fügt sich nicht ohne Wenn und Aber. Eine islamische Theologie, die nach dem Menschen selbst, nach seinen individuellen und kollektiven Interessen fragt, stellt dementsprechend eine Bedrohung dar. Eine restriktive Theologie mit dem Bild eines diktatorischen Gottes hingegen, die eine Mentalität des bedingungslosen Gehorsams verbreitet, ist den Despoten willkommen.

Als der Literaturwissenschaftler und Korankenner Nasr Hamed Abu Zaid in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sein Buch „Der Koran als Text“ veröffentlichte und darin vorschlug, den Koran in seinem historischen Kontext zu lesen, wurde ihm Abfall vom Glauben vorgeworfen. Er musste vor dem offiziellen Todesurteil nach Holland fliehen, während salafistische Gruppen ungestört sogar die Azhar-Universität unterwanderten. Nur eine Säkularisierung derart, dass Religion vor politischem Missbrauch geschützt wird, kann heute Reformbestrebungen Raum geben, sich zu entfalten.

Ein Hauptproblem der islamischen Theologie heute besteht in der Vorstellung, die islamische Lehre sei unveränderbar. Wie oft liest und hört man gerade von Muslimen Sätze wie: „Der Islam braucht keine Reform.“ Muslime, die sich jeglicher Reform verschließen, argumentieren im Wesentlichen, das Verständnis vom Islam sei abgeschlossen. Wozu also Reformen? Wozu Aktualisierung? Wozu Veränderung? Spätestens im neunten Jahrhundert sei alles gesagt und niedergeschrieben worden, was zu sagen war. Daher müsse man nur in den Werken der alten Gelehrten suchen, um alle Antworten auf unsere heutigen Fragen zu finden. Worin unterscheidet sich diese Argumentation von den Argumenten der Gegner aller Propheten, wie sie der Koran zitiert: „Wir bleiben bei dem, was unsere Väter vertreten haben“?

Hinter der Verweigerung von Reformen steckt eine starre Haltung, die sich ihrer eigenen Freiheit beraubt. Für die Vernunft als Erkenntnisquelle bleibt so kaum Raum mehr. Muslime, die diese verschlossene Haltung vertreten, frage ich, auf welche Seite sie sich zur Zeit des Propheten Mohammed geschlagen hätten. Hauptgegner des Propheten waren ebenjene, die eine solch verschlossene Haltung eingenommen haben: Menschen, die meinten, keine Reformen zu benötigen, weil die Traditionen ihrer Väter und Großväter allumfassend Geltung beanspruchten. Der Koran dokumentiert seine Kritik an dieser Haltung an mehreren Stellen. Die Antwort Mohammeds war ganz klar: Er sagte: „Gott schickt dieser Gemeinschaft alle hundert Jahre jemanden, um ihre Religion zu erneuern.“ Es geht hier nicht um die Zahl Hundert oder darum, ob es sich um eine oder mehrere Personen beziehungsweise Institutionen handelt. Es zählt die Haltung, zu der aufgerufen wird - eine Haltung, welche die Religion in einem offenen, nicht abgeschlossenen Prozess sieht. Mohammed wollte mit dieser Aussage nichts anderes als auf die essentielle Notwendigkeit einer ständigen Reform des Verständnisses des Islam hinweisen, wie sie auch in jeder anderen Religion notwendig ist.

Eine ständige Reform ist nicht deshalb notwendig, weil dem Islam womöglich etwas fehlt. Es geht vielmehr darum, ihn und seine Auslegung im Leben des Muslims immer neu zu aktualisieren, wie es der Koran nahelegt, denn nur so hält man ihn lebendig. Reform in diesem Sinne bedeutet also nicht, die Grundsätze der Religion zu verändern; verändert und aktualisiert werden soll unser Verständnis von ihr, überprüft werden sollen die jeweiligen Positionen und Argumente. Denn nur in der ständigen Auseinandersetzung und in der ständigen Konfrontation zwischen der Lebenswirklichkeit und der Religion können Muslime immer neu aus dem Islam schöpfen. Ansonsten verharren sie starr auf der Ebene der Rekonstruktion vorhandener Positionen und Traditionen; so stirbt auch der Islam selbst.

Wenn sich das Verständnis vom Islam aus der Wechselbeziehung von Text, Auslegung und menschlicher Erfahrung ergibt, dann müssen die notwendigen Voraussetzungen für dieses Wechselspiel stets gewährleistet sein und geschützt werden: Wir würden heute von der Freiheit der Wissenschaft als Grundsatz sprechen. Dazu zählt an erster Stelle der freie menschliche Geist. Den Islams immer neu zu interpretieren, um ihn laufend im Leben des Muslims zu aktualisieren, bedeutet keineswegs eine bloße Anpassung des Islams an gesellschaftliche Vorgaben. Es ist nicht die Aufgabe der Religion, herrschende gesellschaftliche Verhältnisse zu legitimieren. Das würde die Religionen zum Machtinstrument degradieren. Mit der Aktualisierung der Religion ist vielmehr die ständige Suche nach Antworten auf die Frage gemeint, wie sich Religionen samt ihrem spirituellen Gehalt und ihren ethischen Prinzipien immer wieder neu entfalten können.

Mir ist bewusst, dass einige Muslime ein Problem damit haben, den Islam als offenen Prozess zu sehen. Sie berufen sich auf den koranischen Vers: „Heute habe ich euch eure Religion vervollständigt“(5:3). Abgesehen davon, dass mit diesem Vers Speisevorschriften und religiöse Rituale wie das tägliche rituelle Gebet, das Fasten im Monat Ramadan oder die Pilgerfahrt nach Mekka gemeint sind, zeugt schon die islamische Ideengeschichte von der praktischen Notwendigkeit, das Verständnis des Islams stets zu aktualisieren. Allein die Tatsache, dass sich in kürzester Zeit nach dem Tod des Propheten Mohammed unterschiedliche Glaubens- und Rechtsschulen etabliert haben, zeigt, dass die dynamische Prozesshaftigkeit des islamischen Glaubens nicht nur eine Selbstverständlichkeit ist, sondern seiner Bestimmung entspricht. Diese Schulen waren sich in sehr vielen wichtigen Fragen nicht einig.

Die Notwendigkeit ständiger Erneuerung war einigen muslimischen Gelehrten von Anfang an bewusst. So schrieb Al-Ghazali (gestorben 1111) ein Buch mit dem Titel „Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften“. Der Islam ist nichts Abstraktes. Den Islam ohne Menschen gibt es nicht. Und es gibt auch keinen Koran und keine Sunna ohne Menschen. Neben dem politischen Missbrauch seiner Lehren leidet der Islam heute genau unter dieser Haltung am meisten: der Bekämpfung der Freiheit im Namen der Bewahrung der Tradition.

Damit will ich keineswegs sagen, dass Traditionen per se zu verwerfen seien. Sie müssen stets in Frage gestellt und auf ihre Plausibilität und ihren Bezug zur Lebenswirklichkeit der Menschen überprüft werden. Und gerade so, indem man sie nicht einfach als unantastbar in jeden Kontext überträgt, sondern indem man sie immer neu fortdenkt, würdigt man sie. Traditionen sind stets Kinder der Kontexte und Diskurse, in denen sie entstanden sind. Und so ist die islamische Theologie mit ihrer eintausendvierhundertjährigen Geschichte und ihrer enormen Vielfalt diskursiv entstanden. Sie kann heute auch nur weiterhin diskursiv betrieben werden, indem diese große Dynamik, die immer fester Bestandteil islamischer Theologie war, beibehalten und geschützt wird. Reformverweigerer lehnen Dynamik jedoch ab. Sie gehen von der naiven Vorstellung aus, alles sei bereits gesagt.

Der Islam leidet auch stark darunter, dass viele Muslime ihn primär auf eine juristisch-normative Ebene reduzieren. Der Gläubige will an erster Stelle wissen: „Was darf ich, was darf ich nicht?“, „Was ist erlaubt, was ist verboten?“ Der Koran will aber den Menschen zu einem mündigen Wesen erziehen, das sich auch als religiöse Person selbst entfaltet. Religion will den Menschen im Herzen berühren. Wie kann ich aber Gott lieben und ihm vertrauen, wenn meine Beziehung zu ihm rein über juristische Kategorien definiert wird? Mit Angstpädagogik wollen manche Erzieher schnell zum Ziel kommen, weil sie davon ausgehen, dass es Gott lediglich um das Ausführen von Befehlen geht. Der Koran spricht eine andere Sprache. Gott ist demnach dem Menschen nah und bedingungslos zugewandt, er definiert seine Beziehung zum Menschen über die Kategorie Liebe: „Er liebt sie, und sie lieben ihn“ (5:54). Diesen liebenden Gott haben wir Muslime leider fast aufgegeben und ihn durch die Projektion einer Vorstellung eines Stammesvaters ersetzt.

Es ist keine Frage, dass von vielen Muslimen die Position vertreten wird, Gottes Gnade und seine Zuwendung gälten exklusiv ihnen und niemandem sonst. Menschen mit der Eigenschaft „Muslim“ haben demnach einen höheren Wert als andere. Das praktische Problem liegt nun darin: Wenn Gott für sich das Recht in Anspruch nimmt, im Jenseits ewige Gewalt gegen Nichtmuslime auszuüben, indem er sie alle in der Hölle verdammt, können sich nicht Extremisten veranlasst sehen, schon im Diesseits Gewalt gegen Nichtmuslime auszuüben? Warum soll etwas verwerflich sein, das Gott in Anspruch nimmt und in Ordnung findet? Der Koran ist in dieser Frage sehr differenziert. Er spricht von Vielfalt als gottgewollt (5:48) und verspricht in seinem Wortlaut schon Christen, Juden und anderen die ewige Glückseligkeit (2:62, 5:69).

Es ist nicht zu übersehen, dass im Exklusivismus an sich schon eine Grundlage für Gewalt steckt, denn Exklusivismus bedeutet nichts anderes als die Ablehnung des „anderen“. Wenn diese Ablehnung im Namen Gottes geschieht, dann nimmt sie absolute Züge an, die in Kriege münden können. Die Geschichte der drei monotheistischen Religionen kennt dieses Phänomen zur Genüge.

Nach islamischem Verständnis ist Gott selbst die Wahrheit, dadurch ist die Wahrheit absolut und für niemanden verfügbar. Gläubige können daher nicht über die Wahrheit verfügen, niemand kann über Gott verfügen, sie sind vielmehr nach der Wahrheit Suchende. Man kann sich der Wahrheit annähern, sie aber nie besitzen. Dass Gott die Wahrheit ist, soll gerade die Wahrheit vor Vereinnahmung durch den Menschen schützen und den Menschen zur Bescheidenheit aufrufen, ein Suchender zu bleiben, der die Wahrheit mit dem Wissen anstrebt, sich ihr annähern, sie aber nie besitzen zu können. Wahrheiten von oben aufzuzwingen widerspricht dem Geist eines humanistisch verstandenen Islams, der den Menschen zum freien Menschen macht, der sich von sich aus öffnet.

Muslimische Reformer haben im Grunde vieles gesagt und geschrieben, was wir heute als notwendige Reformen im Islam bezeichnen. Ihr Problem war allerdings, dass sie als Individuum gewirkt haben und nicht im Schutz von Institutionen. In den islamischen Ländern wurden sie meist verfolgt, oder zumindest wurde ihnen nicht der Rahmen geboten, in dem sie ihr Wirken hätten institutionalisieren können. Reformen brauchen aber Institutionen, die sie tragen, damit ein Diskurs entsteht. Hier in Deutschland, wo die Freiheit der Wissenschaft ein Wert an sich ist, sollen auch die Theologien vor jeglicher Vereinnahmung, sei diese von muslimischer Seite oder seitens des Staates, geschützt werden. Gerade die Etablierung der islamischen Theologie an deutschen Universitäten ist eine große Chance, die zurzeit in den meisten islamischen Ländern nicht gegeben ist.

Zum Autor:

Mouhanad Khorchide ist am 6. September 1971 in Beirut geboren. Seine Großeltern kamen aus Palästina und sind von dort in den Libanon geflohen. Seine Eltern ziehten dann nach Saudiarabien, wo Mouhanad Khorchide zur Schule ging. Er und seine Geschwister durften als Ausländer dort nicht studieren und lernten Deutsch, um später in Deutschland studieren zu können. Doch als Staatenlose erhielten sie kein Visum und entschieden sich dann für Österreich.

Khorchide kam 1989 nach Wien, studierte Soziologie und wurde Österreichischer Staatsbürger. Neben seinem Erststudium begann er ein Fernstudium. Er flog einige Jahre lang regelmäßig für ein paar Wochen nach Beirut, wo er den Abschluss in islamischer Theologie machte. Heute ist Khorchide österreichischer Soziologe, Islamwissenschafter und Religionspädagoge.

Von Dezember 2006 bis September 2008 war er Universitätsassistent an der Forschungseinheit Islamische Religionspädagogik an der Universität Wien. Seit 2007 war er Lehrbeauftragter für den privaten Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen. Zugleich war er im In- und Ausland wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Projekten. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind der Islam in Europa, islamischer Religionsunterricht in Europa, Muslime der zweiten Einwanderergeneration, koranische Hermeneutik, sowie Islam und Aufklärung. Außerdem lehrte Khorchide in Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Khorchide war Imam einer kleinen Moschee in Wien Ottakring und hat selbst als Religionslehrer gearbeitet.

In seiner Doktorarbeit an der Uni Wien, wo er mit Ednan Aslan zusammenarbeitete, zeigte er fehlendes Demokratieverständnis islamischer Religionslehrer auf. Seine liberale Islamauslegung brachte ihn ins Visier von Salafisten, er steht unter Polizeischutz.

Khorchide hat seit dem 20. Juli 2010 als Nachfolger von Sven Kalisch die Professur für Islamische Religionspädagogik, mit der die Universität Münster seit Herbst 2010 Islamische Religionslehrer ausbildet, inne. Khorchide lehrt heute Islamische Religionspädagogik am Centrum für Religiöse Studien (CRS) an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

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zum Artikel:  http://www.zeitgemaess-glauben.at/cms/auslese/249-islamverstaendnisse

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01.12.2015 
Oberin Christine Gleixner verstorben

"Mutter der Ökumene" war über Jahrzehnte Pionierin für Verständigung und Versöhnung zwischen den getrennten Christen in Österreich

Wien, 30.11.2015 (KAP) Die frühere Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Oberin Christine Gleixner, ist am Sonntag im 90. Lebensjahr verstorben. Durch ihren vielfältigen Einsatz für Verständigung und Versöhnung zwischen den getrennten Christen wurde Christine Gleixner zur "Mutter der Ökumene" in Österreich - und darüber hinaus. Für ihr ökumenisches Engagement, das sie bereits 1955 begann, erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Gleixner verstarb nach kurzer Krankheit im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien.

Die Republik Österreich ehrte Gleixner mit dem Professorentitel und dem "Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse". Die Katholisch- Theologische Privatuniversität Linz verlieh ihr den Ehrendoktortitel. 2009 erhielt sie den Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis der bayrischen Benediktinerabtei Niederaltaich.

Christine Gleixner, geboren am 22. Juni 1926, studierte zunächst Biologie; 1949 trat sie in die Ordensgemeinschaft der "Frauen von Bethanien" in Bloemendaal (Niederlande) ein. Sie studierte Theologie und Pastoralkatechese an der Ordenshochschule, aber auch an den Universitäten von Nijmegen und Utrecht. Nach einem Studiensemester in Paris 1961/62 kehrte sie nach Wien zurück und übernahm hier die Verantwortung für die Niederlassung ihres Ordens. In der Folge gestaltete sie lange Zeit die ORF-Radioreihe "Ökumenische Morgenfeier" mit, die nach den Worten des früheren Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl zur "ökumenischen Drehscheibe in Österreich" wurde. Oberin Gleixner leitete viele Jahre die Wiener Diözesankommission für Ökumenische Fragen und war lange Zeit Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich. Von 2000 bis 2005 leitete sie den Rat.

Großen Wert legte Gleixner auch auf den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen, vor allem auf das besondere Naheverhältnis zum Judentum.

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25.11.2015 
Heiner Bielefeldt: Instrumentalisierung von Religion durchbrechen

Ökumenischer Jahresempfang 2015 in Graz zum Thema Religionsfreiheit

Graz (epdÖ) – Unter dem Thema „Religionsfreiheit – ein bedrohtes Menschenrecht?“ stand der traditionelle Jahresempfang des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark am Donnerstag, 19. November, im Grazer Landhaus. Der Vorsitzende des Ökumenischen Forums, Superintendent Hermann Miklas, ging in seiner Eröffnungsrede auf die Terroranschläge in Frankreich ein. Terrorismus habe mit den verfassten Religionsgemeinschaften nichts zu tun, dennoch müsse sich jede Religion fragen lassen, wo Ansätze dazu in ihrer Struktur stecken und wie es mit der Freiheit Andersdenkender aussehe, sagte Miklas.

Heiner Bielefeldt, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Religions- und Weltanschauungsfreiheit, gab in seinem Hauptreferat einen Überblick über Verletzungen der Religionsfreiheit weltweit. In allen Regionen der Welt gäbe es unterschiedliche Probleme wie Verfolgungen, strukturelle Diskriminierung oder Schikanen. Diese Menschenrechtsverletzungen, so Bielefeldt, geschehen aus unterschiedlichen Gründen, beispielsweise im Namen religiöser Wahrheit, staatlicher Interessen, aus säkularen Kontrollinteressen oder gar aus nihilistischem Hass, der sich einen religiösen Überbau suchen müsse. Am Beispiel Islam schilderte der Theologie, Philosoph und Historiker, der in Erlangen einen Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik innehat, wie eine Religion von innen und außen instrumentalisiert werden könne.

Derzeit gibt es laut Bielefeldt in über 50 Ländern der Welt Menschrechtsverletzungen. Was kann dagegen getan werden? Bielefeldt nannte als Beispiel Sierra Leone. Dort schließen sich Muslime und Christen zusammen, um den Staat wieder aufzubauen und um Extremismus zu verhindern. Wichtig sei es, die Instrumentalisierung von Religion zu durchbrechen. Dazu sei auch eine Säkularisierung des Staates wichtig. Religionsgemeinschaften sollten gemeinsam auftreten, verstärkt nach innen und nach außen kooperieren und kommunizieren, ist der Menschrechtsexperte überzeugt. Hilfreich sei ein institutionalisierter interreligiöser Dialog, dessen Ziel die Förderung der Religionsfreiheit und der Schutz religiöser Minderheiten sei.

Für den römisch-katholischen Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl ist „Religionsfreiheit immer an eine allgemeine sittliche Ordnung gebunden“, wie er in einem Grußwort erklärte.

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16.11.2015
Papst zu Mahlgemeinschaft: Ziehen Sie die Konsequenzen

Auszug aus der Papstansprache in der evangelisch-lutherischen Kirche in Rom

Ich kann mich fragen: Aber wir, Lutheraner und Katholiken, auf welcher Seite werden wir (beim Jüngsten Gericht) sein, rechts oder links? Es hat hässliche Zeiten unter uns gegeben, nicht wahr? Denken Sie an unsere gegenseitigen Verfolgungen, obwohl wir doch dieselbe Taufe haben. Denken Sie an so viele lebendig Verbrannte. Wir müssen einander dafür um Verzeihung bitten, für den Skandal der Spaltung... Heute haben wir zusammen gebetet – Beten für die Armen, für die Bedürftigen, uns gegenseitig lieben mit wahrer, brüderlicher Liebe. „Aber Pater, wir sind verschieden, denn unsere Dogmatik-Bücher sagen das eine und Ihre Dogmatik-Bücher das andere...“ Aber einer der Großen unter Ihnen hat einmal gesagt, das sei die Stunde der versöhnten Verschiedenheit. Bitten wir heute um diese Gnade, die Gnade dieser versöhnten Verschiedenheit im Herrn...


Auszug aus der Antwort des Papstes auf die Frage, wann endlich eucharistische Mahlgemeinschaft unter katholischen und lutherischen Christen möglich sein wird


Auf die Frage, wie man gemeinsam das Herrenmahl feiern kann, fällt es mir nicht leicht zu antworten... Aber ich glaube, wenn wir gemeinsam das Herrenmahl feiern, erinnern und vergegenwärtigen wir, tun wir dasselbe, was der Herr Jesus getan hat. Das Herrenmahl wird es geben, das Schlussbankett im Neuen Jerusalem wird es geben, aber dies wird das letzte sein. Auf dem Weg dorthin frage ich mich und weiß nicht zu antworten, mache mir Ihre Frage aber zu eigen und frage mich: Ist die gemeinsame Feier des Abendmahls des Herrn das Ende eines Wegs, oder ist es die Wegzehrung für das gemeinsame Vorangehen? Ich überlasse die Frage den Theologen, denen, die das verstehen. Es stimmt, dass die gemeinsame Feier gewissermaßen bedeutet, dass es keine Unterschiede unter uns gebe, dass wir dieselbe Lehre haben..., doch ich frage mich: Aber haben wir denn nicht dieselbe Taufe? Und wenn wir dieselbe Taufe haben, dann müssen wir zusammen gehen! ...

„Das ist mein Leib, das ist mein Blut“, hat der Herr gesagt, „tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Und das ist eine Wegzehrung, die uns hilft, weiterzugehen. Ich war einmal sehr befreundet mit einem Bischof der Episkopalkirche – 48 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder. Und er hatte auch diese Unruhe, denn seine Frau und die Kinder waren katholisch. Er begleitete sie sonntags zur Messe und ging dann, um den Gottesdienst mit seiner Gemeinschaft zu feiern. Das war ein Schritt der Teilnahme am Abendmahl des Herrn... Auf Ihre Frage antworte ich nur dies...: Das ist ein Problem, auf das jeder seine Antwort geben muss.

Mir hat mal ein befreundeter Pastor gesagt: „Aber wir glauben, dass der Herr dort anwesend ist. Er ist anwesend! Und auch ihr glaubt, dass der Herr anwesend ist. Was ist denn der Unterschied?“ – „Nun ja, die Erklärungen, die Interpretationen...“ Das Leben ist größer als die Erklärungen und Interpretationen! Beziehen Sie sich immer auf die Taufe: Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr, so sagt uns Paulus, und daraus ziehen Sie dann die Konsequenzen! Ich werde es niemals wagen, eine Erlaubnis zu geben, um das zu tun, denn das ist nicht meine Kompetenz. Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr. Sprechen Sie mit dem Herrn, und schreiten Sie voran! Mehr wage ich nicht zu sagen.

(rv 16.11.2015 sk) 

http://de.radiovaticana.va/news/2015/11/16/papst_zu_mahlgemeinschaft_ziehen_sie_die_konsequenzen/1187116


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15.11.2015 
Papst ermuntert Christen zur gemeinsamen Kommunion

Papst Franziskus predigt in einer lutherischen Kirche frei von der Seele weg.

(faz) Heraus kommt ein kleines Bekenntnis für mehr Ökumene. Mehr verhinderten die anwesenden Kardinäle.

Papst Franziskus hat die lutherisch-katholische Ökumene einen wichtigen Schritt vorangetrieben. Bei einer sonntäglichen Abendandacht in der evangelisch-lutherischen Christuskirche in Rom ermutigte er Eheleute aus konfessionell gemischten Ehen, nach Gewissensprüfung gemeinsam an der Kommunion teilzunehmen. In Beantwortung einer Frage sagte der Papst, es sei nicht seine Kompetenz, gemischten Ehen die gemeinsame Kommunion zu erlauben. Die Betreffenden sollten selber im Gebet zu einer gemeinsamen Haltung dazu finden, wie für sie das Abendmahl eine Stärkung auf dem gemeinsamen Glaubensweg sein könne. „Sprecht mit dem Herrn und geht weiter.“  Mehr wage er nicht zu sagen, meinte er mit einem lächelnden Blick auf die anwesenden Kardinäle. Allemal aber sei die Welt deutlich besser, als dass sie nur aus Fragen und Regeln bestände. Als Gastgeschenk überreichte der Papst der Gemeinde einen Abendmahlskelch mit der Patene für die Hostie in einem Holzkasten mit dem Wappen des Papstes. Diese Gabe von hoher Symbolkraft ist das übliche Geschenk des Papstes bei einem Besuch in einer anderen Diözese

Als Pastor findet er das Glück

Nun wird der Kelch im Gottesdienst einer lutherischen Kirche eingesetzt werden. Bei seiner Predigt ging der Papst mit keinem Wort auf den vorbereiteten Text aus dem Ökumene-Rat ein. Vielmehr predigte er frei zu dem sonntäglichen Evangelium aus Matthäus über die Gerechten und die Ungerechten, die der Menschensohn dereinst voneinander trenne werde wie der Schäfer die Schafe von den Böcken. Dabei würden gewiss Katholiken wie Evangelische zu den Gerechten wie zu den Ungerechten gehören, denn bei beiden gebe es Gute und Schlechte. „Die Trennungslinie verläuft nämlich zwischen jenen Schlechten, die nur für sich selbst leben und jenen, die den anderen dienen.“ Auf die Frage eines Kindes hatte der Papst zuvor geantwortet, auch als Papst gefalle es ihm vor allem, Pastor zu sein: „Papstsein ist wie Pastor“. Auch er sei gerne bei Kranken, Trauernden und Gefangenen. „Immer wenn ich in ein Gefängnis gehe, frage ich mich: Warum sie? Und nicht ich?“ Wenn ein Papst oder Bischof nicht Pastor sei, könne er „eine wichtige Person sein, intelligent, Einfluss haben in der Gesellschaft – aber im Herzen wird er nicht glücklich sein“.

Mehr Ökumene als Bedenkenträger

Schon Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hatten die Christuskirche besucht. Auch Benedikt hatte frei gepredigt und die Gemeinsamkeiten zwischen Lutheranern und Katholiken gewürdigt; jetzt aber ließ sich Franziskus bei seinem ersten Besuch als Papst in einer lutherischen Gemeinde auf drei Fragen aus der Gemeinde ein und beantwortete auch diese frei.

Herzlich nannte er den Gemeindepfarrer Jens-Martin Kruse „meinen Bruder Pastor“. Schon im Vorhinein hatte sich Franziskus protokollarische Reden von evangelischen Würdenträgern verboten; er wolle das Herz einer jeden Kirche treffen, hatte er gesagt, die Gemeinde. Die Christuskirche schenkte dem Papst einen Adventskranz und die Ausrichtung eines Extra-Abendessens für die Armen, die gemeinhin nur regelmäßig Frühstück erhalten. Pastor Kruse sagte nach der Vigil, der Papst habe deutlich gemacht, dass „es mehr Ökumene geben kann als es Bedenkenträgern“ lieb sein mag.

http://www.faz.net/aktuell/politik/papst-franziskus-treibt-die-oekumene-voran-13914682.html

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20.11.2015
Abschlussbericht der Familiensynode liegt jetzt auf deutsch vor

Dokument inklusive Abstimmungsergebnisse auf Website der Deutschen Bischofskonferenz.

Der Abschlussbericht der Weltbischofssynode zu Ehe und Familie im Vatikan liegt jetzt auch in einer vollständigen deutschen Arbeitsübersetzung vor. Ab sofort kann das Dokument inklusive der Abstimmungsergebnisse auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz unter www.dbk.de abgerufen werden.
Nach drei Wochen der Beratung hatten die 265 stimmberechtigten Synodenteilnehmer aus aller Welt jeden der insgesamt 94 Abschnitte des Textes mit einer Mehrheit von mindestens zwei Dritteln verabschiedet. Anschließend übergaben sie das in vielen Punkten sehr offen gehaltene Dokument am 24. Oktober an Papst Franziskus. Die Teilnehmer verbanden dies mit der Bitte an den Papst, daraus ein Dokument über die Familie zu erstellen. Ob und wann Franziskus dies tun wird, ist noch unklar. 

Abschnitte sorgen für Diskussion

Bislang haben vor allem die drei Abschnitte für Diskussionen gesorgt, die sich für eine stärkere Integration wiederverheirateter Geschiedener in die kirchliche Gemeinschaft aussprechen. Diese waren auch nur mit knapper Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet worden.
Darin heißt es unter anderem, die Betroffenen dürften nicht alleingelassen werden und sich keinesfalls exkommuniziert fühlen. Man müsse sorgfältig prüfen, welche bisherigen Ausschlüsse zu überwinden seien. Zur viel diskutierten Frage, ob sie in Einzelfällen auch wieder zur Kommunion zugelassen werden können, macht das Dokument keine konkreteren Angaben.

In weiteren Abschnitten des Textes wandte sich die Synode unter anderem gegen jede Diskriminierung Homosexueller, aber auch gegen Gesetzesvorhaben, homosexuelle Verbindungen mit der Ehe von Mann und Frau gleichzustellen.

 Papst will mehr Realitätssinn

Franziskus hatte die Bischöfe zum Abschluss der Synode zu mehr Realitätssinn aufgefordert. Sie müssten das sehen, "was wirklich los ist", und nicht nur das, was sie sehen wollten. Zugleich sprach er sich für dezentrale Lösungen im Umgang mit Ehe und Familie aus: "Jedes allgemeine Prinzip muss in die jeweilige Kultur übertragen werden, wenn es eingehalten und angewendet werden soll."
Da der Papst aber zugleich betonte, dass die kirchliche Lehre nicht geändert werden solle, gehen seitdem weltweit die Debatten weiter, welche konkreten Folgen die Synode tatsächlich haben wird. Kardinal Christoph Schönborn betonte nach der jüngsten Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz, die Synode habe Türen geöffnet für den Umgang mit Familien in schwierigen Verhältnissen.

Relatio-Abschlussbericht als PDF

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18.11.2015
Heine: "Gewalt ist niemals aus dem Koran begründbar

Ökumenische Gespräche Bregenz zur "Herausforderung Islam"

"Einander besser kennenlernen" - unter diesem Motto stand das "Ökumenische Gespräch" in Bregenz am 17. November. In der Reihe "Herausforderung Islam" war die Wiener Theologin Susanne Heine eingeladen, die sich seit vielen Jahren auf wissenschaftlicher wie persönlicher Ebene mit dem Islam beschäftigt und viel zur interreligiösen Verständigung beiträgt. Seit 2014 führt sie gemeinsam mit Tarafa Baghajati den Vorsitz der 2006 gegründeten "Plattform Christen und Muslime". Einander besser kennenlernen sei nötiger denn je, darüber waren sich alle Besucherinnen und Besucher einig. Die Anschläge von Paris vom 13. November spielten verständlicherweise in den Abend hinein.

"Gewalt ist niemals aus dem Koran begründbar", betonte Heine. Die Terroristen würden sich völlig kontextlos und ohne jedes historische Bewusstsein ihre wirren Überlegungen zusammen klauben und daraus einen göttlichen Befehl konstruieren. Heine selbst habe in der Auseinandersetzung mit dem Islam viel über ihren eigenen Glauben gelernt. Die Theologin räumt ein, dass die Nachbarschaft von Muslimen, Christen und Juden über die Jahrhunderte auch eine Geschichte der Herabsetzungen und Bekehrungsversuche gewesen sei, aber "wir sind miteinander im Gespräch geblieben". Darauf komme es an. Jesu Wort aus der Bergpredigt "Selig, die Frieden stiften" sei nicht einfach nur eine Floskel. Es sei vielmehr Programm: "Denn erst im Du lerne ich mein Ich kennen".

In Europa leben laut Pew Research Center zur Zeit mehr als 44 Millionen Muslime, dies entspricht einem Anteil von sechs Prozent der europäischen Bevölkerung. 2030 könnten rund 58 Millionen Menschen, also acht Prozent der europäischen Bevölkerung, muslimisch sein. Das stelle Bibel und Koran immer öfter in direkte Nachbarschaft. Dabei seien Bibel und Koran von ihrer Bedeutung her voneinander zu unterscheiden, erklärte Heine. Auf die Frage, ob der Gott der Muslime, Christen und Juden ein und derselbe sei, antwortete Heine mit ja. Dennoch dürfe nicht übersehen werden, dass es wesentliche Unterschiede gebe, etwa beim Gottesbild. Eine gemeinsame Basis finde sich darin, dass alle drei Religionen den Menschen als Geschöpf Gottes verstehen.

In Hinblick auf die Anschläge von Paris erinnert Heine an die Worte des ehemaligen norwegischen Premierministers Jens Stoltenberg, der nach den Anschlägen in Norwegen sagte: "Wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit." Mit dem Abend mit Susanne Heine endete die Gesprächsreihe "Ökumenische Gespräche", die sich mit der "Herausforderung Islam" intensiv beschäftigt hat

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07.10.2015
Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit startet

Auftakt mit Superintendent Lein am 17. Oktober in Wien

Wien (epdÖ) In wenigen Tagen beginnt der Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit. Startschuss ist am Samstag, 17. Oktober um 10 Uhr am Wiener Stephansplatz. Nach einer ökumenischen Andacht wird gemeinsam von Wien aus zur ersten Station nach Purkersdorf gepilgert.

Die Auftaktveranstaltung wird von Superintendent Hansjörg Lein, dem römisch-katholischen Diözesanbischof Ludwig Schwarz und dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios Kardamakis gestaltet. Nach dem gemeinsamen Segen für die Pilgernden führt die Route von Wien nach Salzburg, wo die Gruppe nach 22 Tagen ankommen wird. Dort werden sie in der Pfarre Itzling empfangen und eine Gruppe weiter auf den Weg bis Paris gesandt. Bei der offenen ökumenischen Feier werden die Erfahrungen der Pilgernden ausgetauscht und einige gesammelte Symbole für eine klimagerechte Zukunft vorgestellt. Durch die Mitwirkung von engagierten Initiativen, Organisationen und Personen ist es gelungen, Veranstaltungen zu verschiedenen Themen rund um Klimagerechtigkeit am Weg der Pilgernden zu realisieren. Darunter finden sich unter anderem Besuche von zukunftsorientierten Unternehmen und Pfarrgemeinden, Führungen in nachhaltigen Bauwerken, Vorstellungen lokaler Initiativen und innovativer Gemeinden und auch Kulinarisches.

Weitere Informationen zum Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit, was Menschen über das Klimapilgern sagen und fast täglich News rund um Klimagerechtigkeit finden Sie auf www.klimapilgern.at .

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11.05.2015
Bischof Bünker: "Niemals Schlussstrich ziehen"

Ökumenischer Gottesdienst zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen

Wien (epdÖ) - "Das Gedenken gebietet, die Opfer niemals zu vergessen und niemals einen Schlussstrich zu ziehen", sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker beim ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen am 10. Mai. Heuer jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers und seiner Außenlager zum 70. Mal. Am 5. Mai 1945 wurde das Lager durch die US-Armee befreit.

"Bei meinem ersten Besuch konnte ich mir kaum den Lärm vorstellen, der im Steinbruch 'Wiener Graben' zwischen 1938 und 1945 geherrscht haben muss. Arbeitslärm und Geschrei, Schüsse und Hundegebell. Und ganz unvorstellbar die Qualen der erschöpften Häftlinge", so Bischof Bünker in seiner Predigt beim Gedenkgottesdienst, den er gemeinsam mit Caritas-Präsident Michael Landau und Metropolit Arsenios Kardamakis gestaltete. Die Zwangsarbeit im Steinbruch von Mauthausen erinnere an die Zwangsarbeit der versklavten Israeliten in Ägypten. Deren Auszug aus Ägypten bilde den Kern der biblischen Befreiungserfahrungen, der heute noch in Judentum wie Christentum präsent sein.

"Dieses vergegenwärtigende Erinnern, das biblische Gedenken, ist immer eine Verpflichtung für heute", betont Bünker. "Heute heißt das, gegen jede Form von Zwangsarbeit einzutreten, etwa gegen die Zustände in den Textilfabriken Asiens oder die Kinderarbeit in den Ländern des Südens oder den Frauenhandel und die Prostitution bei uns. Heute heißt das auch, allen Kräften zu widerstehen, die solche steinerne Verhältnisse, Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus in Kauf nehmen oder bewusst herstellen." Die nachkommenden Generationen hätten die Aufgabe und Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Opfer nie vergessen werden. Ein Schlussstrich unter diese Geschichte dürfe niemals gezogen werden. Bünker: "Die Botschaft der Freiheit, der Menschenwürde und der Menschenrechte kann und darf nicht zum Schweigen gebracht werden. Sie setzt sich durch. Unwiderstehlich. Dafür stehen wir, das ist unser Auftrag."

"Wenn wir heute gemeinsam der Opfer gedenken, werden wir hinzufügen müssen: Auch die Kirchen waren nicht hellhörig genug für die Stimmen der Verzweifelten", sagte Caritas-Präsident Landau beim ökumenischen Gottesdienst in der KZ-Gedächtnisstätte Mauthausen. Mauthausen sei möglich gewesen, "weil zu wenige den Mut zum Widerstand hatten, weil auch Christen zugeschaut, zugestimmt, mitgetan haben". Die Kirchen müssten sich an diesem Ort immer wieder neu der Gewissenserforschung stellen, forderte Landau.

Im Anschluss an den Gottesdienst folgten Kundgebungen bei den nationalen Denkmälern sowie die internationale Jugendkundgebung sowie ein Gedenkzug über den Appellplatz unter Begleitung von nationalen und internationalen Chören. Rund 22.000 Menschen aus aller Welt - darunter rund 50 Überlebende - gedachten der Befreiung des KZ durch US-Truppen vor 70 Jahren. Die Schauspielerinnen Mercedes Echerer und Konstanze Breitebner verlasen Berichte ehemaliger Gefangener. Unter den Ehrengästen waren Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), ein großer Teil der Bundesregierung mit Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) an der Spitze, EU-Kommissar Johannes Hahn sowie etliche ausländische Staatsgäste.

Die Gedenkveranstaltung sei "nicht nur ein Anlass zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors, sondern auch eine Kundgebung gegen jede Art von Intoleranz und Diktatur, gegen Fremdenhass und Antisemitismus, eine Gedenkstunde der Solidarität mit den Opfern von gestern und heute", sagte Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees, bei der Gedenkfeier.

Seit 2006 widmen sich die Gedenk- und Befreiungsfeiern jedes Jahr einem speziellen Thema, das in Beziehung zur Geschichte des KZ Mauthausen beziehungsweise zur NS-Vergangenheit Österreichs steht. Die diesjährige Veranstaltung stand unter dem Thema "Steinbruch und Zwangsarbeit".

 

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07.05.2015
Reformation aus feministischer Sicht nicht abgeschlossen

Theologin Leuthold: Reformation hat in erster Linie Spielräume der Männer erweitert

Wien (epdÖ) - Reformation, Bildung und Frauen - unter diesem Motto stand die Vorlesung von Margit Leuthold am 6. Mai im Rahmen der Ringvorlesung "Reformation und Bildung". Die Wiener Krankenhausseelsorgerin hat sich während ihres Philosophie- und Pädagogikstudiums intensiv mit Feminismus beschäftigt und war in der Frauenarbeit aktiv.

"Frauen haben an relevanten Punkten die Reformation entscheidend mitgestaltet, das hat aber nichts an ihrer gesellschaftlichen Position geändert. Die Reformation hat nicht zur Gleichberechtigung der Geschlechter beigetragen", betonte Leuthold. Zwar habe Luther auch Mädchen den Schulbesuch ermöglicht und diesen auch für wünschenswert gehalten. Allerdings hätten sich durch die Reformation nur die "Spielräume der Männer" erweitert. Die Frauenrolle wurde definiert durch die Aufwertung der bürgerlichen Ehe, als moralisches Fundament diente die so genannte "Haustafel-Ethik", die sich aus dem Epheserbrief und dem Kolosserbrief ableitet und eine Unterordnung der Frau unter den Mann propagiert. "Neutestamentliche Texte wie der Galaterbrief, die eine Gleichberechtigung der Geschlechter implizieren, haben keine Resonanz gefunden", so Leuthold. Letztlich entwickelte sich der Ehestand zum "Modellfall der Geschlechterordnung", zeigte sich Leuthold überzeugt. Dies führte in Folge zu einer Verschlechterung der Situation für die Frauen.

Trotz aller widrigen Umstände sei es einzelnen Frauen gelungen, gestaltend tätig zu werden, etwa Herzogin Elisabeth zu Braunschweig-Lüneburg, Herzogin Katharina Sidonia von Teschen, Wibrandis Keller, Olympia Fulvia Morata oder Dorothea Jörger, "Martin Luthers beste treue Freundin in Christo".

Speziell in Nord- und Ostdeutschland hätten sich interessanterweise ein paar protestantische Damenstifte gebildet, erklärte Leuthold. Der Gedanke der Reformation, die Vorstellung eines allgemeinen Priestertums und davon, dass alle lesen können, fand auch unter den Frauen viele Anhängerinnen. "Katharina Zell (1497-1562) ist hier ein wichtiger Name. Sie predigte öffentlich, verfasste Psalmenauslegungen, die sie auf eigene Kosten publizierte, und schrieb Trostbriefe an Protestantinnen", sagte Leuthold. "Dies war ihr aber nur möglich, solange sie verheiratet war." Bereits für ihre Beerdigungsansprache beim Begräbnis ihres Mannes wurde sie angefeindet. Heute habe Katharina Zell für viele Frauen Vorbildwirkung, nicht zuletzt sei sie eine wichtige "Wegbereiterin der Toleranz". Allerdings gebe es für diesen Abschnitt der Kirchengeschichte nach wie vor großen interdisziplinären Forschungsbedarf, hier passiere an den evangelisch-theologischen Fakultäten noch viel zu wenig, kritisierte Leuthold.

"Die persönliche Freiheit und mögliche Selbständigkeit von Frauen war kein wichtiges Ziel der Reformation. Frauen waren an die konkrete familiale Situation und den gesellschaftlichen Kontext gekoppelt", resümierte Leuthold. Sie erinnerte daran, dass die Evangelische Kirche erst 1982 Frauen gleichberechtigt ins Pfarramt ordiniert hat. "Es hat fast 450 Jahre gebraucht, bis es soweit war. Erst jetzt ändert sich langsam die patriarchale Struktur der Kirche." Aus dieser Sicht sei die Reformation als Transformation der patriarchalen Herrschaftsstrukturen hin zur Freiheit aller Christenmenschen unabhängig vom Geschlecht jedenfalls noch nicht abgeschlossen.

Die Ringvorlesung "Reformation als Herausforderung für die Bildungslandschaft heute" wird von mehreren Fakultäten der Universität Wien, von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems sowie der Evangelischen Kirche in Österreich veranstaltet. Margit Leuthold ist kurzfristig für die Schulpädagogin Barbara Schneider-Taylor (Universität Wien) eingesprungen, die ihren Vortrag krankheitsbedingt absagen musste. Weitere Informationen zur Ringvorlesung und alle weiteren Termine finden Sie im Internet

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28.01.2015
Interkonfessioneller Frauen-Protest gegen Pegida

Heyse-Schaefer: "Hand in Hand gegen Angst und Gewalt"

Wien (epdÖ) - Frauen unterschiedlicher Konfessionen haben sich in Österreich gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung zusammengeschlossen. "Hand in Hand gegen Angst und Gewalt" lautet das Motto einer Facebook-Kampagne, zu der etwa Pfarrerin Barbara Heyse-Schaefer, Direktorin der Evangelischen Frauenarbeit (EFA), Frauenorden-Präsidentin Beatrix Mayrhofer, Melitta Toth von der Katholischen Frauenbewegung und die jüdische Journalistin Susanne Scholl aufrufen.

Auch Vertreterinnen von Hindus und Buddhisten in Österreich sowie die Muslimin Amani Abuzahra vom privaten Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen (IRPA) haben sich via Facebook von Menschen distanziert, die "Hass schüren und gegen andere hetzen". Der Eintrag findet sich auf der Facebook-Seite der Katholischen Frauenbewegung Österreichs.

"Unsere Herkunft, unsere Erfahrungen, unsere Traditionen und Riten mögen uns unterscheiden. Unsere Überzeugung von der Würde eines jeden Menschen, dem Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit, auf ein gutes Leben für alle in Frieden und gegenseitigem Respekt eint uns", heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Religionsvertreterinnen. "Ein demokratisches Europa lebt von der Toleranz und dem Vertrauen in die politische Gestaltbarkeit von Gemeinschaft. Dafür gilt es, einander zu respektieren, voneinander zu wissen, miteinander zu sprechen."

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30.10.2014
Papst zu Ökumene: Christen sollen nicht auf Theologen warten


Begegnung im Vatikan mit Vertretern der evangelikalen Ark Community - Gemeinsames Missionspapier soll zum Reformationsgedenken 2017 unterzeichnet werden

Vatikanstadt, 30.10.14 (KAP) Christen verschiedener Kirchen sollen nach Worten von Papst Franziskus schon jetzt "zusammen vorangehen, füreinander beten und miteinander Werke der Barmherzigkeit tun" und dabei nicht erst auf Einigung in theologischen Fragen warten. Der Papst äußerte sich bei einer Begegnung mit der "Ark Community", einer Gründung der Gemeinschaft der Evangelikalen Episkopalkirchen (CEEC). Das Treffen fand bereits Mitte Oktober statt, Radio Vatikan berichtete darüber am Donnerstag, auch im Blick auf die evangelischen Reformationstagsfeiern (31. Oktober). Ein Video-Mitschnitt der Begegnung wurde auf dem Internetportal Youtube veröffentlicht.

Franziskus forderte auf, das Verbindende in den Vordergrund zu stellen. Wer den Blick nur auf die Unterschiede richte, sündige gegen den Willen Christi, so der Papst.
Gleich zur Begrüßung lobte der Papst den Mut seiner Besucher. Bei der Begegnung mit einem lutherischen Bischof in der Synodenaula habe er ihm scherzhaft gesagt: "Du bist ein mutiger Mann! In früheren Jahrhunderten wurden Lutheraner hier bei lebendigem Leib verbrannt", so Franziskus wörtlich.

Das Verbindende zwischen den christlichen Kirchen sei dieselbe Taufe, die "viel wichtiger als unsere Unterschiede" sei, betonte der Papst: "Wir alle glauben an Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist, und wir alle haben den Heiligen Geist, der in uns betet."
Zugleich gebe es aber auch einen Vater der Lüge und der Spaltungen, "den Anti-Vater, den Teufel", so Franziskus. Christus werde den Gläubigen jedoch dabei helfen, "dass das, was uns noch trennt, uns nicht allzu sehr voneinander trennt".

Ein gemeinsames Vorangehen in theologischen Fragen sei nicht Vorbedingung für ökumenisches Handeln, solle aber ebenso angestrebt werden, betonte Franziskus - "und jeder von uns hat exzellente Theologen", so der Papst. Dass er wiederholt die Evangelikalen als "Kirchen" bezeichnete, werten Beobachter als bislang ungewöhnlich für einen Papst.

Bei der Begegnung im vatikanischen Gästehaus Santa Marta erinnerte Franziskus an die Berichte über die Christenverfolgung während der kommunistischen Diktatur in Albanien, über die ihm Zeitzeugen während seiner dortigen Besuchs im September berichtet hatten. "Die fragten damals nicht: 'Bist du katholisch oder orthodox?' Sondern das ging so: 'Du bist Christ?' Bumm!", erläuterte der Papst die "Ökumene des Blutes", die es aktuell auch in vielen Regionen Afrikas und des Nahen Ostens gebe.

Missionspapier für 2017 in Vorbereitung

Offizieller Anlass der Begegnung war der Dank für die Anteilnahme des Papstes zum Tod Bischof Anthony Palmer, dem Ökumene-Beauftragten der evangelikalen Anglikaner und Freund des Papstes aus dessen Zeit in Argentinien, im vergangenen August. Palmers Witwe Emiliana und ihr Sohn Daniele waren bei der Begegnung im Vatikan anwesend, ebenso wie evangelikal-anglikanische Erzbischof von Oklahoma, Robert Wise.

Franziskus hatte Palmer zusammen mit anderen Repräsentanten der evangelikalen und pfingstkirchlichen Bewegung gebeten, an einem Entwurf für ein gemeinsames Missionspapier von Evangelikalen und dem Vatikan zu arbeiten, das zum Reformationsgedenken 1517/2017 in drei Jahren unterzeichnet werden soll.

Die Idee wird weiter verfolgt; laut deutschem evangelischen Pressedienst "idea" soll darüber bei einem Treffen von Vertretern der Evangelikalen Weltallianz mit dem Papst am 6. November gesprochen werden.

Der Dialog von Franziskus mit Vertretern der Evangelikalen hat in dessen Pontifikat bereits mehrere Stationen absolviert. So hatte er etwa Ende Juli die evangelikal-pfingstkirchliche Versöhnungsgemeinde in Caserta bei Neapel besucht und dabei um Vergebung für Verfehlungen gebeten, die Katholiken der Pfingstbewegung gegenüber begangen haben.

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01.07.2014
Körtner: "Reformationsjubiläum ist Anlass zum Feiern"

Vielfalt der Kirchen kann auch als "göttlicher Reichtum" gesehen werden

Berlin/Wien, 1. Juli 2014 (epdÖ) - Für ein Feiern des Reformationsjubiläums 2017 und nicht nur für ein Gedenken an die Reformation spricht sich der Wiener evangelische Theologe Ulrich H.J.Körtner aus. "Das bevorstehende Reformationsjubiläum sollte zum Anlass genommen werden, sich auf die guten Gründe für evangelisches Kirchesein zu besinnen", schreibt Körtner in einem Kommentar für die Zeitschrift "Zeitzeichen" (Ausgabe 7/2014). 2017 jährt sich der Thesenanschlag Martin Luthers zum 500. Mal. 

Den Kirchentrennungen, die in Folge der Reformation entstanden sind, kann Körtner auch Positives abgewinnen. Dass es heute unterschiedliche Kirchen gibt, deutet er als eine "Grundeigentümlichkeit des christlichen Glaubens". Da dieser ein geschichtlicher Glaube sei, bedürfe er immer wieder neu der Interpretation. "Das Glauben wirkende Evangelium gibt es immer nur als interpretiertes, das heißt in einer Vielzahl möglicher Interpretationen und Interpretationen von Interpretationen. Die Kirchen bilden unterschiedliche Interpretationsgemeinschaften, deren Vielfalt als göttlicher Reichtum gesehen werden kann", so der Theologe. Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass diese Pluralisierungsprozesse zu Trennungen geführt haben, die den Kirchen schweren Schaden zugefügt hätten. 

War das Reformationsjubiläum im Jahr 1917 noch stark vom Ersten Weltkrieg geprägt und die Reformation als deutsche Angelegenheit verstanden worden, so sei heute das Bewusstsein gewachsen, dass "die Reformation keineswegs nur ein deutsches, sondern ein europäisches Ereignis mit weltweiter Ausstrahlung bis in die Gegenwart war". Es sei daher wichtig und notwendig, 2017 nicht nur die Leistungen Martin Luthers, sondern auch die der anderen Reformatoren zu würdigen, etwa jene von Ulrich Zwingli, Johannes Calvin, Philipp Melanchthon oder Martin Bucer.

Körtner betont, dass die Reformation nicht nur zu Erneuerungen in Kirche und Theologie beigetragen hat, sondern auch die politische Geschichte und die Kulturgeschichte stark prägte. In ihrem Kern sei die Reformation eine Freiheits- und Emanzipationsbewegung gewesen, worauf auch der kürzlich veröffentlichte Grundtext der EKD mit dem Titel "Rechtfertigung und Freiheit" hinweise, meint der Theologe.

Das kommende Reformationsjubiläum 2017 sollte aus Sicht Körtners jedenfalls in ökumenischer Verbundenheit begangen werden. Dazu empfiehlt er, die Geschichte der Reformation und Gegenreformation nicht nur als eine Geschichte der Trennung und Verwerfung, sondern auch als eine Geschichte ökumenischer Bemühungen zu sehen. Zwar könne man die ökumenischen Bestrebungen des 16. und 17. Jahrhunderts nicht mit jenen des 20. und 21. Jahrhunderts vergleichen. "Es kann aber der heutigen Ökumene guttun, sich auch an die ökumenischen Impulse und Impulsgeber der Reformationszeit zu erinnern", schreibt Körtner in seinem Beitrag für "Zeitzeichen".

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26.06.2014
"Instrumentum Laboris" veröffentlicht

 Papier ist die Grundlage für die außerordentliche Bischofssynode zu Ehe und Familie

Die katholische Kirche will über Konsequenzen, die von der Kluft zwischen kirchlichem Familienbild und Lebenspraxis vieler ihrer Gläubigen herrühen, beraten. Wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten "Arbeitspapier" (Instrumentuim laboris) für die Bischofssynode im Herbst hervorgeht, sehen viele Bischöfe Gesprächsbedarf etwa bei den Themen wiederverheiratete Geschiedene, Homosexualität oder künstliche Empfängnisverhütung. Zudem machten sie konkrete Vorschläge für eine Vereinfachung von Ehenichtigkeitsprozessen. 

Die Kenntnis der kirchlichen Positionen zur Familie sei "allgemein eher spärlich", heißt es in dem Dokument. Auch viele Katholiken, denen sie vertraut seien, hätten Schwierigkeiten sie "ganz anzunehmen". Die Bischöfe plädieren demnach teils für behutsame Aktualisierungen oder Änderungen der kirchlichen Praxis, teils für eine bessere Vermittlung ihrer Lehre sowie eine Konzentration auf das Wesentliche. 

Das 85-seitige Dokument bildet den inhaltlichen Leitfaden für die zweiwöchigen Beratungen der Bischofssynode zur Familie vom 5. bis zum 19. Oktober im Vatikan. Erstellt wurde es vom Vatikan auf Grundlage einer weltweiten Befragung unter Bischofskonferenzen, kirchlichen Gruppen und vatikanischen Behörden zu Familie, Ehe und Sexualität.

Wortlaut des "Instrumentum Laboris"
Ergebnisse der Umfrage in Österreich

Kardinal Schönborn zum "Instrumentum Laboris"

Kardinal Christoph Schönborn würdigte in einer ersten Reaktion das Dokument als ein "getreues Echo der weltweiten Befragung zu Ehe und Familie". Besonders beeindruckt zeigte sich Schönborn von der "Nüchternheit und sachlichen Klarheit", in der die "reale Situation von Ehe und Familie in der heutigen Gesellschaft" geschildert werde. An keiner Stelle sei dies mit einem "negativen Grundton nach dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf", verbunden.


Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathpress.at/synode des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.

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17.06.2014
Wenn die „Quelle“ in Gefahr ist auszutrocknen

Früher habe er oft für sich alleine die „Messe gelesen“, erzählt Weihbischof Helmut Krätzl. Dann kam die Liturgiereform. Und mit ihr wurde die Eucharistie zur Feier der ganzen Gemeinde. Heute warnt Krätzl vor einem wachsenden „Eucharistiemangel“.

In wenigen Tagen feiern Sie Ihr diamantenes (60-jähriges) Priesterjubiläum. Und als „Jubiläumsgabe“ schrieben Sie ein Buch über die Eucharistie – in dem Sie noch dazu kein „heißes Eisen“ auslassen. Warum?
Krätzl: Weil die Eucharistie mich seit meiner Frühkommunion immer bewegt, berührt und fasziniert hat. Sie war ein wesentliches Motiv, Priester zu werden, und mit ihr habe ich nach dem Konzil die Kirche neu sehen gelernt. Und heute stehe ich mehr denn je staunend vor dieser innersten Begegnung mit Jesus, von der er selber sagt: Wer von diesem Brot isst …, „der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ Im Mahl ist er uns ganz nahe. Deshalb ist es mir so wichtig, die im katholischen Bereich zu wenig beachtete Christusbegegnung im Mahl immer wieder herauszuheben.

In Ihrem Buch schildern Sie berührend, wie Sie in Ihrer Gemeinde das erste Mal – mit dem Gesicht zum Volk – die erneuerte Messe gefeiert haben. Was war daran so bedeutend?
Krätzl: Weil es hier nicht bloß um eine neue Form geht, sondern im erneuerten Messritus drückt sich ein neues Kirchenbild aus – nicht irgendeines, sondern das vom II. Vatikanischen Konzil aus vielen Möglichkeiten, Kirche zu beschreiben, ganz bewusst gewählte Bild vom „Volk Gottes“. Die Gemeinschaft aller Getauften – das ist Kirche. Und deshalb ist die Eucharistie nicht mehr wie früher eine reine „Priesterliturgie“, die man auch ohne Volk feiern konnte, ganz im Sinne einer fast ausschließlich hierarchisch gesehenen Kirche; Eucharistie im Sinne des Konzils, das ist die Versammlung des Gottesvolkes um den Tisch des Herrn, Quelle und Höhepunkt des Lebens der Gemeinde, die ihre Nöte, Sorgen, Hoffnungen und Freuden teilt.

Was bedeutet es dann, wenn Papst Benedikt den alten, „außerordentlichen“ Messritus (von 1962) wieder breiter zugelassen hat?
Krätzl: Joseph Ratzinger hat schon als Theologe in seinen Schriften über die Liturgie erkennen lassen, dass er mit der „neuen Liturgie“ manche Schwierigkeiten hat. Aber es ist ein Unterschied, ob man an der einen oder anderen Entwicklung Kritik übt, oder ob man, so wie er, sagt, diese beiden Riten sind austauschbar. Da stellt man letztlich das Kirchenbild des Konzils in Frage. Und angesichts einer gewissen „Nostalgie“ für den alten (außerordentlichen) Messritus sollte man sich in Erinnerung rufen, was Papst Johannes Paul II. anlässlich 25 Jahre Liturgiekonstitution gesagt hat: Die Erneuerung der Kirche und die Erneuerung der Liturgie sind untrennbar miteinander verbunden. Deshalb steht die „alte Messe“ auch dafür, die Erneuerung der Kirche im Sinne des Konzils stoppen zu wollen.

Sie sagen, Eucharistie ist das Zentrum der christlichen Gemeinde. Aber was ist, wenn Gemeinden immer seltener Eucharistie feiern können, weil kein Priester da ist?
Krätzl: Eucharistie ist von Anfang an der Ort, wo Christus seine Jüngerinnen und Jünger zur Kirche versammelt, im Teilen seines Wortes und seines Brotes und in der konkreten Sorge füreinander (siehe Apostelgeschichte). Und deshalb sollte in der Regel der Ort der Eucharistie auch der Ort sein, wo die Menschen das Leben miteinander teilen. Ich halte daher nichts davon, wenn Bischöfe ihren Gläubigen nahelegen, die Eucharistie am Sonntag sollte ihnen schon einige Kilometer Anfahrt wert sein. Wenn in Gemeinden nur mehr ab und zu Eucharistie gefeiert wird, so erzählte mir Bischof Kräutler eindrücklich, trocknet entweder das Bewusstsein für die Eucharistie aus – oder die Menschen gehen woanders hin, etwa zu den verschiedenen Pfingstkirchen. Früher sagte man: die Evangelischen hätten das Wort und wir die Eucharistie; heute erlebe ich, dass in vielen evangelischen Kirchen am Sonntag das wiederentdeckte Abendmahl gefeiert wird, während wir Wortgottesdienste halten.

Was müsste also geschehen?
Krätzl: Mir fehlt in vielen Diskussionen um die Zukunft der Kirche der zentrale Aspekt, dass es keine Erneuerung der Kirche und keine Neuevangelisierung geben kann ohne Eucharistie. Wir können uns im Hinblick auf diözesane Reformprozesse einen ganzen Tag toll über neue Gemeindeentwicklungen unterhalten, ohne dass dabei ein Wort über die Eucharistie gesprochen wird. Und auf die Nachfrage, warum das so ist, höre ich, „weil diese Frage derzeit nicht lösbar ist“. Wir nehmen einen – zum Teil schon bedrohlichen – Eucharistiemangel hin, weil wir nicht bereit sind, die Zugänge zum Priesteramt zu verändern. Ich halte das für unverantwortlich. Wenn selbst der Papst sagt, der Zölibat sei veränderbar und die Bischöfe sollten ihm mutige Vorschläge machen, dann sollten wir endlich damit beginnen. Es gibt verschiedene gute Vorschläge für neue Zugänge zum Priesteramt und ich bin überzeugt, wir werden viele neue Berufungen haben. Um der Eucharistie willen, die Quelle und Höhepunkt jeder kirchlichen Gemeinde ist, müssen wir neue Türen öffnen – auch die des Zölibats!

Neue Türen öffnen: das fordern Sie auch im Hinblick auf die „ökumenische Gastfreundschaft“. Widersprechen Sie damit nicht der bisherigen Regel, zuerst die Einheit, dann das gemeinsame Mahl?  
Krätzl: Ich habe erlebt, wie auf dem Konzil die ökumenischen Prinzipien, die Art, wie man einander sieht und einander begegnet,
tiefgreifend erneuert wurden. Ich frage mich daher: Könnte man jetzt, nach 50 Jahren der Annäherung, nicht umgekehrt sagen: Wenn wir den Tisch einander öffnen, würde uns das nicht in vielen anderen Fragen näherbringen? Noch dazu, wo doch eigentlich der Herr der Gastgeber ist, auf dessen Namen und in dessen Leib hinein wir alle getauft sind. Ich weiß, da gibt es eine Reihe theologischer Einwände, etwa in der Amtsfrage oder dem Verständnis, was bei der Wandlung geschieht. Aber können wir wirklich sagen, dass das evangelische Amt nicht doch mehr ist als eine bloße „Funktion“, oder dass im evangelischen Abendmahl nicht doch auch der Geist Gottes heilsam wirksam ist? Vielleicht wären wir anderen gegenüber großzügiger, wenn wir uns selber mehr staunend öffnen würden für das unbegreifliche Wunder, das uns Christus in der Eucharistie schenkt.

Ein Wunder, von dem wiederverheiratete Geschiedene offiziell nur träumen können…
Krätzl: Gerade weil ich seit früher Kindheit die Eucharistie oftmals als einen besonderen Schatz erleben durfte, war es für mich immer wieder ein tiefer Schmerz, dass Gläubige trotz ernsten Bemühens auf Dauer von der engsten Gemeinschaft mit Christus ausgeschlossen sein sollen. Ich war daher froh, als Anfang der 70er Jahre Theologen wie Joseph Ratzinger u. a. gute pastorale Lösungen für den Einzelfall aufzeigten, ohne die Unauflöslichkeit der Ehe prinzipiell in Frage zu stellen. Freilich, als die oberrheinischen Bischöfe Lehmann, Saier und Kasper 1993 das als pastorale Handreichung in einem Hirtenwort vorschlugen, hat es Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation zurückgewiesen.

Nun steht diese Frage bei den Bischofssynoden 2014 und 2015 erneut zur Debatte. Wird es eine Änderung geben?
Krätzl: Ich bin da eher skeptisch. Zwar hat der Papst Kardinal Kasper eingeladen, sein Konzept für eine Sakramentenzulassung im Einzelfall dem Kardinalskollegium zu präsentieren. Aber es hat sich um den Chef der Glaubenskongregation, Kardinal Müller, auch ein harter Kern der Gegner gebildet. Zwar hat der Papst in Evangelii gaudium ausdrücklich betont, die Sakramente sind keine Disziplinierungsmittel, sondern Mittel des Heils, und die Kirche keine Zollstation – aber die Frage
ist, wer sich durchsetzt. Bisher waren die Bischofssynoden wenig erfolgreich. Das gilt auch für die Familiensynode von 1980 und ihr Anliegen, die Sakramentenfrage für Geschiedene unter dem Aspekt der Barmherzigkeit und der Praxis der Ostkirchen weiter zu behandeln. Im Papstschreiben (Familiaris consortio) wird bloß das Verbot bekräftigt.   

Was wünschen Sie sich zu Ihrem 60-Jahre-Priesterjubiläum?
Krätzl: Dass die Kirche im Geist und in den Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils weiter- und vorangeht. Und meine Hoffnung ist der neue Papst Franziskus; er ist für mich nach Johannes XXIII. und Paul VI. der dritte „Konzilspapst“, der offenbar willens ist, viele liegen gelassenen Reformansätze des Konzils wieder aufzugreifen wie die Stärkung der Kollegialität, die Aufwertung der Bischofssynoden und der Bischofskonferenzen oder eine Konzentration der Verkündigung auf die zentrale Glaubensbotschaft anstatt randständiger Sexualfragen. Ich freue mich, dass ich diesen Papst noch erleben durfte und wünsche mir, dass viele ihn dabei unterstützen.

Buchtipp

„Die Eucharistie hat mein religiöses Leben seit früher Kindheit stark geprägt“, schreibt der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl. Das Buch, das er zu seinem 60-Jahre-Priesterjubiläum geschrieben hat, spiegelt seine tiefe persönliche Berührtheit ebenso wider wie die Entwicklung der Eucharistie, die Liturgiereform oder die Kontroversthemen rund um die Eucharistie (Wiederverheiratete, Zölibat, ökumenische Gastfreundschaft, Kirchenreform und Eucharistie). Ein Buch,
das dichte Information bietet, das aber vor allem die Sehnsucht zu wecken vermag nach der Christusbegegnung im „Mahl“.
Helmut Krätzl.
Brot des Lebens. Mein Weg mit der Eucharistie. Tyrolia 2014, 176 Seiten, 19,95 €

 
Bildquelle: Rupprecht, FJR/A.
Autor/in:  Interview: Hans Baumgartner

http://www.kirchenzeitung.at/newsdetail/rubrik/wenn-die-quelle-in-gefahr-ist-auszutrocknen/

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29.01.2014
Ökumenische Sommerakademie über "Gewalt im Namen Gottes"

Tagung vom 9. bis 11. Juli 2014 im Stift Kremsmünster

Linz (epdÖ) - "Gewalt im Namen Gottes" lautet das Thema der Ökumenischen Sommerakademie vom 9. bis 11. Juli 2014 im Stift Kremsmünster. Die traditionelle Tagung, veranstaltet von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität (KTU) Linz, dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich, dem Evangelischen Bildungswerk Oberösterreich, der Linzer Kirchenzeitung, dem Stift Kremsmünster, den Religionsabteilungen des ORF und dem Land Oberösterreich, setzt sich mit der Verantwortung der Religionen - vornehmlich Christentum und Islam - für Krieg und Frieden auseinander.

Prominente Referenten aus Deutschland, Italien und Österreich konnten laut der Ankündigung am Montag dafür gewonnen werden, so der als Religionskritiker bekannte deutsche Philosoph Herbert Schnädelbach: Er wirft den Religionen vor, als "Quelle von Terror" für eine "verheerende kulturelle Gesamtbilanz" verantwortlich zu sein. Dem widerspricht der Berliner Theologe Rolf Schieder, der das von den Religionen ausgehende Friedenspotenzial herausarbeitet. Konkrete Beispiele dafür wird der Generalsekretär der Gemeinschaft Sant'Egidio aus Rom, Cesare Zucconi, geben.

Weitere Vortragende sind der Religionswissenschaftler Hans Kippenberg, die Bibelwissenschaftlerin Gerlinde Baumann, die Islamwissenschaftlerin Mariella Ourghi. Ob Friedenssicherung durch Gewaltverzicht erreichbar ist, diskutieren "Pax Christi"-Vizepräsidentin Gotlind Hammerer und Brigadier Walter Feichtinger vom Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement des Bundesheeres.

Die Vorträge und Diskussionen bei der Ökumenischen Sommerakademie sind öffentlich zugänglich, Anmeldungen ab Anfang Mai möglich.

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 22.01.2014
Schönborn: Reformationsjubiläum gemeinsam begehen

Ökumenischer Empfang des Wiener Erzbischofs

Wien (epdÖ) - Kardinal Christoph Schönborn hofft, dass die Kirchen das Reformationsjubiläum 2017 gemeinsam begehen werden. Es gelte, gemeinsam Zeugnis von Christus abzulegen "vor einer Welt, die nicht versteht, warum die Kirchen getrennt sind", sagte Schönborn beim traditionellen Ökumenischen Empfang am Dienstag, 21. Jänner, im Wiener Erzbischöflichen Palais. Gekommen waren Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen in Österreich, darunter der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und der orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis, Landessuperintendent Thomas Hennefeld, Synodenpräsident Peter Krömer, aus dem Oberkirchenrat Hannelore Reiner und Karl Schiefermair, Superintendentialkuratorin Inge Troch und die Superintendenten Hansjörg Lein und Paul Weiland. Kurz vor Ende des Empfangs traf direkt aus Brüssel Außenminister Sebastian Kurz ein, der auch in der neuen Bundesregierung die Integrationsagenden verantwortet. Der Empfang stand auch im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien. Er hoffe sehr, so Schönborn, dass die Syrien-Konferenz in der Schweiz konkrete Friedensschritte bringen werde. Am Empfang nahmen auch Vertreter der Freikirchen teil, die im vergangenen Jahr staatlich anerkannt wurde. Die Anerkennung sei ein "wichtiger Schritt für das christliche Miteinander", sagte Schönborn.

Der neue Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), der methodistische Superintendent Lothar Pöll, bekräftigte in seinem Statement einmal mehr die Forderung der Kirchen, den 27. Jänner (Auschwitz-Befreiung) auch in Österreich zum offiziellen Gedenktag für die Opfer des Holocaust zu erklären. Als aktuelle Schwerpunkte der Ökumene nannte Pöll das Projekt "Sozialwort 10+", hier gelte es, die Aktualität "neu zu entdecken", die Vernetzung mit ökumenischen Arbeitskreisen und Foren in den Bundesländern und die Stellungnahme zu gesellschaftspolitschen Themen.

Eröffnet wurde der Ökumenische Empfang heuer mit einem Gottesdienst in der Wiener Deutschordenskirche. Weihbischof Stephan Turnovszky sagte in seiner Predigt, dass die christliche Verkündigung letztlich nur dann glaubwürdig sei, wenn die Kirchen nicht länger getrennt sind, sondern eine "Einheit in Vielfalt" bilden. Eine solche Einheit müsse alle Grundvollzüge des kirchlichen Lebens umfassen: Liturgie, Verkündigung und Diakonie.

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09.01.2014
Österreichs Christen beten um Einheit der Kirchen

Weltgebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. bis 25. Jänner - "Tag des Judentums" am 17. Jänner

Wien (epdÖ) - Vom 18. bis 25. Jänner findet die diesjährige "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" statt. Während der Gebetswoche kommen weltweit Christinnen und  Christen aus unterschiedlichen Konfessionen zusammen, um gemeinsam für die Einheit der Christenheit zu beten. Internationales Leitthema der Woche ist heuer die Frage des Apostels Paulus im ersten Korintherbrief: "Ist denn Christus zerteilt?"

In Österreich sind in den acht Tagen zahlreiche Veranstaltungen in allen Diözesen vorgesehen. Der traditionelle Gottesdienst des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) zur Weltgebetswoche findet am Sonntag, 19. Jänner, um 17 Uhr in der Wiener syrisch-orthodoxen Kirche St. Ephrem (13., Lainzer Straße 154a) statt. Die Predigt bei dem Gottesdienst, den der ÖRKÖ seit 1959 jährlich veranstaltet, hält heuer der altkatholische Bischof Johannes Okoro. Weitere Gottesdienste zur Weltgebetswoche gibt es u.a. in St. Pölten (19. Jänner, 19 Uhr, Landhauskapelle) und Salzburg (24. Jänner, 18 Uhr, rumänisch-orthodoxe Kirche, Robinigstraße 48).

Kardinal Christoph Schönborn lädt am 21. Jänner die Spitzenrepräsentanten der christlichen Kirchen in Österreich zum traditionellen Ökumenischen Empfang. Dieser beginnt um 17 Uhr mit einer Ökumenischen Vesper in der Wiener Deutschordenskirche (1., Singerstraße 7). Im Rahmen des anschließenden Empfangs im Erzbischöflichen Palais wird auch der neue Vorsitzende des Ökumenischen Rats der Kirchen, der methodistische Superintendent Lothar Pöll, sprechen.

Die Ursprünge der Weltgebetswoche gehen bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Seit 1968 werden die Themen und Texte für die Gebetswoche vom Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen und dem weltweiten Ökumenischen Rat der Kirchen (Weltkirchenrat, WKR) veröffentlicht. Die Grundtexte für die Weltgebetswoche stammen jedes Jahr aus einem anderen Land. Heuer wurden sie von kanadischen Christen erarbeitet.

Tag des Judentums

Anlässlich der Weltgebetswoche wird seit dem Jahr 2000 auch der "Tag des Judentums" begangen. Auf diese Weise soll die Besinnung auf die jüdischen Wurzeln auf der Suche nach der Einheit der Christen zum Ausdruck gebracht werden. Der Gottesdienst zum "Tag des Judentums", zu dem der ÖRKÖ einlädt, findet heuer am Freitag, 17. Jänner, um 19 Uhr in der evangelisch-methodistischen Kirche Wien-Fünfhaus (15., Sechshauser Straße 56) statt. In Graz lädt zudem das "Christlich-jüdische Komitee Steiermark" am 17. Jänner um 19.30 Uhr in die Herz-Jesu-Kirche (Sparbersbachgasse 58) zu einem ökumenischen Gottesdienst am "Tag des Judentums" ein.

Informationen: www.oekumene.at bzw. www.christenundjuden.org

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08.01.2014
Pöll: "Unterschiede zwischen Kirchen nicht nivellieren"

Neuer ÖRKÖ-Vorsitzender trat am 1. Jänner sein Amt anWien (epdÖ) -

Der evangelisch-methodistische Superintendent Lothar Pöll ist seit 1. Jänner 2014 neuer Vorsitzender des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ). Der gebürtige Wiener steht seit 2001 seiner Kirche vor und ist seit Beginn seiner Tätigkeit als Pastor in Salzburg ökumenisch engagiert.

Die ökumenische Situation in Österreich beschreibt Pöll als "sehr, sehr gut". Es gäbe eine gute Zusammenarbeit, gemeinsame Gottesdienste sowie eine aktive Mitarbeit der Römisch-katholischen Kirche als Mitglied des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich. Dies alles sei keine Selbstverständlichkeit, erklärte der evangelisch-methodistische Superintendent bei einem Pressegespräch anlässlich seines Amtsantritts.

Schwierigkeiten sieht Pöll in erster Linie in grundsätzlichen Fragen, etwa bei den Themen Abendmahlsgemeinschaft beziehungsweise eucharistische Gastfreundschaft, wovon speziell konfessionsverschiedene Familien betroffen seien. "Es gibt Unterschiede zwischen den Kirchen, die man benennen sollte, wir sollten diese auch respektieren", so Pöll. "Ökumenische Kontakte sind eine Bereicherung und helfen, die eigene Tradition und Spiritualität schätzen zu lernen. Ökumene heißt aber nicht, die Unterschiede zu nivellieren."

Für Pöll ist Ökumene etwas, das in erster Linie an der Basis geschehe und weniger eine Aufgabe der AmtsträgerInnen sei. Angesichts der Tatsache, dass viele evangelische Christinnen und Christen weit entfernt von ihrer eigenen Pfarrgemeinde wohnen, wünscht sich Pöll eine Art Gastmitgliedschaft in Gemeinden anderer Konfessionen. So seien etwa auch römisch-katholische ChristInnen in evangelisch-methodistischen Gemeinden aktiv und engagiert. "Mir ist sogar ein Fall bekannt, wo eine evangelische Christin als Tischmutter bei der Erstkommunionsvorbereitung mithilft", berichtete Pöll.

Ein persönliches Anliegen ist dem neuen Vorsitzenden, dass der 27. Jänner, der Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, mehr ins öffentliche Bewusstsein rückt. Vor allem auch die christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Dialog mit der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) sind ihm wichtig, hier gebe es schon seit mehreren Jahren immer wieder interessante Begegnungen. "Der Dialog mit der IKG sollte permanent gepflegt werden", unterstrich Pöll. Nichtsdestotrotz müssten die Kirchen aber immer auch den Blick nach Palästina richten. "Man darf hier kritisieren, ohne in ein falsches Bild zu geraten." Er selbst kenne viele lutherische Gemeinden in Palästina, die sich für Frieden einsetzen. "Ich möchte jedenfalls versuchen, Einseitigkeiten zu vermeiden. Die Probleme vor Ort sind sehr diffizil und vielschichtig", sagte der Superintendent.

Die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) sei eine reformatorische Kirche, die aber nicht direkt aus der Reformation heraus entstanden sei, sondern ihre Wurzeln in der Anglikanischen Kirche habe, erläuterte Pöll. Im Laufe der Geschichte sei die Kirche, deren Anfänge im England des 18. Jahrhunderts liegen, immer evangelischer geworden. Aus diesem Grund beteilige sich die EMK auch gerne an den Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum 2017, betonte Pöll. "Es gäbe uns nicht ohne die Reformation, deswegen wollen wir mitfeiern." John Wesley, Begründer des Methodismus, habe versucht, die Reformation neu zu denken und diese in seiner Zeit, der Zeit der angehenden Industrialisierung mit all ihren Problemen, neu zu denken.

Christlicher Glaube und soziales Engagement gehören für die Evangelisch-methodistische Kirche zusammen. 1870 wurde in Wien die erste Gemeinde gegründet, heute gibt es rund 1500 Kirchenmitglieder in zehn Gemeinden, davon zwei fremdsprachige. Rund ein Drittel der Mitglieder besucht regelmäßig den Sonntagsgottesdienst. Das Diakoniezentrum Spattstraße der Evangelisch-methodistischen Kirche in Linz feierte 2013 sein 50-Jahr-Jubiläum. Rund 500 Mitarbeitende sind in dem Zentrum für Sozialpädagogik und Sozialpädiatrie beschäftigt.

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15.11.2013
Ökumenisches Projekt "Sozialwort 10+" vorgestellt

Bünker: "Kirchen suchen den Dialog"

Wien (epdÖ) - Das Sozialwort der Kirchen aus dem Jahr 2003 sei nach wie vor höchst aktuell, es bedürfe aber einer Re-Lektüre. Inhaltlich habe das Sozialwort Recht behalten und nichts an Gültigkeit eingebüßt, allerdings stünden Kirchen und Gesellschaft vor neuen, großen Herausforderungen. Dieser Grundgedanke stehe hinter dem neuen Projekt "Sozialwort 10+", erklärten KirchenvertreterInnen bei einer Pressekonferenz am 15. November in Wien, bei der das Projekt vorgestellt wurde.

Das Sozialwort der Kirchen sei etwas Einzigartiges im europäischen wie auch im weltweiten ökumenischen Kontext, sagte der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Bischofsvikar Nicolae Dura. "Beim Sozialwort haben alle christlichen Kirchen in Österreich an einem Strang gezogen, es gab eine enge Zusammenarbeit zwischen westlicher und östlicher Tradition", so Dura. Dies sei nicht selbstverständlich, zeuge aber von der guten ökumenischen Ausgangslage in Österreich. Das Sozialwort selbst sei auch heute noch, zehn Jahre nach erstmaligem Erscheinen, ein Kompass der Orientierung. Es habe nach wie vor Gültigkeit. Dura strich heraus, dass es sich dabei aber nicht nur um eine Stellungnahme der Kirchen handle, sondern vielmehr um eine Selbstverpflichtung zu sozialem, gerechtem und nachhaltigem Handeln. "Das Sozialwort enthält Aufgaben für die Kirche, es ist an die Kirchen adressiert." In den vergangenen Jahren hätte es viele kirchliche Initiativen in diese Richtung gegeben, zieht Dura Bilanz und nennt als Beispiele das Engagement der Kirchen für den Klimaschutz, den sozialen Einsatz etwa im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit oder die intensive Auseinandersetzung der Kirchen mit Fragen der Wirtschaft.

Bischof Michael Bünker erinnerte daran, dass das Sozialwort zwar ein historisches Dokument sei, dass es aber inhaltlich nach wie vor aktuell sei wie am ersten Tag. Mit dem Sozialwort würden die Kirchen aber nicht mit "moralisch erhobenem Zeigefinger" der Gesellschaft gegenüberstehen, sondern als Teil der Zivilgesellschaft ihren Teil zur Gestaltung einer sozialen und gerechten Gesellschaft beitragen. "Deshalb ist der Dialog nicht nur bei der Entstehung des Sozialwortes wichtig gewesen; das Sozialwort will einen weiterführenden, vertiefenden Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft anregen und dabei die Herausforderungen von heute aufgreifen", unterstrich Bünker. Der Bischof nannte vier konkrete Bereiche, wo es nach wie vor Handlungsbedarf gebe und der Dialog gesucht werde: Asyl- und Fremdenrecht, Kinder und Jugendliche, Pflege sowie Entwicklungszusammenarbeit. In all diesen Bereichen gebe es große Defizite. So bräuchte es beispielsweise dringend ein neues Asyl- und Fremdenrecht, Unterstützung für jugendliche Arbeitslose und Schulabbrecher, mehr Geld für die Pflege sowie die Aufstockung finanzieller Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und etwa den Auslandskatastrophenfonds.

Magdalena Holztrattner, Leiterin der Katholischen Sozialakademie Österreich (KSÖ), koordiniert das Projekt "Sozialwort 10+". Bereits vor zehn Jahren war die KSÖ aktiv an der Erstellung des Sozialwortes beteiligt. Mit dem neuen Projekt soll vor allem auch der Dialog mit den Kirchenmitgliedern, aber auch das interreligiöse Gespräch über das Sozialwort gefördert werden. In der ersten Phase soll durch ökumenische Lesekreise das Sozialwort neu entdeckt und gelesen werden. Bis Ostern 2014 werden sich verschiedene Gruppen regelmäßig treffen, um das Dokument gemeinsam zu lesen und darüber zu diskutieren. Speziell die bisherige Umsetzung des Dokuments in den Kirchen soll hier im Mittelpunkt stehen, so Holztrattner. Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, mit Expertinnen und Experten über die einzelnen Themen zu reden. Im Anschluss, in der zweiten Phase, werden österreichweit Dialog Veranstaltungen abgehalten. Am ersten Adventsonntag 2014 sollen dann die Ergebnisse aller Aktivitäten und die entsprechenden Schlussfolgerungen präsentiert werden. "Dieser ganze Prozess ist bewusst ergebnisoffen, wir wissen also heute noch nicht, was dann dabei herauskommen wird. Uns ist aber klar, dass wir kein zweites Sozialwort, kein zweites Buch herausgeben wollen. Denn das Sozialwort ist zwar kein endgültiges Wort, aber ein gültiges Wort. Dieses gilt es aber immer wieder zu überprüfen", betonte Holztrattner.

Die Auftaktveranstaltung des Projekts "Sozialwort 10+" ist am 28. November um 14 Uhr in der DonauCityKirche Wien (1220 Wien, Donau-City-Straße 2). Am Programm stehen neben einem ökumenischen Gottesdienst die Vorstellung des neuen Projekts, die Präsentation von Beispielen der Umsetzung des Sozialworts, aber etwa auch die Präsentation eines im Zusammenhang mit dem Sozialwort entstandenen Tagungsbandes "Gerechtigkeit in einer endlichen Welt".

Weitere Informationen zum Sozialwort und dem Projekt "Sozialwort 10+" finden Sie im Internet unter: www.sozialwortzehnplus.org

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18.10.2013
Ökumene: Methodist Lothar Pöll neuer ÖRKÖ-Vorsitzender

Schwerpunkte der ÖRKÖ-Vollversammlung: 75-Jahr-Gedenken an Novemberpogrome, neues Projekt "Sozialwort 10+", 100-Jahr-Gedenken des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs

Wien (epdÖ) - Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat am Donnerstag, 17. Oktober, einstimmig den evangelisch-methodistischen Superintendenten Lothar Pöll zum neuen Vorsitzenden des ÖRKÖ gewählt. Er folgt am 1. Jänner 2014 dem bisherigen Vorsitzenden, dem rumänisch-orthodoxen Bischofsvikar Nicolae Dura, nach. Weitere Hauptthemen der Vollversammlung waren die Weiterarbeit am Ökumenischen Sozialwort sowie das Gedenken an die Novemberpogrome vor 75 Jahren, heißt es in einer Aussendung des ÖRKÖ am Donnerstag.

Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis und der katholische Diözesanbischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, gewählt. Weitere Vorstandsmitglieder sind Erika Tuppy (Evangelisch-reformierte Kirche), Bischof Michael Bünker (Evangelisch-lutherische Kirche), Bischof John Okoro (Altkatholische Kirche) und Chorepiskopos Emanuel Aydin (Syrisch-orthodoxe Kirche). Zum Auftakt der Vollversammlung hatte Bischofsvikar Dura an den vor genau zwei Jahren verstorbenen griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos erinnert, der von 1966 bis 1999 Vorsitzender des ÖRKÖ und darüber hinaus einer der Pioniere der ökumenischen Bewegung in Österreich war.

75 Jahre nach Novemberpogrom

Ein Hauptpunkt der Beratungen der Kirchenvertreter war das bevorstehende Gedenken zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome 1938. Aus diesem Anlass findet am 9. November um 17 Uhr in der Wiener Ruprechtskirche ein ökumenischer Gedenkgottesdienst statt, bei dem Bischof Michael Bünker und Sr. Beatrix Mayerhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, Worte des Gedenkens sprechen. Anschließend an den Gottesdienst findet ein Schweigegang zum Mahnmal auf dem Judenplatz statt. Der ökumenische Gedenkgottesdienst am 9. November ist Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltungsreihe "Mechaye Hametim" ("Der die Toten auferweckt"), die von der Gemeinde St. Ruprecht gemeinsam mit zahlreichen christlichen Organisationen getragen wird.

Weiterarbeit am Ökumenischen Sozialwort

Zehn Jahre nach Veröffentlichung des Ökumenischen Sozialwortes soll dieses wieder mit Blick auf die Gegenwart gelesen und bearbeitet werden. Über die Vorbereitungen für diesen Prozess im Auftrag des ÖRKÖ wurde bei der Vollversammlung beraten. Unter dem Motto "Sozialwort 10+" startet der Ökumenische Rat somit eine umfassende "Re-lecture" des Sozialworts im Hinblick auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Startveranstaltung dieses auf ein Jahr - in Zusammenarbeit mit der Katholischen Sozialakademie (ksoe) - anberaumten Projekts findet am Donnerstag, 28. November, ab 14 Uhr in der Donaucity-Kirche statt. Dabei werden Beispiele gelungener Umsetzung des Sozialwortes, aber auch andere Erfahrungen vorgestellt, anschließend wird das ksoe-Dossier zum Projekt "Sozialwort 10+" präsentiert. Ein ökumenischer Gottesdienst markiert den Höhepunkt der Veranstaltung. Anschließend findet eine Podiumsdiskussion unter Leitung von Prof. Ingeborg Gabriel mit Bischof Bünker, der österreichischen Botschafterin in Peking, Irene Giner-Reichl, dem rumänischen Theologen Prof. Dorin Oancea und dem ukrainischen griechisch-katholischen Umweltbeauftragten Wolodymyr Scheremeta über die Dokumentation "Gerechtigkeit in einer endlichen Welt. Ökologie - Wirtschaft - Ethik" statt.

Bischof Scheuer stellte im Rahmen der ÖRKÖ-Vollversammlung Überlegungen zum bevorstehenden 100-Jahr-Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor. Für die Kirchen gehe es dabei um eine Selbstbesinnung auf die Rolle von Religion "entweder als Hindernis für den Frieden" oder als "Werkzeug des Friedens". Angesprochen wurde bei der Sitzung der Kirchenvertreter auch die Situation der verfolgten Christen insbesondere in der Auseinandersetzung mit radikalen islamistischen Gruppen und die Frage der europäischen Flüchtlingspolitik mit Blick auf die menschlichen Tragödien im Mittelmeerraum.

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14.10.2013
Bünker: "Kein Stillstand in der Ökumene"

Evangelisches Ökumene-Modell "zukunftsoffen und nach vorne gerichtet"

St. Pölten, 14. Oktober 2013 (epdÖ) - Zwei ökumenische Schlüsseldokumente standen im Mittelpunkt eines ökumenischen Studientags in St. Pölten am 11. Oktober: Die Leuenberger Konkordie und das Ökumenedekret des Zweiten Vatikanischen Konzils Unitatis Redintegratio. Beide Texte haben die ökumenische Bewegung der vergangenen 40 Jahre geprägt.

Als einen "Meilenstein der ökumenischen Bewegung" bezeichnete der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker die Leuenberger Konkordie bei seinem Vortrag am Studientag. Mit der Leuenberger Konkordie endete 1973 die Kirchenspaltung zwischen lutherischen und reformierten Kirchen, gegenseitige Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft wird seitdem gewährt, da in grundsätzlichen Lehrfragen eine Übereinstimmung festgestellt werden konnte. Dies sei möglich gewesen, weil man die Lehrverurteilungen aus der Reformationszeit hintangestellt hätte, so Bünker. "Die Verfasser haben festgestellt: Die Lehrverurteilungen treffen die Gesprächspartner heute nicht mehr. Das war eine sehr fruchtbare Methode, die viele Gespräche ermöglichte." Heute besteht die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), die sich auf die Leuenberger Konkordie gründet, aus rund 110 lutherischen, reformierten, methodistischen und vorreformatorischen Kirchen. "Die GEKE ist aber nicht einfach nur ein Dachverband, sondern wir sind auch Kirche", erklärte Bünker, Generalsekretär der GEKE, die ihren Sitz in Wien hat.

Bischof Bünker betonte, dass die Frage nach dem Kirchenverständnis zentral für jedes ökumenische Gespräch sei. Hier gebe es mit anderen Kirchen auf der einen Seite viel Übereinstimmung, auf der anderen Seite aber auch Punkte, wo zum heutigen Zeitpunkt noch keine Einigung gefunden werden kann. "Wir sind deshalb aber in keiner Stillstandsphase der Ökumene", sagte Bünker. "Wir befinden uns nur vor der Eiger-Nordwand der Ökumene. Die läuft man auch nicht schnell hinauf!" Das Modell der Kirchengemeinschaft, das innerhalb der GEKE verwendet wird, habe viele Nachahmer gefunden. "Dieses Modell geht davon aus, dass keine Kirche von sich alleine behaupten kann, Kirche Jesu Christi zu sein", resümierte Bünker. "Unser Modell von Kirchengemeinschaft ist zukunftsoffen. Es richtet sich nach vorn."

Einen Stillstand in der Ökumene sieht auch der katholische Theologe Hubert Philipp Weber, Leiter der Theologischen Kurse Wien, nicht. Ökumene sei aber "ein Weg, auf dem wir nach wie vor langsam gehen. Und zwar in Wertschätzung, aber auch in Wahrnehmung der Probleme." In seinem Vortrag unterstrich er, dass das Ökumenedekret Unitatis Redintegratio des Zweiten Vatikanischen Konzils ein zentrales Dokument für das ökumenische Engagement der Römisch-katholischen Kirche sei. Es richte sich in erster Linie an alle Katholikinnen und Katholiken und könne nur im Kontext der anderen Konzilstexte gelesen und verstanden werden. "In Unitatis Redintegratio ist die Einheit der Christen die Zielvorstellung".

Die ökumenische Bewegung wird dabei selbst als Initiative Gottes verstanden", so Weber. "Die Kirche Jesu Christi hat ein Ziel und zwar der Welt das Evangelium zu bringen. Ökumene steht ebenfalls in diesem Dienst, sie soll der Verkündigung des Evangeliums dienen." Dabei sei die Kirche das Werkzeug zur Einheit, die letztlich nur von Gott hergestellt werden könne. Zu einem "heißen Eisen" der Ökumene, nämlich der Frage, ob die Kirche Jesu Christi in der Römisch-katholischen Kirche verwirklicht sei, sagte Weber: "Die Römisch-katholische Kirche ist der Ort der Verwirklichung der Kirche Jesu Christi, aber sie ist nicht vollkommen und sie ist es nicht ausschließlich."

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02.10.2013
Pröll: Gute Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Land

Ökumenisches Mittagessen im NÖ-Landhaus - Weiland: 2017 betrifft alle Kirchen

St. Pölten (epdÖ) - Die gute Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Land hat der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll beim traditionellen "Ökumenischen Mittagessen" am Dienstag, 1. Oktober, hervorgehoben. Die Kooperation beruhe "auf guten Grundfesten", sagte der Landeshauptmann vor den Repräsentanten der Evangelischen und der Römisch-katholischen Kirche. In einer unruhigen Zeit wie der heutigen sei es wichtig, dass Institutionen Hoffnung, Halt und Orientierung anbieten. Gemeinsam gelte es, dem zunehmenden "Egoismus und der Eigenbrötlerei" entgegenzuwirken und ein "gutherziges" Klima zu schaffen, so Pröll.

Für die hervorragende Zusammenarbeit dankten auch Kardinal Christoph Schönborn und Superintendent Paul Weiland, der gemeinsam mit Seniorin Birgit Schiller und den Senioren Christian Brost und Karl-Jürgen Romanowski ins Landhaus gekommen war. Die furchtbaren Ereignisse in Annaberg hätten gezeigt, "wie gefährdet wir als Menschen sind und welche Abgründe bestehen können", zugleich sei jedoch auch eine "unglaubliche Anteilnahme" spürbar geworden, die Hoffnung gebe, meinte der Kardinal. Die gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Land, etwa in der Denkmalpflege, sei "nicht selbstverständlich".

Superintendent Weiland bezeichnete die jährliche Einladung zum Ökumenischen Mittagessen als "Symbol für das beispielhafte Miteinander und den gegenseitigen Respekt". Weiland erinnerte an das "Jahr der Diakonie", das die Evangelischen Kirchen heuer begehen. Diakonie stehe für "gelebte Nächstenliebe" und "Dasein für andere, die Hilfe brauchen, gleichgültig, wer sie sind und woher sie kommen". Nächstenliebe werde in den Gemeinden gelebt und müsse "immer wieder neu eingeübt werden", hier hätten alle Kirchen eine gemeinsame Aufgabe. Vorausblickend auf das Reformationsjubiläum 2017 sagte Weiland: "Keine Kirche wäre heute so wie sie ist, wenn es die Reformation nicht gegeben hätte." Daher sei 2017 "ein Ereignis, das alle Kirchen betrifft". Das reformatorische Prinzip, Bildung für alle zu ermöglichen, habe etwa stark nach außen gewirkt. So sind im 16. Jahrhundert in vielen Dörfern Niederösterreichs, die damals evangelisch waren, Schulen gegründet worden. 2017 könne ein Anstoß sein, nach außen sichtbar zu machen, wie gut das Miteinander heute funktioniere.

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12.08.2013
 Kritik an FPÖ-Verständnis von Nächstenliebe

Bünker und Hannelore Reiner kritisieren "missbräuchliche Verwendung"

Wien (epd Ö) - Scharfe Kritik an den am Montag präsentierten FPÖ-Wahlkampfplakaten kommt von der Leitung der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Auf den Plakaten sind neben den Konterfeis von Partei-Chef Heinz-Christian Strache und einem blonden Mädchen die biblische Botschaft "Liebe deinen Nächsten" ergänzt durch "Für mich sind das unsere Österreicher" zu lesen. Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und Oberkirchenrätin Hannelore Reiner kritisierten gegenüber dem Evangelischen Pressedienst diese "missbräuchliche" Verwendung des Begriffes, die nichts mit dem christlichen Verständnis von Nächstenliebe zu tun habe. "Offenbar kann es die FPÖ nicht lassen, auf ihren Wahlplakaten auf religiöse Symbole zurückzugreifen, meinte etwa Bünker. Nächstenliebe könne und dürfe nicht auf "unsere Österreicher" verengt werden, unterstrich Reiner.

Als Jesus gefragt wurde: "Wer ist mein Nächster?", habe er mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter - einem "Ausländer", geantwortet, erinnert Diakonie-Chef Michael Chalupka in einer Aussendung. Wenn Jesus den als vorbildlich darstelle, der einem fremden Überfallenen spontane Hilfe zukommen lässt, während dies ein Priester und ein Einheimischer verabsäumen, dann bekomme "Nächstenliebe" einen viel weiteren Horizont. Genau darum gehe es aber: "Die Frage ist nicht, wer ist uns nah, sondern, sind wir bereit, selbst zum Nächsten zu werden?" Nächstenliebe sei, wie Chalupka betont, "keine Abstandsmessung, sondern eine Aufgabe, die sich Christinnen und Christen täglich aufs Neue stellen kann".

kurier.at: Barmherziger Samariter, moderne Pharisäer

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17.07.2013
Körtner: Theologische Defizite prägen EKD-Familiendokument Kritik an "originellem Umgang mit Bibel"

Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken


Wien, 17. Juli 2013 (epdÖ) - Kritik an der vor wenigen Wochen veröffentlichten Orientierungshilfe "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) äußert nun auch der Wiener Systematische Theologe Ulrich H.J. Körtner in einer Analyse in der Zeitschrift für Evangelische Ethik. Zwar beinhalte das Dokument "viel Wichtiges und Richtiges", Körtner kritisiert jedoch theologische Defizite in dem Text sowie den "originellen Umgang mit biblischen Texten".

Die Anerkennung gesellschaftlicher Umbrüche, das Bekenntnis, für Menschen da zu sein, "deren Lebensentwürfe von tradierten Moralvorstellungen der Kirche und ihrem herkömmlichen Verständnis von Ehe und Familie abweichen" und die Fokussierung auf die "Qualität gelebter Beziehungen" seien zu begrüßen. Im Gegensatz zu EKD-Ratsvorsitzendem Nikolaus Schneider sieht Körtner aber sehr wohl einen theologischen Kurswechsel in der neuen Orientierungshilfe. "De facto wird das 'Leitbild' der 'traditionellen lebenslangen Ehe und Familie' aufgegeben." Dies sei aus ökumenischer Sicht ein "höchst problematischer Schritt", der die Beziehungen zu den anderen christlichen Kirchen belaste.

Im Gegensatz zur Stellungnahme der EKD von 1998 "zur ethischen Orientierung für das Zusammenleben von Ehe und Familie", in der noch vom Unverbrüchlichsein der Ehe gesprochen wird, lese man davon nichts mehr in der neuen Orientierungshilfe. "Das Scheidungsverbot Jesu wird dahingehend abgeschwächt, dass es Paare und Eltern 'an ihre Verantwortlichkeit' erinnert." Die Ehe gelte nun auch nicht mehr als Institution, sondern lediglich als Vertragsabschluss, bemängelt Körtner. Angesichts der Bemühungen der EKD, moderne Entwicklungen im Bereich Partnerschaft, Ehe und Familie zu berücksichtigen, kritisiert der Systematiker, "dass die Evangelische Kirche nicht mehr für sich beansprucht, ein eigenes Leitbild von Ehe und Familie zu prägen, sondern lediglich ein anderweitig entstandenes Leitbild zu unterstützen". Und weiter: "Normativ ist für die Autoren der Orientierungshilfe letztlich nicht die Bibel, sondern es sind 'verfassungsrechtliche Vorgaben und Leitbilder von Ehe und Familie. Die Bibel dient dagegen nur in einem sehr allgemein gehaltenen Sinn zur Orientierung."

Aus systematisch-theologischer Sicht sei anzumerken, dass theologisch gewichtige Stimmen kaum einbezogen wurden, schreibt Körtner. Dietrich Bonhoeffer und Karl Barth, auf die in der Orientierungshilfe von 1998 noch Bezug genommen wurden, fehlen gänzlich. Dafür kommt Martin Luther vor, die Rezeption in dem Text sei aber problematisch. "Was man über den Reformator liest, deutet nicht auf eingehende Beschäftigung mit Luther hin, was doch im Vorfeld des Reformationsjubiläums 2017 einigermaßen irritiert."

Der ganze Kommentar zur kürzlich veröffentlichten Orientierungshilfe "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" mit dem Titel: "Hauptsache gerecht. Wie die EKD Familie neu zu denken versucht" wird Anfang Oktober in der Zeitschrift für Evangelische Ethik (Heft 4) erscheinen.

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12.07.2013
Bischöfe betonen Aktualität des Ökumenischen Sozialworts

15. Ökumenische Sommerakademie in Stift Kremsmünster eröffnet - Bischof Bünker: Ausgewogenes Verhältnis von Individualismus und Solidarität

Kremsmünster (epdÖ) - Individualismus und Solidarität müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, damit das gesellschaftliche Zusammenleben gelingen kann. Das war der Tenor am ersten Tag der Ökumenischen Sommerakademie in Stift Kremsmünster, die am Mittwochnachmittag eröffnet wurde. Der lutherische Bischof Michael Bünker und der Linzer Bischof Ludwig Schwarz hoben in ihren Begrüßungsworten die Bedeutung des Ökumenischen Sozialworts hervor.

Bischof Bünker ging in Kremsmünster auf aktuelle brennende Fragen der Gesellschaft ein: Wachsende Ungleichheit, Fragen nach Gerechtigkeit und der Zusammenhalt der Generationen sowie die Grenzen des Marktes seien Themen, die Menschen heute auf der ganzen Welt bewegen. Die christlichen Kirchen werden daher immer ihre Stimme zu sozialer Gerechtigkeit erheben, so Bünker. Er ist auch stellvertretender Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), einem der Veranstalter der Tagung.

Christliche Überzeugung sei es, dass der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist und von daher seine Würde habe, führte der Bischof aus. Zugleich diene das christliche Menschenbild aber nicht als Legitimation eines Individualismus, der zu einer "Ego-Gesellschaft" führt. Denn eine einzelne Person sei nie ohne Beziehung zu anderen zu denken. Die Verhältnisbestimmung zwischen dem Ego und dem Sozialen "hat unmittelbare Auswirkung auf das Gefüge der Gesellschaft", sagte Bünker.

In gleicher Weise äußerte sich der oberösterreichische evangelische Superintendent Gerold Lehner: "Es gibt keinen Menschen ohne den Anderen. Es gibt kein Entweder-Oder, sondern nur ein Und."

"Das Sozialwort wurde in Österreich zum Kompass der Gesellschaft in sozialen Fragen, und es war und ist ein konstruktiver Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft entstanden", erklärte Bischof Schwarz. Das Sozialwort und die darauffolgenden Maßnahmen und Diskussionen hätten von katholischer Seite her als Grundlage die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils von einer "dienenden Kirche".

Das Sozialwort wurde 2003 von 14 christlichen Kirchen in Österreich veröffentlicht. Dem vorausgegangen war ein mehr als dreijähriger Diskussionsprozess über soziale und gesellschaftliche Herausforderungen, denen sich die Kirchen zu stellen haben. Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer betonte das Ökumenische Sozialwort als Handlungsprinzip für politische Entscheidungen und betonte: "Die Verbindung des Sozialwortes mit der sozialen Praxis ist entscheidend."

Die Ökumenische Sommerakademie in Kremsmünster steht heuer unter dem Motto "Wer ist mein Nächster? Das Soziale in der Ego-Gesellschaft" und dauert noch bis Freitag, 12. Juli.

Veranstalter der Sommerakademie sind die Katholisch-Theologische Privatuniversität (KTU) Linz, der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich, das Evangelische Bildungswerk Oberösterreich, die KirchenZeitung der Diözese Linz, das Stift Kremsmünster, die Religionsabteilungen des ORF in Fernsehen und Hörfunk sowie das Land Oberösterreich.

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25.05.2013
"Lange Nacht" - Kirchen zeigen gesellschaftliche Präsenz

Offizieller Eröffnungsgottesdienst mit VertreterInnen aller Kirchen in Wien

Wien (epdÖ) - Mehr als 330.000 Menschen kamen am 24. Mai trotz teilweise extrem schlechten Wetters in die 739 Kirchen in ganz Österreich zu den 3250 Veranstaltungen der "Langen Nacht der Kirchen". Auch 2013 waren alle 16 im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) vertretenen Kirchen an der "Langen Nacht" beteiligt.

Mit einem österreichweiten Läuten der Kirchenglocken ist am Freitagabend kurz vor 18 Uhr die "Lange Nacht der Kirchen" offiziell eröffnet worden. Der offizielle Eröffnungsgottesdienst, an dem Vertreter aller christlichen Kirchen in Österreich teilnahmen, wurde in der Lutherischen Stadtkirche im ersten Wiener Bezirk gefeiert. Der Wiener emeritierte Weihbischof Helmut Krätzl rief in seiner Predigt zu mehr Mut in der Ökumene auf. Zugleich wies er alle Ansichten zurück, die die Kirchen und die religiöse Praxis "in die Hinterzimmer verbannen wollen". Der Glaube verpflichte die Christen dazu, sich in der Gesellschaft zu engagieren.

Am Eröffnungsgottesdienst nahmen neben Weihbischof Krätzl u.a. der lutherische Bischof Michael Bünker, der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar und Vorsitzende des Ökumenischen Rates, Nicolae Dura und die lutherische Stadtpfarrerin Ines Knoll teil.

Bischof Bünker würdigt Rolle des Zweiten Vatikanischen Konzils für die Ökumene


Auf das Zweite Vatikanische Konzil ging der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei der anschließenden Podiumsdiskussion ein. Dieses sei geprägt gewesen von der Hinwendung zur Heiligen Schrift und zur Alten Kirche, von einer dialogischen Grundausprägung sowie von der Behandlung von Anliegen, "die bis dahin als typisch reformatorisch in einem exklusiven Sinn gelten konnten", so Bünker. Dazu zähle etwa die Einführung der Liturgie in der Landessprache oder die Betonung des allgemeinen Priestertums. Das Konzil habe aber nicht nur Forderungen der Reformatoren umgesetzt, in manchen Punkten sei es auch für Evangelische Kirchen vorbildlich gewesen. "In einigen Punkten ist das Konzil der Evangelischen Kirche sogar voraus, etwa in Bezug auf die Religionsfreiheit und die Menschenrechte insgesamt. Dazu hat der deutschsprachige Protestantismus erst rund zehn Jahre nach dem Konzil eine positive theologisch begründete Position bezogen", betonte der Bischof.

Bischof Bünker würdigte bei der Podiumsdiskussion auch die Rolle Kardinal Franz Königs (1905-2004) beim Zustandekommen des Ökumene-Dekrets "Unitatis redintegratio". Zwar unterstützte auch König als Mitarbeiter des Konzils die Differenzierung zwischen Kirchen und Gemeinschaften, jedoch habe der verstorbene Kardinal immer gefordert, von kirchlichen Gemeinschaften zu sprechen. "König war der Ansicht, dass die Mitglieder dieser 'Gemeinschaften' christliche Wahrheiten und die Gnade Christi nicht nur in ihnen finden, sondern auch durch sie." Dieser Vorstoß Königs sei richtungsweisend gewesen, so Bünker. Der Begriff "kirchliche Gemeinschaft" sei ein in die Zukunft öffnender Begriff. "Gemessen daran ist es nach wie vor zu bedauern, dass spätere lehramtliche Dokumente - in erster Linie denke ich an "Dominus Iesus" aus dem Jahr 2000 - den Begriff eher in einem rückwärtsgewandten, abschließenden und auch exklusiven Verständnis gebrauchen", resümierte Bünker.

Die Kirchen seien jedenfalls trotz unterschiedlicher Auffassungen verpflichtet, gemeinsam an der Ökumene zu arbeiten und das Ziel einer sichtbaren Gemeinschaft der christlichen Kirchen in versöhnter Verschiedenheit zu verwirklichen. "Dazu bietet 'Unitatis redintegratio' in seiner Deutungsoffenheit auch in Zukunft eine hervorragende Ausgangsbasis", sagte Bünker.

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18.03.2013
GEKE: "Verschiedenheit der Kirchen ist eine Bereicherung"

Festgottesdienst anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Leuenberger Konkordie in Berlin -
Steinmeier: Leuenberger Konkordie ist "riesengroßer Fortschritt"

Berlin (epdÖ) - Als "eine Einheit, die nicht gleichmacht, sondern in Unterschieden eine Bereicherung sieht", versteht Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel) die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Dies erklärte Weber, der Präsident der GEKE ist, beim Festgottesdienst anlässlich 40 Jahre Leuenberger Konkordie am 17. März im Berliner Dom. Die Unterzeichnung der Leuenberger Konkordie sei "ein Grund zum Danken", so Weber in seiner Predigt. Wo es vor 50 Jahren noch Unterschiede und Ausgrenzung gab, würde heute "versöhnte Verschiedenheit" gelebt. "Die Verschiedenheit trennt uns nicht mehr, wir können heute gemeinsam Gottesdienst feiern und gemeinsam zum Tisch des Herrn kommen", unterstrich Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, bei dem Gottesdienst, den auch GEKE-Generalsekretär Bischof Michael Bünker mitgestaltet hat.

Beim anschließenden Festakt lobte der ehemalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Leuenberger Konkordie als "riesengroßen Fortschritt" und als eine "kluge Antwort auf veränderte Wirklichkeiten". Steinmeier fand auch Anerkennung für das Dokument "Frei für die Zukunft - Verantwortung für Europa", das bei der GEKE-Vollversammlung im September 2012 verabschiedet wurde. "Es ist ein hellsichtiges Papier und eines der wenigen, das in der Krise zur Stärkung der Demokratie aufruft."

Am 16. März 1973 unterzeichneten lutherische, reformierte und unierte Kirchen die Leuenberger Konkordie. In ihr erklären sie Übereinstimmung in zentralen Fragen des christlichen Glaubens sowie gegenseitige Anerkennung der Ämter und Abendmahlsgemeinschaft. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa hat heute 107 Mitglieder, ihre Grundlage bildet die Leuenberger Konkordie. Sitz der GEKE ist Wien.

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13.03.2013
Neuer Papst: Bischof Bünker erwartet ökumenische Offenheit

Wahl des Namens Franziskus streicht Option für die Armen heraus

Wien (epdÖ) - Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker gratuliert Kardinal Jorge Mario Bergoglio zur Wahl als Oberhaupt der Römisch-katholischen Kirche. "Ich freue mich mit der Schwesterkirche über die rasche, überzeugende Entscheidung", sagte Bünker in einer ersten Reaktion. Vom neuen Papst Franziskus erwartet der Bischof, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist, "ökumenische Offenheit". Seine Wahl bewertet Bünker als sehr positives Signal für die Universalität der Kirche. Der neue Papst dürfte durch sein bisheriges Wirken und die Wahl seines Namens auch deutlich die Option der Kirche für die Armen herausstreichen.

Er hoffe, dass der neue Papst gemäß seinem Namensgeber auch Reformfreude zeigen werde. Bünker verwies auf die ökumenische Offenheit der jesuitischen Theologie der letzten Jahrzehnte, die sich etwa auch beim Zweiten Vatikanischen Konzil bei Theologen wie Karl Rahner gezeigt habe. Das mache berechtigte Hoffnung auf Fortschritte in der Ökumene, hin zu "mehr Dialog und weitere Schritte zu mehr Gemeinschaft". Diese Fortschritte, so Bünker etwa am Mittwochabend in der ORF-Sondersendung zur Papstwahl, würden "dringend gebraucht". Notwendig sei ein "starkes Miteinander der Kirchen und Religionsgemeinschaften in einer globalisierten Welt", denn so würde jede einzelne Kirche glaubwürdiger. Wenn der Name "Franziskus" Programm sei, dann dürfe man vom neuen Papst auch erwarten, dass er den "ungezügelten Kapitalismus" zähme.

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06.03.2013
Reiner: "Jeder hat auch Leitungsverantwortung"

Ökumenischer Studiennachmittag: Amt und Leitung der Kirchen

Wien (epdÖ) - "Jede/r getaufte und glaubende ChristIn trägt auch Mitverantwortung für die Gestalt der Kirche und hat damit auch eine Leitungsverantwortung", betonte Oberkirchenrätin Hannelore Reiner bei einem ökumenischen Studiennachmittag der "Theologischen Kurse" und der Stiftung "Pro Oriente" zum Thema "Amt und Leitung der Kirche" am 1. März in Wien.

In der evangelischen Kirche werden alle Ämter durch Wahl besetzt, erklärte Reiner in ihrem Vortrag. Dabei handle es sich aber nicht um das bloße Finden von Stimmenmehrheiten, viel mehr würden dem Wahlvorgang gottesdienstliche Feiern und öffentliche Hearings vorausgehen, die Wahlen selber würden durchgeführt unter Gebet und Segen. Wer dann für eine Amtszeit von sechs beziehungsweise zwölf Jahre gewählt wird, habe die Aufgabe, die Kirche gemeinsam mit anderen im Kollegium zu leiten. Seit langer Zeit sei es auch für Frauen möglich, sich in alle Ämter der Kirche wählen zu lassen. Heute seien rund ein Drittel aller Pfarrstellen mit Pfarrerinnen besetzt, immer mehr Kuratorinnen würden gemeinsam mit PfarrerInnen Gemeinden leiten. Dennoch gäbe es nach wie vor kaum Frauen in geistlichen Leitungsämtern, bemängelte Reiner, die als einzige Frau dem Kollegium des Oberkirchenrats angehört.

Zuhören sei für alle wichtig, die eine kirchenleitende Funktion innehaben, hielt Reiner fest. "Sowohl in der deutschen als auch in der englischen Sprache hängen die Verben antworten und response mit verantworten und responsible zusammen", so die Oberkirchenrätin. "Damit weist die moderne Organisationstheorie darauf hin, dass gute Leitung zunächst einmal aufmerksames Hören und Hinhören bedeutet und erst in einem zweiten Schritt Antworten und Verantwortung gefragt sind." Diese Gespräche seien nicht nur für MitarbeiterInnen wichtig, sondern auch für jene, die in einer Leitungsposition sind. Nur so würden sie erfahren, "wo der Schuh drückt" und wo es Probleme gibt.

Reiner erinnerte auch daran, dass laut dem Augsburger Bekenntnis kirchenleitende Personen durch und aus dem Wort Gottes überzeugen müssen und nicht etwa durch Macht und Gewalt. "Ich denke, an diesem Punkt sind die christlichen Kirchen im 21. Jahrhundert sehr nah zusammen gerückt", sagte Reiner. Die Leitung allein durch das Wort Gottes sei jedenfalls eine schwierige und immer neu zu klärende Selbstverpflichtung, besonders in Krisenzeiten. Als hilfreich habe sich hier das kollegiale System erwiesen, durch das die evangelische Kirche geleitet werde. Der presbyterial-synodale Aufbau der Kirche habe in Österreich eine lange Tradition zurück bis zu den Anfängen der Reformation in Österreich. Im Gegensatz zur römisch-katholischen werden in der evangelischen Kirche alle Ämter durch Wahl besetzt, die drei Ebenen der Kirche – Gesamtkirche, Diözese, Pfarrgemeinde – werden von hauptamtlichen und ehrenamtlichen gemeinsam geleitet.

Ohne die Fähigkeit zu Selbstkritik und den Mut zu Reformen kann es in der Ökumene keine Fortschritte geben, sagte die russisch-orthodoxe Ordensfrau und Theologin Vassa Larin. Es brauche "den Mut, die Wahrheit zu sagen", sonst blieben notwendige Veränderungen aus. Die Ordensfrau nahm dabei vor allem ihre eigene Kirche in die Pflicht. So werde der Begriff der Tradition in der russischen Orthodoxie nicht dynamisch gesehen, überdacht gehöre weiters die Stellung der Frau in der Kirche. Auch der Umgang mit den Mitgliedern der Punkband Pussy Riot, die nach einer Protestaktion in der Moskauer Erlöserkathedrale zum Teil langjährige Haftstrafen absitzen müssen, sei unangemessen, so Larin. Die Orthodoxie als Ganze brauche dringend ein panorthodoxes Konzil, um wichtige interne strukturelle Fragen zu klären und im Anschluss gestärkt in den weiteren ökumenischen Prozess gehen zu können. Reformen seien immer auch ein "Zeichen des Mutes und der Stärke des Glaubens", so Larin, "denn wer stark ist im Glauben braucht auch keine Angst davor zu haben, äußerliche Regeln zu verändern".

Die vorgesehene katholische Referentin Sabine Demel, Professorin für Kirchenrecht an der Universität Regensburg, musste ihre Teilnahme kurzfristig absagen.

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18.02.2013
Bünker: "Brauchen Anerkennung des Papstes nicht"

Ökumene befindet sich in einer Phase der Neujustierung

Wien (epdÖ) - Die Ökumene zwischen den Evangelischen Kirchen und der Römisch-katholischen Kirche befindet sich in einer Phase der Neujustierung. Beide Seiten seien von deren Notwendigkeit überzeugt, jedoch gebe es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie diese Ökumene aussehen soll, erklärte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker in einem Interview für die Tageszeitung "Der Standard" (Montagausgabe). Eine Ökumene mit dem Papst an der Spitze als Zeichen für die sichtbare Einheit ist für Bünker jedenfalls unvorstellbar. "Möglich ist eine lebendige Gemeinschaft von Kirchen, die miteinander Abendmahl feiern und Ämter austauschen. Hier kommt etwa die Frauenordination ins Spiel."

Dass aus Sicht der Römisch-katholischen Kirche, speziell auch aus der Sicht Papst Benedikts XVI., die evangelischen Kirchen keine Kirchen im vollen Sinne, sondern nur kirchliche Gemeinschaften seien, stört Bünker nicht. "Mir ist das vollkommen egal. Wir wissen, dass wir Kirche sind. Wir brauchen von niemandem die Anerkennung. Nur im konkreten Miteinander spielt es doch eine Rolle." So sei es etwa bedauerlich, dass evangelische ChristInnen, die einen katholischen Ehepartner bzw. Ehepartnerin haben, nicht zur katholischen Eucharistie zugelassen sind.

Bünker beschreibt Benedikt als einen "Bewahrer der katholischen Tradition" und einen "Neuformulierer des Immergleichen". Dennoch gebe es einen regen Austausch zwischen der evangelischen und der römisch-katholischen Seite, speziell auf der Basisebene, also zwischen den Gemeinden sowie zwischen den Theologen und Experten, wo vieles weit gediehen sei. "In vielen Fragen ist man sich da schon einiger als auf der dritten Ebene, nämlich der der Repräsentanten der Kirchen. Die sind zwar im Austausch, aber da geht es immer auch um Interessen, manchmal um Machtfragen."

"Die Probleme in der Römisch-katholischen Kirche sind nicht gelöst, wie das Auseinanderklaffen der Meinung der Kirchenhierarchie und der Mitglieder zeigt", resümiert der Bischof. Zu den drei Jesus-Büchern sowie den drei Enzykliken sagt er: "Da muss man nicht alles teilen, was drinnen steht, aber gedanklich und sprachlich sind sie großartig. Wenn das jemand zur Hand nimmt und etwas damit anzufangen weiß, wird das bleiben."

Das ganze Interview können Sie im Internet nachlesen: bit.ly/Uv40rQ

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15.02.2013
"Keine neuen Impulse im Pontifikat Benedikts XVI."

Körtner: "Bis heute Distanz zur reformatorischen Theologie"

Wien (epdÖ) - "Mit Benedikt XVI. tritt ein Theologe von Rang ab, dem auch protestantische Theologen und kirchenleitende Personen Anerkennung zollen", schreibt der evangelische Theologe Ulrich Körtner in der aktuellen Ausgabe der österreichischen Wochenzeitung "Die Furche" vom 14. Februar.

"Ökumenisch hat sein Pontifikat jedoch aus evangelischer Sicht keine neuen Impulse gesetzt", bilanziert Körtner. Die Fortschritte mit den Orthodoxen oder den Pius-Brüdern seien Papst Benedikt XVI. wichtiger gewesen als der Dialog mit den Protestanten. Seine "eigenwillige Sicht" auf Vernunft und Glaube, Aufklärung und Reformation hätte gezeigt, wie groß die Distanz zur reformatorischen Theologie bis heute geblieben sei. In seiner Amtszeit habe er das konservative Profil der Römisch-katholischen Kirche betont. "Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 sollten sich die protestantischen Kirchen ermutigt fühlen, sich auf ihre eigenen Wurzeln und Stärken zu besinnen. Ihre ökumenischen Hoffnungen richten sich nicht auf die nächste Papstwahl, sondern auf die befreiende Kraft des Evangeliums."

Aus evangelischer Sicht verdiene der Schritt des Papstes Respekt, dadurch hebe er sich wohltuend von seinem Vorgänger, Papst Johannes Paul II., ab. Dessen Leiden am Ende seines Lebens sei christologisch erhöht worden - eine theologisch problematische Entwicklung, so Körtner. "Weder Karol Wojtyla noch Joseph Ratzinger dürfen mit dem gekreuzigten Christus verwechselt werden. Das ist blasphemisch. Einzig Christus ist für die Welt und ihre Sünden gestorben, niemand sonst. Darum kann man auch als evangelischer Christ nur dankbar sein, dass er dem Beispiel seines Vorgängers in diesem Punkt nicht folgt."

Den Kommentar Ulrich Körtners können Sie hier nachlesen: bit.ly/YaicSV

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11.02.2013
Auch Ökumene-Vertreter würdigen Papst

Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich,
Dura: "Papst hat Schritt gesetzt, der höchsten Respekt verdient" -
Metropolit Arsenios: Respekt und Verständnis -
Bünker: "Außergewöhnliches Ereignis"

"Der Papst hat einen Schritt gesetzt, der - spirituell gesehen - höchsten Respekt verdient": Dies betonte der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, am Montag im Gespräch mit "Kathpress" im Hinblick auf die Rücktrittsankündigung Benedikts XVI. Der Papst habe darauf hingewiesen, dass seine Kräfte altersbedingt nicht mehr ausreichen, um die große Aufgabe zu bewältigen, das sei eine "zutiefst christliche Haltung", "ganz weit weg von jedem Machtdenken".

Der Schritt Benedikts XVI. bedeute auch für die anderen Christen eine ungeheure Überraschung, niemand habe damit gerechnet. Es sei zu hoffen, dass diese Entscheidung des Papstes jetzt bei allen Christen, vor allem bei den Katholiken, "auch bei den Unzufriedenen unter ihnen", einen Nachdenk- und Besinnungsprozess auslöst.

In den mehr als sieben Jahren seines Pontifikats habe Benedikt XVI. in sehr systematischer Weise viele Fragen des Verhältnisses von christlichem Glauben und Gegenwart bearbeitet, betonte Bischofsvikar Dura: "Gerade auch wir orthodoxen Christen verneigen uns vor diesem Papst, dessen Theologie sehr auf dem Erbe der Väter aufgebaut und versucht hat, dieses Erbe für die Fragen von heute fruchtbar zu machen".

"Einer der bedeutendsten Theologen"

Höchsten Respekt zollt auch Metropolit Arsenios (Kardamakis) Papst Benedikt XVI. für seine Entscheidung. "Mit dem außergewöhnlichen Rücktritt von Papst Benedikt XVI. verlässt einer der bedeutendsten römisch-katholischen Theologen des ausgehenden 20. bzw. beginnenden 21. Jahrhunderts den Stuhl Petri in Rom", so der Metropolit in einer ersten Stellungnahme gegenüber "Kathpress".

Das Wirken Benedikts XVI. habe nicht nur in den letzten Jahren, sondern bereits seit den Anfängen seiner akademischen Ausbildung auf dem Leben und Werk der Kirchenväter basiert. Arsenios: "Als wahrer Theologe und Akademiker gestaltet er die Geschicke der römisch-katholischen Schwesterkirche seit Jahrzehnten wesentlich mit und bringt seit Beginn seiner Amtszeit im Jahre 2005 sein fundiertes Wissen und seine Umsicht in den Ökumenischen Dialog ein, den er seit seinen Anfängen begleitete und entschieden mitgestaltete."

Der Papst habe stets in zweifacher Weise agiert: als Mensch des Denkens und als Mensch der Praxis. Dieser Herangehensweise würden seine sehr guten Kontakte zur Orthodoxie entspringen, "welche seine Rolle als weltoffenes Kirchenoberhaupt einer Schwesterkirche stets zu schätzen weiß".

Der orthodoxe Metropolit hob die enge Verbundenheit des Papstes mit dem orthodoxen Oberhaupt, Patriarch Bartholomaios I., hervor. Er erinnerte an den denkwürdigen Besuch des Papstes im Phanar in Istanbul im November 2006, als eine gemeinsame Erklärung auf der Basis dieser brüderlichen Begegnung unterzeichnet wurde. Arsenios: "An der zentralen Wirkungsstätte des Heiligen Apostels Andreas führte diese gemeinsame Erklärung zu einem Brückenschlag zur Weltorthodoxie."

Die mutige Entscheidung Benedikts XVI. sei "ein klares Bekenntnis zu Christus", welcher stets das Zentrum des zurücktretenden Papstes bleibe. In diesem Sinne seien dem Rücktritt Papst Benedikts XVI. Respekt zu zollen und Verständnis entgegenzubringen, "auch wenn dadurch der Ökumenische Dialog einen seiner engagiertesten Befürworter verliert".

"Papstamt bekommt menschlicheres Gesicht"

"Aus menschlicher Sicht habe ich großen Respekt vor dieser Entscheidung", erklärte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker in einer ersten Reaktion auf den angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Es sei ein "außergewöhnliches Ereignis", weil es in der Geschichte des Papsttums so selten vorgekommen ist. "Ich denke, dass damit auch das Papstamt ein Stück weit ein menschlicheres Gesicht bekommt", so der Bischof gegenüber dem "Kathpress" und dem "Evangelischen Pressedienst".

Für das evangelische Verständnis von Kirche und Amt sei es "etwas ganz Normales", dass Menschen, die eine kirchliche Leitungsfunktion innehaben, diese auch beenden.

Der evangelische Bischof würdigte zum einen die guten Beziehungen und die große Kenntnis des scheidenden Papstes im Hinblick auf den Protestantismus, zum anderen bilanzierte er aber auch enttäuscht. Die großen Hoffnungen für die Ökumene, die mit dem Amtsantritt Benedikts 2005 verbunden waren, hätten sich als "nicht realisierbar" herausgestellt, so Bünker. Vor allem der Besuch des Papstes im Herbst 2011 in Erfurt und die Begegnungen mit der Evangelischen Kirche hätten viele als "ernüchternd" erlebt, ökumenische Impulse seien ausgeblieben.

Mit Blick auf das Pontifikat Benedikts XVI. hob Bünker besonders die "drei großen Enzykliken hervor, die allesamt um das Leitmotiv der Liebe, der Caritas, kreisen". Papst Benedikt XVI. sei ein großer Theologe, der auch als Papst gewichtige theologische Werke wie die Jesusbücher verfasst habe. Die besonderen Beziehungen zu Österreich und zur evangelischen Kirche hierzulande hätten sich auch bei den Besuchen des Papstes, der schließlich aus dem bayerisch-österreichischen Raum komme und mit dieser Mentalität vertraut sei, gezeigt, so der evangelische Bischof.

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